Diplomarbeit, 2003
122 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Terrorismus - Begriffsbestimmung
2.1 Minderheiten
2.2 Politische Handlungsstrategie
2.3 Gewalt
2.4 Stimmung des Schreckens
2.5 Umsturz des politischen Systems
2.6 Legitime Mittel der Gewaltsamkeit herausfordern
2.7 Provokation
3. Herrschaftsentzug
3.1 Frustrationstheorien
3.2 Machttheorien
4. Die RAF
4.1 Die RAF im Überblick
4.1.1 Die Geburtsstunde der RAF
4.1.2 Vorbereitung von Anschlägen
4.1.3 Die Anschläge
4.1.4 Die Führungsriege der RAF in Haft
5. Das Problem der kollektiven Handlung
5.1 Aus der Sicht des Marktes
5.1.1 Gewinne erhöhen
5.1.2 Kosten senken
5.1.3 Ressourcen erhöhen
5.1.4 Verbesserung von Taktiken
5.1.5 Die Wahrscheinlichkeit erhöhen, einen Unterschied machen zu können
5.1.6 Unvollständige Informationen nutzen
5.1.7 Risikobereitschaft erhöhen
5.1.8 Die Art des öffentlichen Gutes verändern
5.2 Aus der Sicht der Gemeinschaft
5.2.1 Gemeinsames Wissen
5.2.2 Gemeinschaftliche Werte, welche das Selbstinteresse übersteigen
5.3 Aus der Sicht der Verträge
5.3.1 Self-Government
5.3.2 Tit-For-Tat arrangements
5.3.3 Mutual exchange agreements
5.4 Aus der Sicht der Hierarchien
5.4.1 Agenten und Unternehmer
5.4.2 Prinzipale und Patrone
5.4.3 Organisationsstruktur
5.4.4 Aufstellen, Überwachen und Durchsetzen von Vereinbarungen
6. Zusammenfassung
Das Hauptziel dieser Diplomarbeit besteht darin, die Ursprünge und die frühe Entwicklung der ersten Generation der Roten Armee Fraktion (RAF) zwischen 1968 und 1975 unter Anwendung der Theorie des rationalen Akteurs zu analysieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie es einer kleinen, heterogenen Gruppe gelingen konnte, ein gemeinsames kollektives Ziel zu verfolgen und den bewaffneten Kampf gegen das staatliche System aufzunehmen.
5.1.2 Kosten senken
Kosten spielen, neben dem Nutzen, eine wesentliche Rolle bei der Bemessung ob und wie ein Akteur in einer Situation handelt, oder nicht. „Hier [...] führt das Trittbrettfahrerdenken das Individuum zu der Einsicht, daß es nicht in seinem Interesse liegen kann zu handeln, solange die Kosten nicht sehr niedrig sind“ (Coleman, 1995, S. 217). Es liegt daher im Interesse der Terroristen, die Kosten so gering wie möglich zu halten, um eine Teilnahme an der kollektiven Handlung zu unterstützen. „Mit jeder denkbaren Reduzierung der geschätzten Kosten einer Beteiligung kann also die Schwelle gesenkt werden, die die geschätzten Gewinne überschreiten müssen, damit eine Beteiligung rational wird“ (Coleman, 1995, S. 220).
Es wird hierbei hauptsächlich zwischen den festen Kosten, die bei der Gründung einer terroristischen Vereinigung anfallen, und den Opportunitätskosten unterschieden (vgl. Lichbach, 1998, S. 38). Die Kosten werden dabei maßgeblich vom Regime bestimmt. „It is, therefore, the costs imposed by the regime that make collective dissent a PD game […]” (Lichbach, 1998, S. 39). Sind die Kosten hoch, wird die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Akteur an der kollektiven Handlung beteiligt, geringer, sinken die Kosten, wird sie größer. Oder anders formuliert: „Des potentiellen Aktivisten Einschätzung der Wahrscheinlichkeit einer Bestrafung durch die Autoritäten ist von großer Bedeutung für die Entscheidung, sich an einer revolutionären Aktivität zu beteiligen“ (Coleman, 1995, S. 227). Auf der Grundlage des rational handelnden Akteurs ist jeder zunächst darum bemüht, die Kosten so gering als möglich und den dadurch zu erzielenden Gewinn so hoch als möglich ausfallen zu lassen.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik ein und erläutert die rationale Herangehensweise an das Phänomen RAF, wobei aktuelle gesellschaftliche Debatten kontextualisiert werden.
