Bachelorarbeit, 2012
63 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Theoretischer Rahmen
2.1 Fußball als Thema soziologischer Forschung
2.1.1 Forschungsstand: Wissenschaftliche Analysen über Fans
2.1.2 HSV und St. Pauli als wissenschaftliche Forschungsfelder
2.2 Zum Verständnis des Begriffs „Fan“
2.2.1 Konzepte zur Kategorisierung von Fans
2.2.2 Schlussfolgerungen für diese Arbeit
2.3 Fans und Sozialisation
2.3.1 Zum Verständnis des Begriffs „Sozialisation“
2.3.2 Das integrative Erklärungsmodell von Skrobanek/Jobst
2.3.3 Ergänzungen zur Sozialstruktur
2.3.4 Ergänzungen zur Lebensstil- und Milieuforschung
2.3.5 Schlussfolgerungen für diese Arbeit
3. HSV und St. Pauli – eine besondere Rivalität
3.1 Sportlich und wirtschaftlich ein Duell „Groß gegen Klein“
3.2 Rivalitäts-Rituale der Fans
3.3 Analyse der vorliegenden Quellen
3.3.1 Dimension der Identitätsbildung
3.3.2 Dimension der politischen Einstellung
3.3.3 Dimension der Wählbarkeit des Fanobjekts
3.3.4 Dimension der regionalen Zugehörigkeit
3.3.5 Dimension des Geschlechts
3.3.6 Dimension der Bildung
3.3.7 Dimension des Einkommens
3.3.8 Dimension der Lebensstile und Milieus
4. Formulierung der Hypothesen
5. Ausblick für die Forschung
5.1 Politisches Interesse und politische Ausrichtung
5.2 Wählbarkeit des Fanobjekts
5.3 Regionale Zuordnung
5.4 Bildung, Geschlecht und Einkommen
5.5 Lebensstile und Milieus
6. Fazit
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht soziokulturelle und -strukturelle Unterschiede zwischen den Fanszenen des Hamburger SV und des FC St. Pauli, um festzustellen, ob die Rivalität zwischen beiden Lagern auf fundierten Differenzen oder lediglich auf sozial konstruierten Vorurteilen beruht.
3.3.1 Dimension der Identitätsbildung
Es scheint unbestritten, dass sich die Fans des Hamburger SV und des FC St. Pauli bereits in einem grundsätzlichen Punkt unterscheiden: bei der Herstellung ihrer jeweiligen Fan-Identität. Die wird nach Winfried Gebhardt auch von bewusst gewählten oder habituell verfestigten Distinktionsstrategien“ getragen (Gebhardt 2010: 184). Das erfolgt unter anderem, indem eine Mystifikation des Vereins erzeugt wird, indem ihm „eine ‚außeralltägliche’, nicht für jeden erreichbare Qualität zugesprochen wird.“ (ebd.: 197f.)
Die HSV-Anhänger bedienen sich bei der Mystifikation ihres Vereins vor allem der Berufung auf sportlichen Erfolg.41 Darauf deuten auch die in Kapitel 2.1.2 erwähnten Themenschwerpunkte der Fan-Literatur hin. Den Fans sind auch typische Elemente wie Identifikation mit der Stadt, Treue zum Verein und Tradition wichtig (Ranau 1996: 7, Übersteiger 07.10.2007). Als Alleinstellungsmerkmal aber ist vor allem der Status als einziger ewiger Bundesligist als ganz wichtiger Bezugspunkt, auch weil der letzte Titelgewinn inzwischen 25 Jahre zurückliegt.42 So lässt sich auch die beinahe bedingungslos wirkende Unterstützung im Abstiegskampf der Saison 2011/12 erklären (abendblatt.de 14.04.2012). Keiner Fangemeinschaft in Deutschland würde der Verlust der Bundesliga-Zugehörigkeit so sehr schaden wie der des HSV, weil damit der Kern der Vereins-Identität vernichtet wäre.
