Bachelorarbeit, 2012
58 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung
2. Begrifflicher Rahmen
2.1 Mann-männliche Prostitution
2.2 Stricher
2.3 Freier
3. Profil der Stricher
3.1 (sexuelle-) Identität der Stricher
3.2 Motivation
4. Profil der Freier
4.1 Freiertypen
4.2 Bedeutung des Freiers für den Stricher
5. Soziale Lebenswelten der Stricher
5.1 Die Familie
5.2 Freundschaften
5.3 Partnerschaften
5.4 Arbeit
6. Lebenslagen der Stricher
6.1 Wohnungslosigkeit/Obdachlosigkeit
6.2 Wohnungsangebot durch den Freier
6.3 Kurzunterbringung in Beratungsstellen
6.4 Reiseaktivität der Stricher
7. Orte der Prostitution
7.1 Die reale Stricherszene
7.1.1 Kneipen
7.1.2 Boy-Clubs/Escort
7.1.3 Apartments
7.1.4 Bahnhöfe
7.1.5 Parkanlagen
7.1.6 Raststätten
7.1.7 Saunen
7.1.8 Klappen
7.1.9 Pornokinos und Sexshops
7.1.10 Geheimclubs
7.2 Die virtuelle Stricherszene
8. Problemlagen der Stricher
8.1 Körperliche Gesundheit
8.1.1 Geschlechtskrankheiten
8.1.2 Aids/ HIV
8.2 Suchtverhalten
8.3 Psychische Belastung
8.3.1 Doppelte Stigmatisierung
8.3.2 Identitätsprobleme
8.4 Gewalt in der Stricherszene
8.4.1 Sexuelle Gewalt
8.4.2 Strukturelle Gewalt
8.4.3 Gewalt durch und gegen den Freier
8.4.4 Gewalt unter Strichern
9. Rechtliche Situation
9.1 Das Prostitutionsgesetz
9.2 Das Prostitutionsgesetz bezüglich der Situation männlicher Prostituierter
9.3 Das Infektionsschutzgesetz
10. Sozialarbeiterische Hilfeansätze
10.1 Aufsuchende Sozialarbeit
10.2 Anlaufstellen
10.3 Einzelfallhilfe und Beratung
10.4 Beziehungsarbeit
10.5 Medizinische Versorgung
10.6 Zukunftsperspektiven der sozialen Arbeit mit Strichern
11. Schlussbetrachtung
12. Persönlicher Rückblick
Die vorliegende Arbeit analysiert die Situation und die Lebenswelten männlicher Prostituierter ("Stricher"), um ein tieferes Verständnis für die komplexen Ursachen, die Vielfalt der Erscheinungsformen sowie die damit verbundenen physischen und psychischen Risiken zu entwickeln, und leitet daraus notwendige sozialarbeiterische Hilfeansätze ab.
Die Flucht aus der Familie oder aus Heimen
Nicht selten ist der Grund, dass junge Männer in der Prostitution landen, die Flucht aus der eigenen Familie oder dem Heim, in welchem sie gelebt haben. Durch unangenehm oder repressiv empfundene Lebensumstände ziehen die Jungen es vor, ein Leben auf der Straße zu führen. Sie sind geprägt durch Alkoholismus innerhalb der Familie, (sexuelle-) Gewalt, Stiefväter mit mangelndem Interesse an der eigenen Person, als auch durch die Überlastung der häufig alleinerziehenden Mütter. Das Leben auf der Straße, vor allem im Sexgewerbe, scheint zunächst eine vielversprechendere Perspektive zu bieten. Einige Freier schenken den Jungs ihre volle Aufmerksamkeit und bieten ihnen bessere Wohnverhältnisse, als diese bisher gekannt haben. Durch den Wettbewerb um die eigene Person bekommen die Jungen die Möglichkeit, sich ihre „Wahlfamilie“ frei aussuchen zu können. Einen realistischen Blick bezüglich ihrer Zukunftsperspektive können die Jungs daher kaum aufrecht erhalten und empfinden die Situation in der Prostitution, im Vergleich zu der in der eigenen Familie, somit als angenehmer.
1. Einleitung: Historische Herleitung und Verortung der mann-männlichen Prostitution als komplexes, tabuisiertes gesellschaftliches Phänomen.
2. Begrifflicher Rahmen: Klärung zentraler Begriffe wie Stricher und Freier sowie Abgrenzung zu professionelleren Formen der männlichen Prostitution.
