Seminararbeit, 2013
16 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Die Durga Puja als urbane Identität
3. Der Platz des „Anderen“
4. Durga und das neue Hinduistische Nationalbewusstsein
5. Fazit
Die Arbeit untersucht den historischen Wandel der Durga Puja im kolonialen Calcutta des 19. Jahrhunderts und analysiert, wie das Ritual von einem exklusiven Familienfest der Elite zu einem Symbol urbaner und nationaler Identität transformiert wurde.
Die Durga Puja als urbane Identität
Im Jahr 1757 besiegten die Truppen der Englischen Ostindien-Kompanie den Nawab von Bengalen in der Schlacht von Plassey. In Besitz einer forman Lizenz zum zollfreien Handel und von zamidar Rechten als Landbesitzer und Steuereintreiber in Bengalen seit Ende des 17. Jahrhunderts, wurden der Englischen Handelskompanie in 1765 auch die diwan Rechte zur Zivilrechtssprechung erteilt. Mit zunehmender Machtfülle entwickelte sie eine von ihr bestimmte soziale und ökonomische Ordnung in Bengalen und vor allem in ihrem dortigen Verwaltungssitz Calcutta, der in der Folgezeit auch Hauptverwaltungssitz der Handelskompanie in Indien wurde. Zur Umsetzung ihrer Vorhaben benötigten die Briten die Unterstützung der bengalischen Eliten, geschultes und dienstbereites Personal und eine neue urbane Struktur.
Reiche einheimische Händler, sogenannte banias, die oft auch Großgrundbesitzer waren, arbeiteten eng mit den Engländern zusammen. Diese banias etablierten sich zunehmend in der neuen Stadt, wobei ihre Residenzen Mittelpunkte spezieller Gemeinschaften bildeten, die traditionellen Dorfstrukturen glichen. Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts war eine „Goldene Zeit“ für diese Eliten. Als Ausdruck von Status, Patronage und zur Pflege ihrer Geschäftsbeziehungen zelebrierten sie glanzvolle Durga Pujas in ihren Häusern, so dass die Durga Puja ein integraler Bestandteil des öffentlichen Lebens der banias wurde. Eine breite Palette sozialer Praktiken diente dabei sowohl zur Kollektivierung der religiösen Erfahrung als auch zur Festschreibung des Umfangs der daran teilnehmenden Gemeinschaft. Damit wurden die Pujas zum Ende des 18. Jahrhunderts große und verschwenderische Ereignisse, durch die reiche banias soziale Autorität erlangten und sicherten. Neuankömmlinge übernahmen verschiedene Symbole und Abläufe um ihre Identität zu bestätigen.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die rituelle Bedeutung der Göttin Durga ein und verortet die Durga Puja im Kontext der kolonialen Modernität und Identitätsbildung im Calcutta des 19. Jahrhunderts.
2. Die Durga Puja als urbane Identität: Dieses Kapitel erläutert den Aufstieg der Handelseliten (banias) und die Nutzung der Durga Puja als Mittel zur sozialen Selbstdarstellung und urbanen Gemeinschaftsbildung.
3. Der Platz des „Anderen“: Der Abschnitt thematisiert die Inklusion und Exklusion verschiedener sozialer Gruppen bei den Festlichkeiten sowie die Bemühungen der bhadralok-Elite zur Aufrechterhaltung strenger sozialer Hierarchien.
4. Durga und das neue Hinduistische Nationalbewusstsein: Hier wird der Prozess beschrieben, in dem die Figur der Durga zum nationalen Symbol einer „erwachenden“ Nation und zur ideologischen Identifikationsfigur für den Hinduismus wurde.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie durch die Transformation der Durga Puja in den öffentlichen Raum eine neue urbane und nationale Identität in Calcutta erfolgreich konstruiert wurde.
Durga Puja, Calcutta, 19. Jahrhundert, urbane Identität, kolonialer Kontext, Hinduismus, Modernität, soziale Hierarchie, bhadralok, Nationalism, barwari Puja, öffentliche Sphäre, religiöse Praxis, Identitätskonstruktion.
Die Arbeit analysiert die soziokulturelle Transformation der Durga Puja-Festlichkeiten in Calcutta während des 19. Jahrhunderts unter dem Einfluss kolonialer Modernität.
Zu den zentralen Themen gehören die Identitätsbildung in kolonialen urbanen Räumen, die Bedeutung religiöser Rituale für soziale Eliten und die Instrumentalisierung von Symbolik für nationalistische Diskurse.
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie ein vormals exklusives, rituelles Familienfest zu einem öffentlichen Ereignis wurde, das maßgeblich zur Konstruktion einer urbanen und nationalen hinduistischen Identität beitrug.
Die Arbeit basiert auf einer kulturhistorischen Analyse unter Einbeziehung zeitgenössischer Quellen, literarischer Darstellungen und wissenschaftlicher Sekundärliteratur zur Stadtgeschichte Calcuttas.
Der Hauptteil befasst sich mit dem Wandel von der privaten zur öffentlichen Puja, der sozialen Bedeutung der banias-Elite, der Rolle des „Anderen“ in der rituellen Ordnung sowie der ideologischen Aufladung Durgas als nationale Mutterfigur.
Wichtige Begriffe sind Durga Puja, urbane Identität, Calcutta, Koloniale Modernität und Nationalbewusstsein.
Die banias waren wohlhabende Händlereliten, die die Durga Puja in ihren Häusern feierten, um ihren sozialen Status zu festigen und durch aufwendige Inszenierungen ihre geschäftliche und soziale Autorität zu untermauern.
Die koloniale Modernität führte zur Entstehung einer „öffentlichen Sphäre“ und neuen rechtlichen Rahmenbedingungen, die dazu zwangen, religiöse Identitäten schärfer abzugrenzen und zu definieren, was wiederum zur Standardisierung und Politisierung des Kultes führte.
Durga wurde als „Mutter“ der Nation reinterpretiert, deren Kampf gegen Dämonen metaphorisch für den antikolonialen Widerstand und das Erwachen eines kollektiven nationalen Geistes stand.
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