Examensarbeit, 2012
62 Seiten, Note: 1,3
I. Einleitung
II. Kennzeichen hamartiologischer Auseinandersetzungen am Beispiel des pelagianischen Streits
II.1. Auswertung
III. Die Frage nach der Wurzel der Sünde
III.1. Fazit
IV. Zur Frage nach der Erkenntnismöglichkeit von Sünde
IV.1. Kritisches Resümee
IV.2. Eigene Einschätzung
V. Neue Perspektiven auf die innere Struktur der Sünde. Unglaube, Hochmut und Konkupiszenz nach Tillich, Pannenberg, Joest und Jüngel
V.1. Tillichs Darstellung der existentiellen Entfremdung des Menschen
V.1.1.Fazit
V.2. Das anthropologische Konzept Pannenbergs und die Sünde des Menschen
V.2.1.Fazit
V.3. Der christologische Ansatz Joests
V.3.1.Fazit
V.4. Jüngels Konzeption der Sünde als Lebenslüge
V.4.1.Fazit
VI. Die Frage nach der Schuld
VI.1. Fazit
VII. Die Frage nach dem Zusammenhang von Sünde und Tod
VII.1. Fazit
VIII. Schlussbemerkungen
Die Arbeit untersucht das Sündenverständnis in der neueren evangelischen Theologie unter besonderer Berücksichtigung der hamartiologischen Konzeptionen von Paul Tillich, Wolfhart Pannenberg, Wilfried Joest und Eberhard Jüngel, um die methodologischen Ansätze und theologischen Rahmenbedingungen dieses Themas aufzuzeigen.
II. Kennzeichen hamartiologischer Auseinandersetzungen am Beispiel des pelagianischen Streits
Die Lehre von der Sünde erfuhr im Laufe der Theologiegeschichte verschiedene strukturelle Modifikationen, die immer wieder intensiv umkämpft wurden. Die jeweiligen Auseinandersetzungen trugen dazu bei, dass die einzelnen analytischen Probleme in den theologischen Reflexionsprozessen mehr und mehr zu Tage treten konnten. Das Ringen um adäquate Begrifflichkeiten, exegetische Interpretationen und die Sehnsucht nach einem theologischen System, mit dessen Hilfe der Mensch sein eigenes Wesen und sein Verhältnis zu Gott und Schöpfung angemessen zum Ausdruck bringen konnte, zeugt von der existentiellen Betroffenheit, die den theologisch denkenden und suchenden Menschen immer wieder neu in die Sündenproblematik seines Daseins einholte.
Die jeweiligen Initialzündungen für die einzelnen Reflexionsprozesse weisen trotz ihrer ganz unterschiedlichen historischen Situiertheit Kennzeichen auf, die sich auch in aktuellen Auseinandersetzungen wiedererkennen lassen. Während sich also die Notwendigkeit einer Neuformulierung der Lehre von der Sünde des Menschen aus verschiedenen Anlässen heraus ergab, kreisten die Überlegungen doch immer um sehr ähnliche, wenn nicht sogar mit den heutigen Grundfragen identische Konfliktpunkte. Eine wirkungsgeschichtlich mächtige hamartiologische Auseinandersetzung ist der pelagianische Streit, der formal durch das Dogma von Karthago im Jahr 418 zumindest im Westen mit der Verurteilung der pelagianischen Lehre entschieden wurde, was letztlich auch eine formale Anerkennung der Erbsünden- und Gnadenlehre Augustins zur Folge hatte.
Im Zentrum dieses Streits stand die Frage, wie das praktische Verhältnis des Menschen zum Heilswirken Gottes angemessen erfasst und gelehrt werden konnte. Während im augustinischen Menschenbild ein grundlegend negatives Profil bezüglich der Möglichkeit eines Synergismus von Gott und Mensch im Heilsgeschehen zu ratifizieren ist, ließ Pelagius diesbezüglich ein optimistischeres Verständnis vom bei ihm überwiegend moralisch begriffenen Wesen des Menschen erkennen. Für ihn war die natura des Menschen eine von Gott gegebene Schöpfungsgabe, die er daher im Sinne einer Gnadenhilfe auffasste.
