Diplomarbeit, 2012
88 Seiten, Note: 1,3
1 EINLEITUNG
2 OMISSION BIAS
2.1 Zusammenhang der Varianten des Omission Bias
2.2 Unterscheidung von Omission Bias und Status Quo Bias
3 INACTION INERTIA
3.1 Verlust- und Gewinnbetonung
3.2 Unausweichlichkeit, Konfrontation und Distanz
3.3 Werteinschätzung
4 ZWISCHENFAZIT UND GEGENÜBERSTELLUNG VON OMISSION BIAS UND INACTION INERTIA
5 EINFLUSSFAKTOREN AUF DIE TENDENZ NICHT ZU HANDELN
5.1 Emotionen
5.2 Merkmale der Entscheidungssituation
5.3 Individuelle Eigenschaften der Entscheidungsträger
5.4 Unterschiede in den experimentellen Rahmenbedingungen
6 UNTERSUCHUNGEN VON NICHTHANDLUNGSPHÄNOMENEN IM WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTLICHEN KONTEXT
7 IMPLEMENTIERUNGSVORSCHLÄGE FÜR DIE EXPERIMENTELLE WIRTSCHAFTSFORSCHUNG
7.1 Public Good Spiele
7.1.1 Varianten der Bestrafungen in Public Good Spielen
7.1.2 Integration der Möglichkeit nicht zu handeln
7.1.3 Transparenzmanipulation
7.1.4 Ein Zahlenbeispiel
7.1.5 Hypothesen
7.1.6 Limitationen und Einwände
7.2 Centipede Games
7.2.1 Integration der Möglichkeit nicht zu handeln
7.2.2 Bestrafung in Hundertfüßlerspielen
7.2.3 Transparenzmanipulation
7.2.4 Hypothesen
7.2.5 Erweiterungsmöglichkeiten
7.2.6 Limitationen und Einwände
7.3 Versuche zur Inaction Inertia mit mehreren Spielern
7.3.1 Integration der Möglichkeit nicht zu handeln
7.3.2 Hypothesen
7.3.3 Leistungsabhängige monetäre Anreize
7.3.4 Integration von Unsicherheiten
7.3.5 Limitationen und Einwände
7.4 Untersuchungen der Auswirkungen von Nichthandlungen auf Motivation und Leistung
7.4.1 Empirische Beobachtbarkeit
7.4.2 Gift Exchange Spiele
7.4.3 Integration des Aspekts der Nichthandlung
7.4.3.1 Information über die Nichthandlung zum Ende eines Zyklus
7.4.3.2 Information über die Nichthandlung zu Anfang eines Zyklus
7.4.3.3 Wiederholte Unterlassungshandlungen
7.4.4 Hypothesen
7.4.5 Limitationen und Einwände
8 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Neigung zum Nichthandeln, wobei sie sich auf die psychologischen Konzepte des "Omission Bias" (Neigung zur Unterlassung) und der "Inaction Inertia" (Trägheit des Nichtstuns) konzentriert. Das Ziel besteht darin, diese Verhaltensweisen zu analysieren, deren Einflussfaktoren in einem wirtschaftswissenschaftlichen Kontext zu beleuchten und konkrete Implementierungsvorschläge für experimentelle Laborsettings zu entwickeln.
Omission Bias
Unter Omission Bias werden zweierlei Beobachtungen zusammengefasst. Wie DeScioli, Christner und Kurzban herausstellten, wird darunter einerseits das Phänomen verstanden, dass Individuen Unterlassungen Dritter weniger moralisch verwerflich empfinden als Handlungen, die durch dieselben Intentionen motiviert sind und zum selben Resultat führen. Dies bezeichnen DeScioli und Kollegen als „third-person judgement“. Das Zweite wird als „first-person choice“ bezeichnet und spiegelt sich darin wider, dass Probanden eher durch Nichthandlungen als durch Handlungen bereit sind moralisch anfechtbare Folgen herbeizuführen, wobei wiederum Absichten und Folgen dieselben sind (DeScioli et al., 2011b).
Als Beispiel einer Studie, bei der es um die Untersuchung der Beurteilung des Verhaltens einer beobachteten Person geht, sei die Studie von Spranca et al. (1991) genannt. In Experiment 1 („The tennis tournament“) dieser Publikation wurde den Probanden ein Szenario vorgestellt, in dem ein Tennisspieler vor einem Turnier mit einem deutlich überlegenen Kontrahenten mit diesem zu Abend isst und dabei – je nach Ausgestaltung des Szenarios – aktiv oder passiv dazu beiträgt, dass sein Gegner Cayennepfeffer zu sich nimmt. In jedem der Fälle weiß der Protagonist von dessen Allergie gegen Cayennepfeffer und spekuliert darauf, dass diese ihm zum Sieg verhelfen könne. Aufgrund einer allergischen Reaktion verliert der Kontrahent tatsächlich. Die Fragen, die die Probanden nun zu jedem der drei Ausgänge des Szenarios zu beantworten hatten, betrafen die Sittlichkeit des Verhaltens des Protagonisten, das Maß der Strafe für sein Verhalten und inwiefern der Protagonist ihrer Meinung nach die Folgen seines Verhaltens verursacht hat. 65 % der Befragten fanden die Unterlassung weniger verwerflich als das aktive Zutun und zeigten damit einen „Omission Bias“.
