Examensarbeit, 2012
95 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
1.1 Einordnung des Themas
1.2 Von Orientalismus und Orientalisten – Begriffsklärungen und Probleme
1.3 Aufbau der Arbeit
2. Saids Orientalismus und das Konzept des Orientalismus
2.1 Grundlagen von Saids Werk Orientalismus
2.1.1 Das Orientkonstrukt in Orientalismus
2.1.2 Antonio Gramscis System der kulturellen Hegemonie
2.1.3 Michel Foucaults Diskursanalyse
2.2 Die Verknüpfung von Wissen und Macht
2.3 Latenter und manifester Orientalismus
2.4 Die Ursprünge des modernen Orientalismus
2.4.1 Silvestre de Sacy
2.4.2 Ernest Renan
2.4.3 Vier Voraussetzungen des modernen Orientalismus
2.5 Zusammenfassung – zentrale Thesen Saids
3. Das Vokabular des orientalistischen Diskurses in der modernen Historiographie in Anlehnung an Marion Müller
3.1 Die «Erfindung» von Ethnien
3.2 Die Säkularisierung des Weltbilds: Einflüsse auf die Historiographie und andere Humanwissenschaften
4. Nexus aus Wissen und Macht in der modernen Historiographie in Anlehnung an Aleida Assmann
4.1 Exkurs: Warum Geschichte (auf)schreiben?
4.2 Ursprünge der modernen Historiographie
4.3 Politisierung der Historiographie in der Neuzeit
4.4 Politik und Wissenschaft im 20. Jahrhundert – Saids Forderung nach unpolitischem Wissen
5. Topoi des Orients in der Historiographie
5.1 Ewiger Orient und dynamischer Westen
5.2 Die „our land – barbarian land“-Distinktion
5.3 Der Orient als Bühne
6. Orientalismus in der modernen Gesellschaft
6.1 Der Orient als Konsum- und Unterhaltungsobjekt der westlichen Bourgeoisie im langen 19. Jahrhundert
6.2 Orientalismus und Orient in der Geschichtskultur des 20. Jahrhunderts
7. Kritik an Said
7.1 Sadiq Jalal al-Azm: Orientalism and Orientalism in Reverse
7.1.1 Kritik an Saids Orientalism
7.1.2 Umgekehrter Orientalismus
7.2 Alternativen zu Saids Orientalismustheorie: Suzanne Marchands German Orientalism
7.2.1 Orientalismus: (k)ein Produkt von Weltreichen?
7.2.2 Zentrale Orientierungsfragen der orientalistischen Kulturpolitik
7.2.3 Marchands Kritik am Said'schen Machtwissen
7.2.4 Wirkungsbereich der deutschen Orientalistik
7.3 Alternative Betrachtungsweisen von Globalgeschichte – Cannadines Ornamentalism als Gegenkonstrukt zu Saids Orientalism
8. Fazit
Die Arbeit untersucht den Einfluss von Edward Saids Orientalismus-Konzept auf die westliche Geschichtsschreibung und analysiert die enge Verbindung zwischen orientalistischem Diskurs, moderner Historiographie und politischen Machtstrukturen.
1.1 Einordnung des Themas
Das Konzept des Orientalismus geht auf Edward Wadie Said zurück. Dieser zählt zu den bedeutendsten Kulturwissenschaftlern des 20. Jahrhunderts. Er war Literaturwissenschaftler und -kritiker, Pianist, Musikkritiker, politischer Publizist und Aktivist. Geboren wurde Said am 1. November 1935 als Sohn palästinensischer Christen in Jerusalem (damals als Völkerbundmandat für Palästina unter britischer Herrschaft). Seine Jugend verbrachte er jedoch größtenteils in Kairo, wo er sich auch die Grundlagen europäischer Bildung durch Schule und Elternhaus aneignete. Später wanderte er in die USA aus. Dort erwarb er mehrere akademische Grade und war als Professor für Englisch und Komparatistik an der Columbia University sowie in Harvard und Yale tätig. Said galt bis zu seinem Tod im September 2003 als bedeutendster, politisch aktiver Palästinenser in den USA. Robert Fisk, der berühmte Journalist und Auslandskorrespondent der britischen Zeitung The Independent, bezeichnete ihn gar als „most powerful political voice“ der Palästinenser.
