Bachelorarbeit, 2012
74 Seiten, Note: 100% = Note 1
1. Einleitung
1.1 Zum Gang der Arbeit
2. Grundlagen
2.1 Film-Initiation
2.2 Das erste Filmerlebnis nach Bergala
2.3 Die Beziehung zwischen Film und Zuschauer
2.3.1 Psychoanalytische Filmtheorie
2.3.2 Phänomenologische Filmtheorie
3. Methodik
3.1 Qualitative Medien(biographie)forschung
3.2 Entwicklung eines individuellen Forschungsansatzes
3.2.1 Das medienbiographisch narrative Interview
3.2.2 Auswertung
4. Durchführung
4.1 Die Probanden
4.2 Die Filme
4.3 Die Interviews
5. Ergebnisse
5.1 Nele - Schauspiel zwischen Politik und Wirklichkeit
5.1.1 Biographische Daten
5.1.2 Die Rezeption
5.1.3 Die Erinnerungen
5.1.4 Reflektion und Analyse
5.2 Peter - ein Klassiker im Fernsehen
5.2.1 Biographische Daten
5.2.2 Die Rezeption
5.2.3 Die Erinnerungen
5.2.4 Reflektion und Analyse
5.3 Kurt - im filmischen Raum frei bewegen
5.3.1 Biographische Daten
5.3.2 Der kleine Muck - ein guter Bekannter
5.4 Blanka - Spiegel des Unbewussten
5.4.1 Biographische Daten
5.4.2 Die Rezeption
5.4.3 Die Erinnerungen
5.4.4 Reflektion und Analyse
5.4.5 Das Wieder-Sehen
5.5 Chris - Individuation durch Kino
5.5.1 Biographische Daten
5.5.2 Die Rezeption
5.5.3 Die Erinnerungen
5.5.4 Reflektion und Analyse
5.5.5 Das Wieder-Sehen
6. Fazit
6.1 Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die prägende Rolle des ersten als bedeutend wahrgenommenen Filmerlebnisses in der Biographie des Rezipienten, mit besonderem Fokus auf den beruflichen Werdegang von Filmschaffenden oder Personen, die beruflich mit Film arbeiten. Ziel ist es, den potenziellen initiierenden Charakter solcher Erlebnisse im Kontext von Subjekt-Objekt-Beziehungen zu ergründen und theoretisch einzuordnen.
Die Beziehung zwischen Film und Zuschauer
Primär zu der Untersuchung der Relation von Film und Initiation steht die Beziehung zwischen Film und Zuschauer, die in verschiedenen filmtheoretischen Ansätzen thematisiert wird und für die Rezeptionsanalyse maßgeblich ist. Im folgenden Kapitel soll ein zusammenfassender Einblick in zwei Ansätze gegeben werden, die später für die Auswertung der Kinoerlebnisse in der untersuchten Gruppe herangezogen werden.
2.3.1. Psychoanalytische Filmtheorie
Um die psychoanalytische Filmtheorie heutzutage zur Grundlage einer Forschungsarbeit zu machen, bedarf es zunächst eines Blicks auf ihre Position im gegenwärtigen filmtheoretischen Diskurs und somit eines kurzen historischen Abrisses. Die Manifestation der Psychoanalyse in der Filmtheorie fand Ende der 60er Jahre statt und hatte 1970 durch die Veröffentlichung von Jean Louis Baudrys Essay Cinéma: effets idéologiques produits par l'appareil de base ihr originäres Theorem gefunden. Dies geschah parallel zu der von den jungen Filmemachern der Nouvelle Vague geprägten und in ihren Veröffentlichungen - wie den Cahiers du Cinéma - postulierten Politik der Form (allen voran Godard), die nicht mehr die Inhalte sondern die filmische Form in den Mittelpunkt des theoretischen Diskurs stellte und damit das Wahrnehmungssystem des Kinos, die filmische Sprache selbst ästhetisch erforschte. Baudry entwickelte eine Analogie zwischen Freuds psychischem Apparat und dem kinematographischen Apparat des Kinos. Er interpretierte "die technisch-räumliche Anordnung der Filmrezeption als ein Dispositiv der perzeptiven, affektiven und kognitiven Aktivität des Zuschauers." (Kappelhoff 2003a: 131). Zwei grundlegende Paradigmen der Psychoanalyse waren Freuds Theorien des Unbewussten und Lacans Idee des Spiegelstadiums, die unter anderen von Baudry und Christian Metz (Der imaginäre Signifikant) aufgegriffen wurden. Das Spiegelstadium beschreibt eine Phase in der frühen Kindheit, in der das Kind sich im Spiegel erkennt, allerdings noch nicht über die motorischen Fähigkeiten verfügt, um seine Bedürfnisse eigenständig befriedigen zu können. Seine äußere Wahrnehmung im Spiegel als vollständig und abgeschlossen stimmt nicht mit den inneren Trieben und Wünschen überein. Dadurch identifiziert sich das Kind als Objekt, es entsteht ein Ideal-Ich (Selbstbild), das die Basis für spätere Identifikationen bildet und aus dem das Subjekt als Ich Ideal des/der Anderen resultiert.