Beim FC St. Pauli identifizieren sich die Fans hingegen nicht mit den Errungenschaften ihres Vereins, sondern mit ihrer eigenen – für später hinzugekommene Anhänger teilweise tradierten – fankulturellen Geschichte (Ranau 1996: 8, Übersteiger 07.10.2009, Mathar 2008a: 81, Hasenbein 2010: 76). Der vor allem in der Medienwelt vielzitierte „Mythos FC St. Pauli“ steht stets im engen Bezug zur Fankultur am Millerntor. Dazu trägt sicherlich bei, dass viele Journalisten, die über den FC St. Pauli schreiben, selbst Fans des FC St. Pauli sind (Dürr 2008: 194f.). Vor allem die als einzigartig beschriebene Stimmung im Stadion wird dabei immer wieder zum Thema gemacht (Ranau 1996: 6, Dürr 2008: 192f.), aber auch von persönlich befragten Fans hervorgehoben (Scholl 2007: 165f.).
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Rivalität zwischen Hamburger SV und FC St. Pauli ein und stellt die forschungsleitende Frage nach soziokulturellen Unterschieden der Fangruppen.
2. Theoretischer Rahmen: Es werden soziologische Grundlagen der Fanforschung, Sozialisationstheorien und Konzepte zur Sozialstruktur sowie Lebensstilforschung erarbeitet.
3. HSV und St. Pauli – eine besondere Rivalität: Dieser Hauptteil analysiert die historische und sportliche Rivalität sowie verschiedene Dimensionen wie Identität, Politik, Herkunft und Bildung.
4. Formulierung der Hypothesen: Basierend auf der Analyse werden spezifische Unterhypothesen zu politischen, ökonomischen und sozialen Differenzen aufgestellt.
5. Ausblick für die Forschung: Das Kapitel bietet methodische Ansätze und Vorschläge für eine zukünftige, repräsentative empirische Erhebung zur Überprüfung der Hypothesen.
6. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass Unterschiede zwischen den Fanszenen wahrscheinlich sind und eine quantitative Forschung als nächster wissenschaftlicher Schritt sinnvoll ist.
Fußball, Hamburger SV, FC St. Pauli, Fanforschung, Sozialisation, Identitätsbildung, Rivalität, Sozialstruktur, politische Einstellung, Lebensstil, Milieuforschung, Bundesliga, Fankultur, empirische Analyse, Stadionszene.
Die Arbeit untersucht die soziokulturellen und strukturellen Unterschiede zwischen den Fangemeinschaften des Hamburger SV und des FC St. Pauli.
Die Arbeit fokussiert auf Identitätsbildung, politische Ausrichtung, soziale Herkunft, Bildungsniveau, Einkommensstrukturen und Lebensstile der Fans.
Ziel ist es, die Unterschiede zwischen den beiden Fanszenen wissenschaftlich zu systematisieren und forschungsleitende Hypothesen für eine zukünftige empirische Untersuchung zu generieren.
Die Autorin verwendet die Methode des narrativen Reviews, um bestehende Literatur, Studien und Medienberichte zu bündeln und für die Theoriebildung nutzbar zu machen.
Der Hauptteil analysiert die Rivalitäts-Rituale sowie spezifische Dimensionen wie Identität, Politik, Wählbarkeit des Vereins, Regionalität, Geschlecht und Bildung im direkten Vergleich beider Vereine.
Zentrale Begriffe sind Fußball-Fanforschung, Sozialisation, soziokulturelle Differenzen, Identitätsbildung und die soziologische Kategorisierung von Fans.
Die Analyse legt nahe, dass der FC St. Pauli im Gegensatz zum „klassischen“ HSV eine höhere Anzahl an „Spät-Wechslern“ aufweist, die sich aus politischen oder weltanschaulichen Gründen bewusst für den Verein entscheiden.
Der FC St. Pauli wird stark mit links-alternativen Werten assoziiert, während der HSV traditionell eher als „Volksverein“ bzw. „Vorstadtverein“ wahrgenommen wird, in dessen Umfeld es jedoch auch historisch Probleme mit rechtsextremen Tendenzen gab.
Obwohl das Image des FC St. Pauli als „frauenfreundlich“ gilt, deuten die untersuchten Daten darauf hin, dass die Frauenanteile in beiden Fanszenen vergleichbar sind.
Die Arbeit deutet darauf hin, dass Akademiker und Personen aus bestimmten, eher liberalen Milieus überproportional beim FC St. Pauli zu finden sind, während der HSV eine breitere bürgerliche Basis anspricht.
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