I. Einleitung: Diese Einleitung skizziert das Ziel der Arbeit, einen Einblick in das Thema der Sünde in der neueren evangelischen Theologie zu geben, wobei die Schwerpunkte auf den Entwürfen von Tillich, Pannenberg, Joest und Jüngel liegen.
II. Kennzeichen hamartiologischer Auseinandersetzungen am Beispiel des pelagianischen Streits: Das Kapitel analysiert den pelagianischen Streit als geschichtliches Beispiel für hamartiologische Auseinandersetzungen und betont die drei Verhältnisbestimmungen menschlichen Daseins.
III. Die Frage nach der Wurzel der Sünde: Hier wird das Verhältnis von Ursünde und Tatsünden untersucht, um eine Annäherung an die Wurzel des Sündigens unter kritischer Würdigung der Erbsündenlehre zu ermöglichen.
IV. Zur Frage nach der Erkenntnismöglichkeit von Sünde: Das Kapitel diskutiert, inwiefern Sünde erkennbar ist und welche Rolle die Offenbarung sowie philosophisch-anthropologische Analysen dabei spielen.
V. Neue Perspektiven auf die innere Struktur der Sünde. Unglaube, Hochmut und Konkupiszenz nach Tillich, Pannenberg, Joest und Jüngel: Dieses Kernstück der Arbeit erläutert die traditionellen Begriffe Unglaube, Hochmut und Konkupiszenz in den Ansätzen der vier ausgewählten Theologen.
VI. Die Frage nach der Schuld: Das Kapitel befasst sich mit dem theologischen Schuldbegriff in Abgrenzung zur alltäglichen Schulderfahrung und analysiert die Bedeutung der Sündenvergebung.
VII. Die Frage nach dem Zusammenhang von Sünde und Tod: Hier wird die paulinische Ursachenverbindung von Sünde und Tod kritisch reflektiert und das Verständnis von Endlichkeit sowie christlicher Zukunftshoffnung erörtert.
VIII. Schlussbemerkungen: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der wesentlichen Wesenszüge der Sünde, die sich durch alle behandelten Diskussionsfelder ziehen.
Sünde, Evangelische Theologie, Paul Tillich, Wolfhart Pannenberg, Wilfried Joest, Eberhard Jüngel, Hamartiologie, Offenbarung, Gottebenbildlichkeit, Unglaube, Hochmut, Konkupiszenz, Schuld, Tod, Existenzanalyse
Die Arbeit bietet einen systematischen Einblick in das Verständnis der Sünde innerhalb der neueren evangelischen Theologie unter Bezugnahme auf vier prägende Theologen.
Zentrale Themen sind die Erkenntnismöglichkeit von Sünde, die innere Struktur der Sünde (Unglaube, Hochmut, Konkupiszenz), der Schuldbegriff sowie das Verhältnis von Sünde und Tod.
Das Ziel ist es, die Sündenlehren von Tillich, Pannenberg, Joest und Jüngel zu vergleichen und aufzuzeigen, wie diese Theologen die Sünde in unterschiedlichen Verhältnisbestimmungen des menschlichen Daseins verorten.
Die Arbeit nutzt eine systematisch-theologische Analyse, die primäre Quellen der vier Theologen interpretiert und diese in den Kontext der Theologiegeschichte und aktueller Debatten stellt.
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Grundlegung der Sündenfrage, die Analyse der inneren Struktur der Sünde bei den vier Theologen sowie die Untersuchung von Schuld- und Todesfragen.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Hamartiologie, Gottebenbildlichkeit, existenzielle Entfremdung, Offenbarung und das Verhältnis von Glaube und Vernunft charakterisiert.
Pannenberg versucht, die menschliche Unzulänglichkeit anthropologisch-evolutionsbiologisch als einen Selbstwiderspruch zu fassen, der erst im Lichte der Offenbarung explizit als Sünde vor Gott identifiziert wird.
Für Jüngel ist Sünde ein parasitäres, verlogenes "Ja" des Menschen zum eigenen Sein unter Ausblendung der Geschöpflichkeit, was in eine existenzielle Isolation führt, aus der nur das Evangelium befreien kann.
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