2. Terrorismus - Begriffsbestimmung: Hier wird auf Basis der Definition von Neidhardt ein theoretisches Arbeitsgerüst für den Terrorismusbegriff erarbeitet, das die Abgrenzung zur gewöhnlichen Kriminalität erlaubt.
3. Herrschaftsentzug: Dieses Kapitel vergleicht Frustrations- und Machttheorien als Ansätze zur Erklärung von Revolutionen und stellt den Herrschaftsentzug nach Coleman als Ziel terroristischer Gruppen dar.
4. Die RAF: Hier erfolgt ein geschichtlicher Abriss der ersten Generation der RAF, wobei die Hauptakteure und ihre ersten terroristischen Aktionen als empirische Grundlage vorgestellt werden.
5. Das Problem der kollektiven Handlung: Dies ist das zentrale Kapitel, das vier Lösungsansätze (Markt, Gemeinschaft, Verträge, Hierarchien) detailliert analysiert und auf die RAF anwendet.
6. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse ab und stellt fest, dass alle vier Lösungsansätze zusammengenommen eine Erklärung für die kollektive Handlung der RAF bieten.
Terrorismusanalyse, RAF, Kollektive Handlung, Rationaler Akteur, Herrschaftsentzug, Trittbrettfahrer-Problem, Kosten-Nutzen-Rechnung, Politische Strategie, Radikalisierung, Ideologie, Hierarchie, Netzwerktheorie, Organisation, Widerstand, El-Fatah.
Die Diplomarbeit untersucht die Entstehung und Handlungsweise der ersten Generation der RAF, indem sie diese als rationale Organisation betrachtet, die das Problem kollektiven Handelns bewältigen musste.
Zentrale Themen sind die Theorie rationalen Handelns, die ökonomische Analyse von Terrorismus, die Dynamik innerhalb terroristischer Gruppen und die Wechselwirkung zwischen Terroristen und staatlichen Repressionsmaßnahmen.
Das Ziel ist es, analytisch zu begründen, wie die RAF ihre Mitglieder trotz der hohen persönlichen Risiken mobilisieren konnte und welche Mechanismen zur Stabilisierung dieser kollektiven Handlung führten.
Der Autor nutzt die Theorie kollektiven Handelns nach Mark I. Lichbach und James Coleman, um das Verhalten der RAF systematisch in marktwirtschaftliche, gemeinschaftliche, vertragliche und hierarchische Erklärungsmodelle einzuordnen.
Der Hauptteil gliedert sich in vier große Analyseschritte, in denen Mechanismen zur Senkung von Beteiligungskosten, zur Erhöhung von Anreizen und zur internen Strukturierung der Terrorgruppe durchleuchtet werden.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Rote Armee Fraktion, kollektive Handlung, rationaler Akteur, Kosten-Nutzen-Analyse und terroristische Organisationsstruktur beschreiben.
Das Modell erklärt, wie anfängliche Aktionen von Fanatikern eine Eigendynamik erzeugen, die weitere, zögerlichere Akteure dazu bewegt, sich der Gruppe anzuschließen, weil die Erfolgsaussichten steigen und die Kosten sinken.
Obwohl die RAF ein gemeinsames Ziel verfolgte, war sie durch sehr unterschiedliche soziale Hintergründe ihrer Mitglieder (vom Juristen bis zum Arbeitslosen) geprägt, was die interne Organisation und die Suche nach einem gemeinsamen ideologischen Nenner erschwerte.
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