Masterarbeit, 2011
108 Seiten
1. Einleitung
2. Historischer Hintergrund
2.1. Bildungsexpansion
3. Begriffsdefinition
3.1. Chancengleichheit im Bildungswesen
3.1.1. Schulische Arbeit - Chancengleichheit und Lernprozesse
3.1.2. Leistung und Leistungsbewertung – Binnendifferenzierung
3.1.3. Chancengleichheit beim Übergang – Einflussfaktoren
3.1.4. Strukturreform – Chancengleichheit und Zweigliedrigkeit
3.1.5. Schlussbetrachtung – Chancengleichheit
4. Teil I – Grundschule
4.1. Reformmaßnahmen in der Grundschule
4.2. Grundschule und Grundschulreform
4.3. Flexible Schulanfangsphase – Heterogenität der Schüler
4.4. Binnendifferenzierung – Individualisierung des Lernens
4.5. Schlussbetrachtung – Reformmaßnahmen in der Grundschule
5. Teil II – weiterführende Schulformen der Sekundarstufe I
5.1. Schulstrukturreform der weiterführenden Schulen
5.2. Integrierte Sekundarschule (ISS)
5.3. Gymnasium
5.4. Auswahlverfahren und Aufnahmekriterien bei Übernachfrage
5.5. Schlussbetrachtung - Reform der weiterführenden Schulen
6. Fragestellung und Thesen
6.1. Thesen zur Chancengleichheit im Berliner Bildungswesen
7. Methodisches Vorgehen
7.1. Vorgehensweise und Zugang zu den befragten Personen
7.2. Erhebungszeitraum
7.3. Interviewpartner und Teilnehmer der Gruppendiskussion
7.4. Erhebungsmethode – Experteninterview
7.5. Erhebungsmethode – Gruppendiskussion
7.6. Auswertungsmethode
8. Ergebnisse der Erhebungen und Auswertung
8.1. Schulische Arbeit Chancengleichheit und Lernprozesse aus der Lehrerperspektive
8.2. Leistung und Leistungsbewertung – Binnendifferenzierung
8.3. Chancengleichheit beim Übergang aus der Elternperspektive
8.4. Strukturreform – Chancengleichheit durch Zweigliedrigkeit
9. Fazit
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der Berliner Schulreform auf die Chancengleichheit beim Übergang von der Grundschule an weiterführende allgemeinbildende Schulen. Dabei wird analysiert, inwiefern Reformmaßnahmen wie die flexible Schulanfangsphase und Binnendifferenzierung tatsächlich Bildungschancen für alle Kinder unabhängig von ihrer sozialen Herkunft fördern oder ob sie neue Benachteiligungen erzeugen.
1. Einleitung
Die vorliegende Masterarbeit zu dem Thema „Konsequenzen der Berliner Schulre form für die Chancengleichheit beim Übergang von der Grundschule an die weiter führende, allgemeinbildende Schulform“ befasst sich mit den Veränderungen schuli scher Bildungsarbeit in der Grundschule durch die Bildungsreform und den Auswir kungen, die daraus für die Chancengleichheit beim Übergang an ein Gymnasium oder an eine Integrierte Sekundarschule resultieren.
Auf die schlechten Ergebnisse der Berliner Schüler bei den internationalen Ver gleichsstudien wie zum Beispiel PISA, TMSS, IGLU etc., reagierte Berlin mit tief grei fenden Reformen des Bildungssystems. Die Ergebnisse der PISA-Studien haben wiederholt hervorgehoben, dass die deutschen „Schüler in den Ergebnissen im inter nationalen Vergleich in den Bereichen Leseverständnis, Mathematik und Naturwis senschaften unterdurchschnittlich abschnitten“ (Allmendinger / Nikolai 2006:32). Wei terhin „hängen die Bildungschancen für eine höhere Schulausbildung an Gymnasien für Jugendliche stark von der sozialen Herkunft ab“ (Becker 2006:29). Die in Deutschland bereits „in den 1960-er Jahren einsetzende und bis jetzt andauernde Bildungsexpansion“ führte zwar zu „zunehmender Bildungsbeteiligung in allen sozia len Schichten“, jedoch wurde „weder die soziale Ungleichheit von Bildungschancen abgebaut noch die Struktur der Zugangschancen zum Gymnasium verbessert oder gar die Struktur der Vererbung von Bildungsabschlüssen geändert“ (Becker 2006:29).
Die zunehmende Flexibilisierung der Arbeit wird in Zukunft noch mehr hoch qualifi zierte Arbeitskräfte erfordern. „Jugendliche aus bildungsfernen Schichten, mit Migra tionshintergrund und mit niedrigen Bildungsabschlüssen, drohen sich zu einer neuen Bildungsunterschicht zusammenzuballen“ (Allmendinger / Nikolai 2006:35). Weiterhin „ist der durchschnittliche Anteil der Kinder aus „bildungsnahen Schichten“, die ein Gymnasium besuchen, viermal so hoch wie der Anteil der Kinder aus Facharbeiter oder Migrantenfamilien“ (Allmendinger / Nikolai 2006:33). Dieser Aspekt bestärkt die Vermutung, dass „die soziale Herkunft, wie auch der Migrationshintergrund der Ju gendlichen mitentscheidend für deren Bildungskarriere ist“ (Allmendinger / Nikolai 2006:34).