Kapitel 1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Film-Initiation ein, definiert die Forschungsfrage bezüglich der Bedeutung des ersten bedeutsamen Filmerlebnisses für den weiteren Lebensweg und beschreibt den Gang der Arbeit.
Kapitel 2 Grundlagen: Hier werden die theoretischen Konzepte der Film-Initiation, die Thesen von Alain Bergala zum ersten Filmerlebnis sowie die psychoanalytische und phänomenologische Filmtheorie als Analyseinstrumente vorgestellt.
Kapitel 3 Methodik: Dieses Kapitel erläutert den qualitativen medienbiographischen Forschungsansatz, die Entwicklung des spezifischen Interviewleitfadens sowie das Verfahren der Interviewauswertung.
Kapitel 4 Durchführung: Hier erfolgt die Beschreibung der Zielgruppenauswahl, der Auswahl der Probanden, der untersuchten Filme sowie der praktischen Durchführung und der Rahmenbedingungen der geführten Interviews.
Kapitel 5 Ergebnisse: Dieser Hauptteil präsentiert die detaillierte Darstellung, Reflexion und Analyse der Interviewdaten für jeden der fünf Probanden hinsichtlich ihrer biographischen Daten, Rezeptionserlebnisse und Erinnerungen.
Kapitel 6 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Untersuchung zusammen, reflektiert die Rolle von Identifikationsprozessen bei der Filmrezeption und bietet einen Ausblick auf weiterführende Forschungsfragen.
Film-Initiation, Medienbiographieforschung, Filmvermittlung, Psychoanalytische Filmtheorie, Phänomenologische Filmtheorie, Rezeptionsanalyse, Narratives Interview, Cinéphilie, Identifikation, Subjekt-Objekt-Beziehung, Filmgeschmack, Erinnerungsprozesse, Biographie, Filmerlebnis, Kino als Kunst
Die Arbeit erforscht, ob und wie ein erstes, als bedeutend wahrgenommenes Filmerlebnis in der Kindheit oder Jugend prägend für den späteren Lebens- und Berufsweg von im Filmbereich tätigen Personen sein kann.
Zentral sind die Konzepte der Film-Initiation, der Einfluss des Kinos auf die Persönlichkeitsentwicklung, die Theorie des ersten Filmerlebnisses nach Alain Bergala sowie die Rolle von Erinnerungen und Identifikationsprozessen.
Die Forschungsfrage lautet, welche prägende Rolle der erste, als bedeutend wahrgenommene Film für den weiteren Lebensweg des Rezipienten spielt, insbesondere im Hinblick auf die Entscheidung für einen beruflichen Werdegang im Filmsektor.
Es wird ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, der an die Medienbiographieforschung angelehnt ist. Als empirische Grundlage dienen narrative Interviews mit fünf Filmschaffenden, deren Daten sequenziell und auf Basis filmtheoretischer Grundlagen analysiert werden.
Im Hauptteil (Kapitel 5) werden die Interviews mit den fünf Probanden – Nele, Peter, Kurt, Blanka und Chris – im Detail vorgestellt, ihre filmischen Erinnerungen analysiert und in den biographischen Kontext gesetzt.
Wichtige Begriffe sind Film-Initiation, Medienbiographieforschung, Rezeptionsanalyse, Filmtheorie (psychoanalytisch und phänomenologisch), Identifikation und Cinéphilie.
Die Arbeit betont, dass nicht der chronologisch zuerst gesehene Film entscheidend ist, sondern derjenige, der als "Erlebnis" wahrgenommen wurde. Die individuelle Kinokultur und soziale Umgebung bestimmen dabei maßgeblich, ob ein Film eine initiierende Wirkung entfalten kann.
Diese Theorien bieten den nötigen Spielraum, um die affektive Wirkung von Filmen und die Resonanz zwischen Individuum und Leinwand greifbarer zu machen, indem sie sowohl psychische Identifikationsmuster als auch körperlich-sinnliche Wahrnehmungserfahrungen berücksichtigen.
Durch die wiederholte Rezeption Jahre später konnten die Probanden unbewusste Anteile ihrer ursprünglichen Wahrnehmung reflektieren und die Distanz zwischen ihrer Kindheitserinnerung und dem tatsächlichen Filmgehalt kritisch hinterfragen.
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