Saids Bekanntheit und sein akademischer Ruhm sind vor allem in seinem erstmals 1978 erschienenen Werk Orientalismus begründet, in dem er sein Konzept des Orientalismus entwickelte und der Öffentlichkeit präsentierte. Orientalism ist der erste Teil einer Trilogie deren anderen beide Teile, The Question of Palestine und Covering Islam. How the Media and the Experts Determine How We See the Rest of the World, aber nie im Umfang von der breiten Öffentlichkeit rezipiert und diskutiert wurden, wie dies bei Orientalism der Fall ist.
1. Einleitung: Vorstellung des Autors Edward Said und die Einbettung seines Werks Orientalism in den wissenschaftlichen Kontext.
2. Saids Orientalismus und das Konzept des Orientalismus: Darlegung der methodischen Grundlagen (Foucault, Gramsci) und der Definition von latentem und manifestem Orientalismus.
3. Das Vokabular des orientalistischen Diskurses in der modernen Historiographie in Anlehnung an Marion Müller: Analyse der Konstruktion von Ethnien und der Säkularisierungsprozesse in den Humanwissenschaften.
4. Nexus aus Wissen und Macht in der modernen Historiographie in Anlehnung an Aleida Assmann: Untersuchung der Politisierung der Geschichtsschreibung und ihrer Funktion für nationale Identitätsstiftung.
5. Topoi des Orients in der Historiographie: Darstellung der wiederkehrenden Motive wie "Ewiger Orient" oder "Orient als Bühne".
6. Orientalismus in der modernen Gesellschaft: Erörterung der Auswirkungen orientalistischer Stereotype auf Konsumgewohnheiten und moderne Medien.
7. Kritik an Said: Kritische Auseinandersetzung durch verschiedene Wissenschaftler hinsichtlich Saids Machtbegriff und der historischen Einordnung der Orientalistik.
8. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Relevanz von Saids Thesen für die moderne Geschichtswissenschaft.
Orientalismus, Edward Said, Historiographie, Wissen und Macht, Hegemonie, Diskursanalyse, Identitätskonstruktion, Postcolonial Studies, Orientalistik, Stereotype, Alterität, Säkularisierung, Ideologie, Geschichtskultur, Nationalismus.
Die Arbeit analysiert Edward Saids Konzept des "Orientalismus" und untersucht, wie dieses das westliche Bild des Orients sowie die moderne Historiographie beeinflusst hat.
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Wissen und Macht, die Rolle der Geschichtsschreibung bei der nationalen Identitätsstiftung und die Kritik an Saids Thesen durch andere Wissenschaftler.
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie orientalistische Denkmuster in die moderne Geschichtsschreibung eingegangen sind und warum eine kritische Reflexion dieses Wissens notwendig ist.
Die Arbeit nutzt die Diskursanalyse sowie eine kritische Literaturanalyse, um Saids Konzepte und deren Rezeption in der historischen Forschung zu beleuchten.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die Untersuchung der Verbindung von Wissen und Macht, die Analyse von orientalistischen Topoi sowie die kritische Diskussion durch Experten wie Al-Azm und Marchand.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Orientalismus, Diskurs, Hegemonie, Alterität, Identitätskonstruktion und Historiographie charakterisiert.
Der latente Orientalismus bezeichnet das unbewusste, tief verwurzelte Vokabular und die Annahmen über den Orient, während der manifeste Orientalismus die explizite Produktion von Wissen und Machtausübung durch Experten darstellt.
Marchand argumentiert, dass die deutsche Orientalistik nicht primär ein Produkt imperialistischer Interessen war, sondern stärker von akademischen und theologischen Motiven sowie der spezifischen deutschen Bildungskultur geprägt wurde.
Die Säkularisierung des Weltbildes im 18. und 19. Jahrhundert schuf die Notwendigkeit für neue Einordnungssysteme der Menschheit, was zur Entstehung rassistischer Kategorien und ethnischer Ordnungsmodelle führte, die den orientalistischen Diskurs mitprägten.
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