1 EINLEITUNG: Das Kapitel führt in die Thematik der Neigung zum Nichthandeln ein und definiert die zwei zentralen Phänomene: den Omission Bias und die Inaction Inertia.
2 OMISSION BIAS: Hier werden die zwei Hauptausprägungen des Omission Bias ("third-person judgement" und "first-person choice") anhand von Impf- und moralischen Dilemmaszenarien theoretisch und empirisch untersucht.
3 INACTION INERTIA: Dieses Kapitel widmet sich der "Trägheit des Nichtstuns", bei der vorangegangene verpasste Gelegenheiten die Bereitschaft für zukünftige, ähnliche Handlungen senken.
4 ZWISCHENFAZIT UND GEGENÜBERSTELLUNG VON OMISSION BIAS UND INACTION INERTIA: Eine vergleichende Analyse der beiden Phänomene, bei der vor allem die Unterschiede in der Art der Kontrolle (exogen vs. endogen) und der strategischen Dimension hervorgehoben werden.
5 EINFLUSSFAKTOREN AUF DIE TENDENZ NICHT ZU HANDELN: Untersuchung vielfältiger Parameter, wie Emotionen, Merkmale der Entscheidungssituation, individuelle Eigenschaften der Akteure und experimentelle Rahmenbedingungen.
6 UNTERSUCHUNGEN VON NICHTHANDLUNGSPHÄNOMENEN IM WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTLICHEN KONTEXT: Ein Überblick über existierende Studien und Befunde, die den Bezug zur ökonomischen Entscheidungsfindung, etwa an Finanzmärkten, herstellen.
7 IMPLEMENTIERUNGSVORSCHLÄGE FÜR DIE EXPERIMENTELLE WIRTSCHAFTSFORSCHUNG: Entwicklung neuer experimenteller Spielvarianten für Public Good Spiele, Centipede Games und Gift Exchange Spiele zur Untersuchung von Nichthandlungsphänomenen.
8 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und diskutiert die Bedeutung für die experimentelle Wirtschaftsforschung sowie die Notwendigkeit weiterer Validierungsschritte.
Omission Bias, Inaction Inertia, Entscheidungsverhalten, Experimentelle Wirtschaftsforschung, Unterlassung, Bereuen, Status Quo Bias, Public Good Spiele, Centipede Games, Gift Exchange, strategische Entscheidung, Prospekt Theorie, Kognitive Dissonanz, Transparenz, Bestrafung.
Die Diplomarbeit untersucht psychologische Phänomene, bei denen Menschen dazu neigen, Handlungen zu unterlassen (Nichthandeln), obwohl eine Entscheidung notwendig oder vorteilhaft wäre.
Die Arbeit fokussiert auf den "Omission Bias" (Neigung zur Unterlassung) und die "Inaction Inertia" (Trägheit des Nichtstuns) als spezifische Formen der Entscheidungsscheu.
Ziel ist es, die theoretischen Hintergründe dieser Phänomene zu analysieren, deren wirtschaftliche Relevanz aufzuzeigen und neue experimentelle Ansätze für die Wirtschaftsforschung vorzuschlagen.
Die Arbeit stützt sich auf eine umfassende Literaturanalyse bestehender psychologischer und ökonomischer Studien und leitet daraus eigene, modifizierte experimentelle Forschungsdesigns für Laborversuche ab.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Aufarbeitung von Omission Bias und Inaction Inertia, eine Analyse relevanter Einflussfaktoren sowie die Entwicklung praktischer Implementierungsvorschläge für verschiedene Spiele der experimentellen Wirtschaftsforschung.
Zentrale Begriffe sind Omission Bias, Inaction Inertia, Entscheidungsverhalten, experimentelle Wirtschaftsforschung, psychologische Kosten und strategisches Handeln.
Geschützte Werte, wie etwa Menschenleben oder Umweltschutz, sind Werte, für die Individuen keine Kompromisse eingehen. Die Arbeit erörtert, ob diese Werte den Omission Bias verstärken oder eher mit Handlungspräferenzen assoziiert sind.
Die Unterscheidung hilft zu verstehen, ob das Nichthandeln durch ein bewusstes Kalkül gegenüber Dritten (exogen, z.B. Vermeidung von Strafe) oder durch psychologische Prozesse innerhalb der Person (endogen, z.B. Vermeidung von Bereuen) motiviert ist.
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