Hausarbeit, 2010
16 Seiten, Note: 1,3
1. Königsberger Sinnensklaverei: Schillers Ausgangslage
2. Über Anmut und Würde führt die Veredelung: Zur Ethik
3. Über Anmut und Würde führt die Veredelung: Zur Ästhetik
4. Geschlechterdifferenzen in der Abhandlung
5. Die Jungfrau von Orleans- Sinnbild und Querulantin
6. Bellizistische Hand Gottes oder anmutige Eigenregie?
7. Das Haupt der Medusa
Die vorliegende Arbeit untersucht Schillers theoretische Abhandlung „Über Anmut und Würde“ in ihrer praktischen Anwendung auf das Drama „Die Jungfrau von Orleans“. Ziel ist es, die Konzepte von Anmut, Würde und ethischer Veredelung innerhalb des dramatischen Kontextes zu verorten und zu analysieren, wie Johanna als Protagonistin diese philosophischen Ideale verkörpert oder mit ihnen kollidiert.
Bellizistische Hand Gottes oder anmutige Eigenregie?
Im Prolog des Stücks wird uns Johannas Umfeld beschrieben. Schon seit Kindesbeinen treibt sie, abseits von ihrer Familien- und Dorfgemeinschaft, die Schafsherde über die Weidehügel. Manche Analysanden haben in die Naturbeschreibung vorschnell die Konstruktion einer naiven Idylle hineingelesen, die in dem nächsten Aufzug in einem harten Schnitt zusammenbreche und so Johannas doppeltes Wesen plausibel mache. Allerdings übersieht diese Kritik das resolute Auftreten des Mädchens in der Vorgeschichte, als sie „[…] den Tigerwolf bezwang […]“ und so auf bewältigte Lebensgefahren zurückblicken kann. Auch ihre engsten Kameraden haben keinen Zweifel daran, dass in ihrem Busen „[…] ein männlich Herz[…]“ schlägt. Von Anfang an wird Johannas Portrait also mit kriegerischen Attributen versehen, eine Tatsache, die den weiteren Verlauf maßgeblich beeinflusst. Zunächst wird sich die Heldin in der durch die britischen Invasoren geschaffenen Notlage ihrer Mission bewusst, die sie von Gott empfangen haben will.
Königsberger Sinnensklaverei: Schillers Ausgangslage: Einführung in Schillers kritische Auseinandersetzung mit Kants Ethik, die den Ausgangspunkt für seine eigene ästhetische Theorie bildet.
Über Anmut und Würde führt die Veredelung: Zur Ethik: Analyse der ethischen Konzepte bei Schiller, wobei Anmut als harmonische Synthese von Neigung und Vernunft definiert wird.
Über Anmut und Würde führt die Veredelung: Zur Ästhetik: Betrachtung der Umsetzung der ethischen Prinzipien in äußere Bewegung und ihre bühnenwirksame Darstellung.
Geschlechterdifferenzen in der Abhandlung: Untersuchung der problematischen Zuweisung von Anmut und Würde an die Geschlechter in Schillers Theorie.
Die Jungfrau von Orleans- Sinnbild und Querulantin: Einordnung des Dramas in den zeitgeschichtlichen Kontext und Diskussion moderner Interpretationsansätze.
Bellizistische Hand Gottes oder anmutige Eigenregie?: Analyse der Protagonistin Johanna als Kriegerin und ihre Beziehung zu göttlicher Mission und persönlichem Willen.
Das Haupt der Medusa: Abschließende Betrachtung der metaphorischen Parallelen zwischen Johanna und der Medusa sowie ein Fazit zur interpretatorischen Offenheit des Werkes.
Friedrich Schiller, Über Anmut und Würde, Die Jungfrau von Orleans, Immanuel Kant, Ethik, Ästhetik, Veredelung, Geschlechterdifferenz, Heroismus, Johanna, Pflicht, Neigung, Autonomie, dramatische Theorie, Literaturanalyse
Die Arbeit analysiert die Anwendung von Schillers philosophischen Konzepten aus „Über Anmut und Würde“ auf sein Drama „Die Jungfrau von Orleans“.
Zentrale Themen sind die ethische Veredelung, das Verhältnis von Vernunft und Sinnlichkeit sowie die Darstellung weiblicher Heldenfiguren im Kontext der Schillerschen Ästhetik.
Das Ziel ist es, zu prüfen, inwieweit Schillers theoretische Konzepte dazu dienen können, das Handeln der Johanna im Drama zu deuten und zu systematisieren.
Es handelt sich um eine hermeneutische Literaturanalyse, die Schillers philosophische Schriften als Grundraster für die Interpretation seines Dramas nutzt.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Ethik und Ästhetik, die Analyse der Geschlechterrollen und die konkrete Auslegung der Johanna-Figur.
Besonders prägend sind Begriffe wie „Anmut“, „Würde“, „Veredelung“, „Schiller“, „Ethik“ und „Johanna“.
Anmut ist bei Schiller die harmonische Übereinstimmung von Vernunft und Sinnlichkeit, während Würde den inneren Zwiespalt und die Überwindung des Sinnlichen durch das Sollen beschreibt.
Der Schwarze Ritter wird als Manifestation des Übersinnlichen und als Observator interpretiert, der Johannas Omnipotenz und ihren göttlichen Auftrag in Frage stellt.
Widersprüche ergeben sich aus ihrer Darstellung als „zarte Jungfrau“ einerseits und als „grausame Amazone“ andererseits, was die Forscher zu unterschiedlichen Deutungsansätzen führt.
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