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Problemstellung der Chancengleichheit im Berliner Schulsystem angesichts internationaler Vergleichsstudien und der eingeleiteten Reformen.
2. Historischer Hintergrund: Dieses Kapitel skizziert die Entwicklung der Bildungsexpansion seit den 1960er Jahren und die damit einhergehende Debatte um Bildungsgerechtigkeit.
3. Begriffsdefinition: Es erfolgt eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Begriff der Chancengleichheit und dessen Bedeutung im meritokratischen Schulmodell.
4. Teil I – Grundschule: Der Teil I untersucht deskriptiv die didaktischen Veränderungen wie die flexible Schulanfangsphase und Binnendifferenzierung in der Primarstufe.
5. Teil II – weiterführende Schulformen der Sekundarstufe I: Dieses Kapitel erläutert die Umstrukturierung des Oberschulwesens und das neue Aufnahmeverfahren der Integrierten Sekundarschulen und Gymnasien.
6. Fragestellung und Thesen: Hier werden die aus dem theoretischen Rahmen abgeleiteten Thesen zur Untersuchung der Chancengleichheit formuliert.
7. Methodisches Vorgehen: Das Kapitel beschreibt das qualitative Forschungsdesign unter Nutzung von Experteninterviews und Gruppendiskussionen.
8. Ergebnisse der Erhebungen und Auswertung: Die erhobenen Daten werden ausgewertet und aus der Perspektive der Akteure (Lehrer, Eltern) reflektiert.
9. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und resümiert die Auswirkungen der Berliner Schulreform auf die Chancengleichheit.
Chancengleichheit, Berliner Schulreform, Grundschule, Integrierte Sekundarschule, Gymnasium, Binnendifferenzierung, Schulanfangsphase, Bildungsbeteiligung, soziale Herkunft, Bildungsbarrieren, Übergangsentscheidung, Leistungsbewertung, Bildungsexpansion, Selektion, Schulstrukturreform
Die Masterarbeit analysiert die Konsequenzen der Berliner Schulreform, insbesondere die Auswirkungen auf die Chancengleichheit von Schülern beim Übergang von der Grundschule auf weiterführende Schulen.
Zentrale Felder sind die Reformen der Grundschuldidaktik, die Umstrukturierung des Oberschulwesens in eine Zweigliedrigkeit sowie die Mechanismen der sozialen Selektion durch Notendurchschnitte und Aufnahmeverfahren.
Ziel ist es zu erarbeiten, ob die Veränderungen der schulischen Arbeit – wie die Individualisierung des Lernens – tatsächlich zu mehr Chancengleichheit führen oder ob soziale Herkunft weiterhin Bildungskarrieren determiniert.
Es handelt sich um eine qualitative Feldstudie, die Daten aus Experteninterviews (Grundschullehrer) und Gruppendiskussionen (Elterngremien) in einem Zeitraum von 2007 bis 2011 auswertet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der Chancengleichheit und eine empirische Analyse, in der die Umsetzung von Binnendifferenzierung und Schulanfangsphase sowie deren Auswirkungen auf die Übergangsempfehlungen kritisch beleuchtet werden.
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Chancengleichheit, Bildungsreform, Integrierte Sekundarschule, Binnendifferenzierung und soziale Herkunft definieren.
Die befragten Akteure betonen, dass das Elternhaus eine entscheidende Kompensationsinstanz darstellt; mangelnde Unterstützung zu Hause kann oft nicht durch die individualisierten Lernangebote der Schule ausgeglichen werden.
Das Losverfahren wird als symptomatisch für eine fehlende echte Chancengleichheit wahrgenommen, da es nur eine Illusion von Gleichheit erzeugt, während die Selektion nach Leistung weiterhin den Großteil der Platzvergabe an den Schulen bestimmt.
Die befragten Lehrer stehen dem Konzept skeptisch gegenüber, da sie durch die Auflösung fester Klassenstrukturen und das vorgezogene Schuleintrittsalter bei gleichzeitig kompakteren Lerninhalten eine Überforderung vieler Kinder und eine sinkende Qualität in den Basiskenntnissen beobachten.
Die Autorin folgert, dass die Reduzierung auf zwei Schulformen die Bildungsbarrieren nicht erfolgreich abbaut, sondern tendenziell eher zu einer sozialen Platzierung führt, da die Unterschiede zwischen Gymnasium und Integrierter Sekundarschule (praxisnah vs. wissenschaftlich) weiterhin bestehen bleiben.
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