Examensarbeit, 2012
44 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
1.1 Problemlage
1.2 Ziel, zentrale Fragestellung und Aufbau der Arbeit
2 Einflüsse vonPostmoderne, Konstruktivismus und neurobiologischer Erkenntnisse auf Bildung
2.1 Postmoderne
2.2 Systemtheoretischer Zugang
2.3 Konstruktivismus
2.4 Neurobiologische Erkenntnisse
2.5 Auswirkungen auf die Bildungsarbeit
3 Bildung für nachhaltige Entwicklung
3.1 Nachhaltige Entwicklung im Verhältnis zu Bildung und Kunst
3.2 Didaktische Ausgestaltung der„Bildung für nachhaltige Entwicklung“
3.2.1 Leitziel Gestaltungskompetenz
3.2.2 Didaktische Prinzipien
3.2.3 Themen
4 Ästhetische Bildung
4.1 Bildung und Ästhetik
4.1.1 Bildung
4.1.2 Aisthetik, Ästhetik, Anästhetik
4.1.3 Theaterpädagogik als ästhetische Bildung
4.2 Ästhetisch bildende Aspekte theatraler Gestaltung
4.2.1 Der ästhetische Raum
4.2.2 Das Thema
4.2.3 Die Inszenierung
4.2.4 Die Reflektion
4.3 Wirkbereiche ästhetischer Bildung
4.3.1 Bildung des Ästhetischen
4.3.2 Selbstbildung
4.3.3 Soziale Bildung
5 Ästhetische Nachhaltigkeitsbildung
5.1 Synopse
5.1.1 Ziel der Untersuchung
5.1.2 Begründung der Methodenauswahl
5.1.3 Forschungsdesign
5.1.4 Kritische Würdigung der Untersuchung
5.1.5 Darstellung und Diskussion der Untersuchungsergebnisse
5.2 Theaterpädagogische Konsequenzen
5.3 Empfehlungen für einen Workshop
5.3.1 Zielsetzung
5.3.2 Workshopstruktur und Arbeitsweisen
5.3.3 Rahmenbedingungen
6 Zusammenfassung und Ausblick
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die theoretische Fundierung und Formulierung von Kriterien für eine „Ästhetische Nachhaltigkeitsbildung“ auf Basis der systemisch-konstruktivistischen Didaktik. Dabei soll untersucht werden, wie theaterpädagogische Prozesse zur Bildung für nachhaltige Entwicklung beitragen können, ohne in eine rein instrumentelle Nutzung des Mediums Theater zu verfallen.
4.2.1 Der ästhetische Raum
Innerhalb des Prozesses der theatralen Gestaltung schaffen sich die Spieler eine, im Spiel imaginierte, zweite Wirklichkeit, die eine andere Form des Erlebens ermöglicht. Diese zweite Wirklichkeit, die einerseits Teil der ersten Wirklichkeit und zugleich deren Abbild ist, erzeugt den ästhetischen Raum.
Der ästhetische Raum ist ein individueller Spielraum mit Aufforderungscharakter, ein Zwischenraum zwischen „Alltagskompetenzen einerseits und dem Suspens der Verantwortung für die Folgen unseres Tuns andererseits“. In diesem Zwischenraum können neue Erfahrungen gemacht werden „bei denen Zufall und Kontingenz eine wichtige Rolle spielen“ und die zugleich in die Alltagswirklichkeit zurückwirken können. Hier entfaltet sich ein aus Gefühl und Fantasie geformter Raum, welcher von einer unmittelbar sinnlichen Erfahrbarkeit und einem leibzentrierten Raumgefühl bestimmt ist. Im ästhetischen Raum findet eine Verdoppelung statt, denn dieser Raum wird einerseits zur Vorstellung gebracht und gestaltet und andererseits wird er selbst zur Vorstellung, indem er gestaltet wird.
Er ist auch ein wirklichkeitserzeugender Raum, in dem neue Wirklichkeiten erzeugt, ausprobiert und reflektiert werden können. Als Möglichkeitsraum stellt der ästhetische Raum soziale Realität und künstliche Wirklichkeit als zeitgleich existierende Pole einer Situation nebeneinander, macht die Beziehungen zwischen ihnen erfahrbar und ermöglicht so auf einer körpergebundenen Ebene Differenzerfahrungen und die Verhandlung von Realitäten. Als Anschauungsraum verdichtet der ästhetische Raum unter Zuhilfenahme der Einbildungskraft getrennte Zeiten und Räume, um sie hier zur Anschauung zu bringen. Des Weiteren ist der ästhetische Raum auch ein Ausdrucksraum, dem der Mensch nicht nur ausgesetzt ist, sondern den er erleben, kennenlernen und wo er sich handelnd zum Ausdruck bringen kann. Dabei erfährt er Dinge und Menschen immer wieder anders und muss sich selbst immer wieder körperlich neu (er-)finden und wahrnehmen, wodurch er sich systematisch in seiner Subjektivität, Leiblichkeit, Kulturalität, Historizität, Sozialität und Raumzeitlichkeit erlebt.
