Bachelorarbeit, 2008
47 Seiten
1. Einleitung
2. Die Literaturverfilmung
2.1. Konflikte zwischen Literatur und Film
2.2. Narrative und perspektivische Unterschiede
3. Die Filmadaption - Vom Buch zum Film
3.1. Entstehung und Hintergrund des Romans „Die Klavierspielerin“
3.2. Entstehung der Verfilmung
4. „Die Klavierspielerin“ – Ein Roman-Film-Vergleich
4.1. Romaninhalt
4.2. Filmische Plotstruktur
4.3. Inhaltliche und strukturelle Abweichungen in der Filmadaption
4.2.2. Umdeutung der Charaktere
4.2.2.1. Erika Kohut
4.2.2.2. Walter Klemmer
4.2.2.3. Mutter Kohut
5. Die literarischen und filmischen Stilmittel und ihre Wirkung
5.1. Erzählsituation und die Sprache Jelineks
5.1.1. Jelineks Gesellschaftskritik
5.2. Die filmische Umsetzung: Hanekes melodramatisches Regiekonzept
5.2.1. Hanekes Filmsprache
6. Der voyeuristische Blick des Lesers und Zuschauers in „Die Klavierspielerin“
6.1. Erikas Voyeurismus
6.1.1. Peepshow und Pornokino
6.1.2. Im Prater und Autokino
6.2. Erikas Selbstverletzung und Masochismus
6.3. Erikas inzestuöser Übergriff auf die Mutter
6.4. Erika und Klemmer
6.4.1. Die Toilettenszene
6.4.2. Die misslungene Fellatio
6.4.3. Die Vergewaltigung
7. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die filmische Adaption des Skandalromans "Die Klavierspielerin" durch Michael Haneke im direkten Vergleich zur Romanvorlage von Elfriede Jelinek. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Fokus, inwieweit Haneke die voyeuristische Rolle des Lesers auf den Zuschauer überträgt und wie er mit den expliziten, tabuisierten Darstellungen von Sexualität und Gewalt im Film umgeht.
Die Toilettenszene
Er drückt ihr einen langen Kuß zur Eröffnung auf den Mund, der längst fällig war. Er nagt an ihren Lippen und sondiert mit der Zunge ihren Schlund. […] Er greift ihr unter den Rock und weiß, daß er damit endlich einen großen Schritt vorangekommen ist. Er wagt sich noch weiter, denn er fühlt, daß die Leidenschaft dies erlaubt ist. […] Er wühlt in Erikas Innereien, als wollte er sie ausnehmen, um sie auf neue Art zuzubereiten, er stößt an eine Grenze und entdeckt, daß er mit der Hand nicht mehr viel weiterkommen wird. […] Er überzieht sie mit Speichel. […] Nun zwickt und preßt er im Zorn doppelt heftig Erikas Unterleib. Er bestraft sie, weil sie ihn so lange dunsten ließ, bis er, zu ihrem eigenen Schaden, fast schon aufgegeben hätte. Er hört von Erika einen schmerzlichen Ton.
Er läßt sofort etwas nach, er will sie schließlich nicht mutwillig beschädigen, bevor sie noch richtig zum Einsatz gelangt. Es kommt Klemmer der einleuchtende Gedanke: vielleicht geht es unter dem Bund in den Pulli und die Bluse hinein, also aus der entgegengesetzten Richtung. Erst muß er Pullover plus Bluse aus dem Rock herauszerren. Er spuckt noch stärker, weil er sich so abmüht. Er bellt Erika ihren Namen, den sie ohnedies kennt, häufig in den Mund hinein. Wie er in diese Felswand hineinbrüllt, kommt es ihm nicht doppelt oder mehrfach zurück. Erika steht und ruht sich in Klemmer aus. […] Er hangelt sich wild an Erika. Er geht in die Knie, ohne seine Griffe zu lockern. Er hangelt sich wild an Erika empor, nur um gleich darauf mit dem Lift wieder abwärts zu fahren, wobei er sich an schönen Stellen aufhält. Er klebt sich mit Küssen an Erika fest. Erika Kohut steht auf dem Boden wie ein vielbenutztes Instrument, […].
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Romanvorlage und die Adaption durch Haneke sowie Formulierung der zentralen Forschungsfragen.
2. Die Literaturverfilmung: Theoretische Auseinandersetzung mit den Begriffen Intermedialität, Adaption und den narrativen Unterschieden zwischen Literatur und Film.
3. Die Filmadaption - Vom Buch zum Film: Betrachtung der Entstehungsgeschichte des Romans und der filmischen Umsetzung unter der Regie von Michael Haneke.
4. „Die Klavierspielerin“ – Ein Roman-Film-Vergleich: Detaillierte Gegenüberstellung der Plotstrukturen und Analyse der Charakterumdeutungen im Film.
5. Die literarischen und filmischen Stilmittel und ihre Wirkung: Vergleich der Sprache Jelineks mit der filmischen Bildsprache und der Wirkung auf den Rezipienten.
6. Der voyeuristische Blick des Lesers und Zuschauers in „Die Klavierspielerin“: Untersuchung der voyeuristischen Aspekte in Schlüsselszenen wie den Peepshow-Besuchen, Selbstverletzungen und sexuellen Konfrontationen.
7. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Unterschiede in der Wirkungsästhetik und der filmischen Transformation der Romanvorlage.
Elfriede Jelinek, Michael Haneke, Die Klavierspielerin, Literaturverfilmung, Voyeurismus, Adaption, Geschlechterkonflikt, Filmästhetik, Machtverhältnisse, Körperdisziplin, Sadomasochismus, Intermedialität, Filmanalyse, Erzählstruktur, Tabubruch.
Die Arbeit analysiert die filmische Adaption des Romans "Die Klavierspielerin" durch Michael Haneke im Hinblick darauf, wie die expliziten und voyeuristischen Aspekte der Literaturvorlage in das Medium Film übertragen wurden.
Zentrale Themen sind Machtverhältnisse in der Geschlechterbeziehung, voyeuristische Schaulust, Körperdisziplin, Tabubrüche und die ästhetische Umsetzung von Gewalt und Sexualität.
Das Ziel ist herauszufinden, ob der Film die voyeuristische Rolle des Lesers auf den Zuschauer überträgt und inwieweit Haneke dabei eigene Interpretationsschwerpunkte setzt, die sich von Jelineks literarischer Vorlage unterscheiden.
Es handelt sich um eine vergleichende Literatur- und Filmanalyse, die literaturwissenschaftliche Konzepte zur Intermedialität und Adaptionstheorie auf konkrete Szenen des Romans und des Films anwendet.
Der Hauptteil gliedert sich in den Vergleich von Plotstrukturen, die Analyse der Umdeutung von Charakteren wie Erika Kohut und Walter Klemmer sowie die Untersuchung der filmischen Stilmittel zur Darstellung von Sexualität und Gewalt.
Wichtige Begriffe sind Voyeurismus, filmische Ästhetik, Macht und Ohnmacht, die "Ästhetik des Ekels" bei Jelinek und das "Prinzip des Nicht-Zeigens" bei Haneke.
Im Roman ist die Mutter eine dominante, fast dämonische Kontrollinstanz; im Film tritt sie stärker in den Hintergrund und wird eher psychologisch als eine Figur dargestellt, die zwischen Machtanspruch und Hilflosigkeit schwankt.
Haneke möchte durch das Vorenthalten expliziter obszöner Bilder den Zuschauer dazu zwingen, diese in seiner eigenen Phantasie zu ergänzen, was zu einer stärkeren psychologischen Verstörung und moralischen Reflexion führt.
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