Bachelorarbeit, 2013
38 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Leben und Werk von Muḥammad ʿAbduh
3. Der soziokulturelle Kontext Muḥammad ʿAbduhs
4. Skizzierung des klassischen Diskurses unter Bezugnahme auf den jeweiligen Vernunftbegriff
4.1 Vernunftbegriff der Muʿtazila
4.2 Vernunftbegriff der Ašʿarīya und der Māturīdīya
4.3 Vernunftbegriff der islamischen Philosophie
5. Muḥammad ʿAbduhs Vernunftbegriff unter kritischem Rückgriff auf die islamische Tradition
5.1 Kampf um den iǧtihād
5.2 Theologische Positionierung
5.2.1 Kritischer Rückgriff auf die Theologen
5.3 Rückgriff auf die Philosophen
6. Muḥammad ʿAbduhs Rezeption wissenschaftlicher Erkenntnisse der westlichen Moderne und deren Einfluss auf seinen Vernunftbegriff
6.1 Positionierung zur Evolutiontheorie
6.2 Positionierung zu andern naturwissenschaftlichen Theorien
7. Versuch einer Synthese zwischen der islamischen Vernunft und dem westlichen Vernunftbegriff
8. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Denken des islamischen Modernisten Muḥammad ʿAbduh und analysiert, wie er den Begriff der Vernunft in sein theologisches System integriert. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie ʿAbduh klassische islamische Traditionen mit den Anforderungen der westlichen Moderne in Einklang bringt und ob dabei eine eigenständige Synthese von Glauben und rationalem Denken entsteht.
5.1 Kampf um den iǧtihād
Muḥammad ʿAbduh sah den Islam als eine Weltreligion, geeignet für alle Völker zu allen Zeiten. In seiner Argumentation ist der Islam die Religion der Zukunft, wenn sie nur von allen Verfälschungen befreit werden würde. Nach ihm könne dies aber nur sein, wenn sie sich auf die beiden Primärquellen Koran und Sunna stütze, ohne sich an eine der vier madhhab zu binden. ʿAbduh beruft sich hier auf Abū Ḥāmid Muḥammad b. Muḥammad al-Ġazālī (1058-1111), der diesen Gedanken schon zu seiner Zeit gedacht hat. Beide unterstellen den Muslimen, sich in einer Phase der Dekadenz zu befinden, an der die vier madhhab schuld seien und die von ihnen bis ins kleinste Detail ausgearbeiteten Rechtsvorschriften, die bis in den Privatbereich alles zu regeln versuchen. Sie hätten die Uneinigkeit in den Islam gebracht. ʿAbduh hält das Prophetenwort „Vielfalt ist eine Gnade“ nicht für authentisch. Uneinigkeit sei eine Gefahr für die Umma (Gemeinschaft). Er fordert, dass der Islam seine Dynamik nicht verlieren dürfe, damit er sich den Bedürfnissen der Zeit anpassen kann. Diese Dynamik dürfe nicht einem blinden taqlīd (Autoritätsglauben) geopfert werden.
1. Einleitung: Einführung in die Problematik des Spannungsfeldes zwischen islamischer Identität und westlicher Moderne sowie die Vorstellung des Forschungsgegenstandes.
2. Leben und Werk von Muḥammad ʿAbduh: Biografische Darstellung von ʿAbduh als Begründer des islamischen Modernismus und seine Bestrebungen zur Bildungs- und Koranreform.
3. Der soziokulturelle Kontext Muḥammad ʿAbduhs: Analyse der politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen durch den Kolonialismus im 19. Jahrhundert.
4. Skizzierung des klassischen Diskurses unter Bezugnahme auf den jeweiligen Vernunftbegriff: Darstellung der rationalistischen Ansätze der Muʿtazila, der Ašʿarīya und Māturīdīya sowie der islamischen Philosophie.
5. Muḥammad ʿAbduhs Vernunftbegriff unter kritischem Rückgriff auf die islamische Tradition: Erörterung von ʿAbduhs theologischer Positionierung und seiner Kritik am starren Festhalten an traditionellen Rechtsschulen.
6. Muḥammad ʿAbduhs Rezeption wissenschaftlicher Erkenntnisse der westlichen Moderne und deren Einfluss auf seinen Vernunftbegriff: Untersuchung von ʿAbduhs Umgang mit naturwissenschaftlichen Theorien wie der Evolution.
7. Versuch einer Synthese zwischen der islamischen Vernunft und dem westlichen Vernunftbegriff: Diskussion der methodischen Ansätze ʿAbduhs zur Harmonisierung von Offenbarung und Vernunft.
8. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung der Wirksamkeit von ʿAbduhs Reformen und seiner Rolle als Brückenbauer zwischen den Welten.
Muḥammad ʿAbduh, Islamischer Modernismus, Vernunftbegriff, Iǧtihād, Taqlīd, Koraninterpretation, Rationalismus, Islamische Theologie, Evolutionstheorie, Muʿtazila, Ašʿarīya, Offenbarung, Religionsreform, Tradition, Moderne
Die Arbeit untersucht das Denken des islamischen Gelehrten Muḥammad ʿAbduh und seine Bemühungen, den Islam durch eine vernunftgeleitete Auslegung mit den Herausforderungen der Moderne in Einklang zu bringen.
Schwerpunkte sind das Verhältnis von Vernunft und Offenbarung, die Kritik am traditionellen Nachahmen (Taqlīd), die methodische Erneuerung (Iǧtihād) sowie die Auseinandersetzung mit westlichen wissenschaftlichen Konzepten.
Ziel ist es, ʿAbduhs spezifischen Vernunftbegriff zu erfassen und zu klären, inwiefern er als Bindeglied zwischen klassischer islamischer Tradition und modernen rationalen Denkweisen fungierte.
Es handelt sich um eine systematische textanalytische Untersuchung, die auf der Auswertung relevanter Primär- und Sekundärliteratur zur islamischen Theologie und Philosophie des 19. Jahrhunderts basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung, einen Vergleich mit klassischen Denkschulen, die Analyse theologischer Kernpositionen und die Untersuchung der Rezeption westlicher Wissenschaftstheorien durch ʿAbduh.
Zentrale Begriffe sind neben der Person Muḥammad ʿAbduh vor allem der islamische Modernismus, Iǧtihād, Taqlīd, Vernunft, Offenbarung und das Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne.
ʿAbduh ist der Überzeugung, dass es keinen Widerspruch zwischen der Wahrheit des Korans und den wahren Ergebnissen der Naturwissenschaften geben kann, da beide letztlich auf Gott zurückzuführen seien.
ʿAbduh zeigt eine deutliche Nähe zu den rationalistischen Ansätzen der Muʿtazila, da diese der Vernunft eine große Rolle bei der Interpretation göttlicher Offenbarung und der Urteilsfindung einräumt.
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