1 Einleitung: Diese Einleitung benennt die Problemlage der Instrumentalisierung des Theaters in der Umweltbildung und definiert die zentrale Fragestellung nach einer nicht-instrumentalisierenden Verbindung von Theaterpädagogik und Bildung für nachhaltige Entwicklung.
2 Einflüsse vonPostmoderne, Konstruktivismus und neurobiologischer Erkenntnisse auf Bildung: Dieses Kapitel erläutert, wie postmoderne Ansätze, Systemtheorie und Konstruktivismus ein modernes Bildungsverständnis prägen, das Differenz, Subjektivität und Unsicherheit in Bildungsprozessen berücksichtigt.
3 Bildung für nachhaltige Entwicklung: Hier werden die didaktischen Prinzipien und Leitziele, insbesondere die Gestaltungskompetenz, innerhalb einer „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ und deren Verhältnis zur Kunst dargelegt.
4 Ästhetische Bildung: Dieses Kapitel analysiert das bildungswirksame Potenzial ästhetischer Erfahrung, den ästhetischen Raum sowie die Wirkbereiche ästhetischer Bildung, wie Selbst- und soziale Bildung.
5 Ästhetische Nachhaltigkeitsbildung: Hier werden die Forschungsergebnisse zusammengeführt, um ein Konzept der Ästhetischen Nachhaltigkeitsbildung zu etablieren und konkrete Empfehlungen für theaterpädagogische Workshop-Settings abzuleiten.
6 Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit resümiert die Arbeit und weist auf die Notwendigkeit weiterführender Forschung, insbesondere zur empirischen Überprüfung der Bildungswirksamkeit, hin.
Ästhetische Nachhaltigkeitsbildung, Theaterpädagogik, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Systemisch-konstruktivistische Didaktik, Ästhetischer Raum, Gestaltungskompetenz, Künstlerische Bildung, Selbsterfahrung, Inszenierung, Reflexion, Performative Praxis, Postmoderne, Subjektivität, Sinnstiftung, Differenzerfahrung.
Die Arbeit untersucht, wie Theaterpädagogik einen Beitrag zur „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ leisten kann, ohne dabei durch eine moralisierende oder instrumentelle Vereinnahmung ihre künstlerischen Qualitäten zu verlieren.
Die Arbeit verbindet theoretische Konzepte aus der Postmoderne, dem Konstruktivismus und der Systemtheorie mit der Praxis der theaterpädagogischen Arbeit und der Didaktik für nachhaltige Entwicklung.
Das Ziel ist die Formulierung von Kriterien für eine „Ästhetische Nachhaltigkeitsbildung“, die auf systemisch-konstruktivistischer Grundlage basieren, sowie die Ableitung konkreter Empfehlungen für die theaterpädagogische Praxis.
Der Autor verwendet die Methode der quantitativen Inhaltsanalyse, um theoretische Begriffe und Kategorien aus der Fachliteratur zu den Themenfeldern systematisch auf Gemeinsamkeiten und Schnittmengen zu prüfen.
Im Hauptteil werden zunächst theoretische Grundlagen (Postmoderne, Systemtheorie, Didaktik) geklärt, bevor die spezifischen Potenziale des Theaters (ästhetischer Raum, Inszenierung, Reflexion) detailliert analysiert und auf ihre Eignung für nachhaltige Bildungsziele hin untersucht werden.
Neben dem zentralen Begriff der „Ästhetischen Nachhaltigkeitsbildung“ sind Begriffe wie ästhetischer Raum, systemisch-konstruktivistische Didaktik, Differenzerfahrung und ergebnisoffene Suchprozesse zentral für die Argumentation.
Der ästhetische Raum wird als ein geschützter, individueller Spielraum beschrieben, der es den Akteuren ermöglicht, sich in einer „zweiten Wirklichkeit“ zu erproben, ohne die direkten Konsequenzen ihres Handelns aus dem Alltag fürchten zu müssen.
Der Autor warnt davor, Theater lediglich als Heilmittel oder belehrendes Werkzeug für nicht-nachhaltige gesellschaftliche Probleme einzusetzen, da dies der spezifischen Kommunikationsstruktur und den künstlerischen Bildungschancen des Mediums Theater nicht gerecht wird.
Die Reflexion ist unverzichtbar, da sie das individuell Erlebte ins Bewusstsein rückt, den Transfer in den Alltag ermöglicht und sicherstellt, dass aus dem theatralen Spiel tatsächlich eine bildungswirksame Erfahrung erwächst.
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