3. Profil der Stricher: Auseinandersetzung mit der (sexuellen) Identitätsfindung und den vielfältigen Motivationslagen für den Einstieg in die Prostitution.
4. Profil der Freier: Differenzierung verschiedener Freiertypen und Analyse der Bedeutung des Freiers als Ersatzbezugsperson.
5. Soziale Lebenswelten der Stricher: Analyse der Sozialisation, familiärer Hintergründe, Freundschaftsstrukturen und der Arbeitswelt der Betroffenen.
6. Lebenslagen der Stricher: Untersuchung prekärer Lebensbedingungen wie Obdachlosigkeit, Wohnraumsituation durch Freier und hoher Mobilität.
7. Orte der Prostitution: Detaillierte Darstellung realer und virtueller Räume, in denen Prostitution stattfindet, von der Kneipe bis zum Internet.
8. Problemlagen der Stricher: Umfassende Analyse physischer und psychischer Gesundheitsrisiken, Suchtproblematiken, Stigmatisierung und Gewalterfahrungen.
9. Rechtliche Situation: Erörterung des Prostitutionsgesetzes, des Infektionsschutzgesetzes und deren Auswirkungen auf die Lebensrealität männlicher Prostituierter.
10. Sozialarbeiterische Hilfeansätze: Überblick über Kernbereiche wie Streetwork, Anlaufstellen, Einzelfallhilfe und die notwendige psychologische Beziehungsarbeit.
11. Schlussbetrachtung: Zusammenfassendes Fazit über die Komplexität des Themas und den dringenden Bedarf an gesellschaftlicher Aufklärung und verbesserten Hilfsangeboten.
12. Persönlicher Rückblick: Reflexion des Autors über die Auseinandersetzung mit dem Thema im Rahmen der Bachelorarbeit.
Männliche Prostitution, Stricher, Freier, Sozialisation, Identität, Sucht, Gewalt, Obdachlosigkeit, Soziale Arbeit, Prostitutionsgesetz, HIV, Stigmatisierung, Lebenswelten, Streetwork, Prävention.
Die Arbeit untersucht das Phänomen der mann-männlichen Prostitution aus einer sozialwissenschaftlichen Perspektive und analysiert die Lebensumstände, Identitätsprobleme und sozialen Problemlagen von männlichen Prostituierten sowie deren Berührungspunkte mit der sozialen Arbeit.
Zentrale Schwerpunkte sind die Definition der Akteure (Stricher und Freier), die Analyse der Orte des Geschehens, die gesundheitlichen Risiken, Gewalterfahrungen, rechtliche Aspekte sowie die konkreten Hilfeansätze der sozialen Arbeit.
Das Ziel ist es, ein möglichst umfassendes Bild über die Hintergründe, Bedingungen und Risiken der männlichen Prostitution zu zeichnen, um daraus die Notwendigkeit und Möglichkeiten für professionelle sozialpädagogische Hilfeansätze abzuleiten.
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Analyse der vorhandenen Fachliteratur, aktueller empirischer Befunde und sozialarbeiterischer Leitlinien, um ein komplexes Phänomen theoretisch zu strukturieren.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Lebenslagen, den verschiedenen Orten der Prostitution, den physischen und psychischen Problemlagen und der konkreten Ausgestaltung sozialarbeiterischer Interventionsmöglichkeiten.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Stricher", "Sozialisation", "Identitätsbildung", "Stigmatisierung", "Gewalt in der Szene" und "niedrigschwellige Hilfsangebote" geprägt.
Viele junge Stricher stammen aus zerrütteten Elternhäusern und suchen in der Prostitution nach Ersatz für die fehlende väterliche oder familiäre Anerkennung, Schutz und emotionale Zuwendung.
Diese Differenzierung ist zentral, da die beiden Gruppen unterschiedliche Bewusstseinsgrade, Motive, gesundheitliche Risikoprofile und Umgangsweisen mit der eigenen Identität aufweisen, was unterschiedliche Herangehensweisen in der sozialen Arbeit erfordert.
Das Internet bietet Freiern, die oft einem bürgerlichen, heterosexuellen Leben nachgehen, Schutz vor gesellschaftlicher Entdeckung und Sicherheit bei der Kontaktaufnahme.
Die medizinische Versorgung wird durch fehlende Krankenversicherungen der Stricher, Scham, Ängste vor Behörden sowie oftmals einen unsicheren Aufenthaltsstatus erschwert, was Arztbesuche selten macht.
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