Bachelorarbeit, 2012
45 Seiten, Note: 1,3
Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund und Forschungsstand
2.1. Normative Grundlage: Das Konzept der Medienfreiheit
2.2. Komparative Mediensystemforschung
2.3. Mediensystemtransformation
3. Estland
3.1. Transformation des Mediensystems nach dem Zusammenbruch des Kommunismus
3.2. Jüngste Entwicklung der Medienfreiheit
4. Ungarn
4.1. Transformation des Mediensystems nach dem Zusammenbruch des Kommunismus
4.2. Jüngste Entwicklung der Medienfreiheit
5. Im Vergleich: Entwicklung von Mediensystem und Medienfreiheit in Estland und Ungarn
6. Fazit und Ausblick
7. Literaturverzeichnis
8. Anhang
Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedliche Entwicklung der Medienfreiheit in Estland und Ungarn nach dem Zusammenbruch des Kommunismus. Ziel ist es, durch einen theoriegeleiteten Vergleich der Mediensysteme Einflussfaktoren zu identifizieren und zu erklären, warum sich Estland als stabiler „Klassenprimus“ und Ungarn zunehmend als „Sorgenkind“ der Medienfreiheit in Osteuropa etabliert hat.
3.1. Transformation des Mediensystems nach dem Zusammenbruch des Kommunismus
Die erste Phase in der Transformation des estnischen Mediensystems in Anlehnung an Hadamik (s. Kapitel 2.3) beginnt in den späten 1980er Jahren. Während der sowjetischen Herrschaft, waren die Medien, vor allem im Hinblick auf die Verbreitung internationaler Nachrichten, vollkommen kontrolliert (vgl. Vihalemm 2001: 96). Nach Töpfls Modell (s. Kapitel 2.3) lässt sich hier von einer starken, nicht-erwünschten Kopplung des Mediensystems mit dem politischen System sowohl in der strukturellen als auch in der prozessualen Dimension sprechen. In Blums Modell (s. Kapitel 2.2) folgte das estnische Mediensystem zu diesem Zeitpunkt in nahezu allen Kategorien der regulierten Linie.
Obwohl Michail Gorbatschow schon 1985 glasnost ausrief, reagierte die estnische Gesellschaft darauf erst allmählich. Die Medien bildeten dabei zunächst keine Ausnahme: Noch im August 1987, als sich zum ersten Mal eine Großdemonstration gegen das sowjetische Regime in Tallinn formierte, berichteten die Medien, das estnische Volk unterstütze den Protest nicht (vgl. Vihalemm 2003: 587). In der Folge nahm der Wandel der estnischen Gesellschaft, getragen von einer Protestbewegung, die ihre Mitglieder aus unterschiedlichen Strömungen akquirierte, jedoch Fahrt auf – und die Medien in dem baltischen Land spielten dabei eine entscheidende Rolle (vgl. Thomaß/Tzankoff 2001b: 249).
Nach und nach wagten es Journalisten und Medien, offen gegen die sowjetische Zensur zu verstoßen: Im Oktober 1987 begann das estnische Fernsehen damit, eine zweistündige Live-Diskussionssendung auszustrahlen und seit April 1988 veröffentlichten estnische Zeitungen regelmäßig Aufrufe und Beschlüsse der politischen Bewegungen (vgl. Lauristin/Vihalemm 2002: 25). Spätestens bis Juni 1988 entstand in Estland wieder eine eigenständige politische Öffentlichkeit (vgl. ebd.). Die Zensur wurde zwar erst im September 1990 offiziell abgeschafft, doch schon ab Ende 1989 blieben die Medien weitgehend unberührt von den Zensoren (vgl. Lauristin/Vihalemm 2002: 25). Auf der anderen Seite nutzten die beiden großen Protestbewegungen, die Estnische Volksfront, die für einen schrittweisen Reformprozess eintrat, sowie das Estnische Bürgerkomitee, das für radikalere Reformen warb, Medien und Journalisten aktiv, um ihre Positionen zu verbreiten (vgl. ebd.: 26).
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Medienfreiheit in Estland und Ungarn ein und formuliert die zentrale Forschungsfrage sowie das methodische Vorgehen.
2. Theoretischer Hintergrund und Forschungsstand: Hier werden die theoretischen Modelle und Konzepte vorgestellt, die für die Analyse der Mediensystemtransformation und der Medienfreiheit herangezogen werden.
3. Estland: Dieses Kapitel analysiert die Transformationsphasen des estnischen Mediensystems von den späten 1980er Jahren bis zur heutigen Situation.
4. Ungarn: Hier wird die Entwicklung des ungarischen Mediensystems und die Erosion der Medienfreiheit, insbesondere unter der jüngsten Regierung, untersucht.
5. Im Vergleich: Entwicklung von Mediensystem und Medienfreiheit in Estland und Ungarn: In diesem Kapitel werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Länder gegenübergestellt.
6. Fazit und Ausblick: Diese Zusammenfassung reflektiert die Ergebnisse der Arbeit und gibt einen Ausblick auf künftige Forschungsbedarfe.
Medienfreiheit, Transformation, Mediensystem, Estland, Ungarn, Postkommunismus, Medienpolitik, Journalismus, Rundfunk, Pressefreiheit, Demokratisierung, Medienregulierung, politischer Parallelismus, Medienkonzentration, Zivilgesellschaft
Die Arbeit untersucht die Entwicklung der Medienfreiheit in Estland und Ungarn seit dem Ende des Kommunismus und vergleicht, warum diese Länder unterschiedliche Wege der Mediensystemtransformation eingeschlagen haben.
Im Mittelpunkt stehen die Wechselbeziehungen zwischen dem politischen System, der Medienlandschaft und der wirtschaftlichen Situation in Estland und Ungarn.
Das Ziel ist es, die Einflussfaktoren auf die Medienfreiheitsentwicklung in den beiden Transformationsstaaten zu identifizieren und zu erklären, warum sich Estland liberaler entwickelt hat als Ungarn.
Die Autorin nutzt einen theoriegeleiteten Mediensystemvergleich auf Basis einer Dokument- und Literaturanalyse unter Anwendung des Modells von Blum und des Transformationskonzepts nach Töpfl und Hadamik.
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse der Transformationsphasen beider Länder und einen direkten Vergleich ihrer politischen und medialen Entwicklung.
Wichtige Begriffe sind insbesondere Medienfreiheit, Transformation, Medienpolitik, Postkommunismus sowie der Vergleich der Mediensysteme von Estland und Ungarn.
Die Arbeit zeigt auf, wie insbesondere unter der Orbán-Regierung die Unabhängigkeit der Medien durch neue Gesetze und politischen Einfluss gezielt eingeschränkt wurde.
Estland konnte sich früh vom politischen Einfluss emanzipieren, wobei ein gesellschaftlicher Grundkonsens für eine liberale Medienregulierung bestand, die trotz wirtschaftlicher Konzentration stabil blieb.
Während der ungarische Medienmarkt früh durch ausländische Investoren geprägt wurde, blieb estnischer Besitz bei Zeitungen nach der Wende zunächst stärker erhalten, bevor später nordische Investoren hinzukamen.
Die Arbeit betont die Rolle der Zivilgesellschaft als Korrektiv, etwa durch Proteste gegen Medienregulierungen oder Massenentlassungen im ungarischen Rundfunk.
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