Magisterarbeit, 2012
100 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
1.1 Hintergründe der Arbeit und Erläuterung des Titels
1.2 Aufbau der Arbeit
2. Medienwandel und Gesellschaftswandel: Das Mediatisierungskonzept nach Friedrich Krotz
2.1 Kommunikation, Medien und Neue Medien
2.1.1 Kommunikation
2.1.2 Medien
2.1.3 Neue Medien
2.2 Grundannahmen des Mediatisierungskonzepts
2.3 Fokus: Entgrenzung
2.3.1 Räumliche Entgrenzung – Allgegenwart und Mobilisierung
2.3.2 Zeitliche Entgrenzung – Beschleunigung und Flexibilisierung
2.3.3 Soziale Entgrenzung – Anytime, anywhere, everything.
2.4 Die Mediatisierung im Kontext anderer Metaprozesse
2.5 Zusammenfassung
3. Diskurse um den Medienwandel
3.1 Das Diskursverständnis dieser Arbeit
3.2 Die Bedeutung von Mediendiskursen
3.3 Mediendiskursgeschichte
3.3.1 Nostalgie und die Dämonisierung des Neuen
3.3.2 Kontrollverlust
3.3.3 Informationsüberflutung, Reizüberflutung und gesundheitliche Auswirkungen
3.4 Zusammenfassung
4. Zwischenresümee
5. Gegenstand, Methodik und Vorgehensweise
5.1 Gegenstand und Materialgrundlage
5.2 Diskursforschung
5.3 Methodische Orientierung
5.4 Vorgehensweise
5.4.1 Strukturanalyse
5.4.2 Feinanalyse
6. Analyseergebnisse
6.1 Ergebnisse der Strukturanalyse
6.1.1 Strukturanalyse Miriam Meckel
6.1.2 Strukturanalyse Frank Schirrmacher
6.1.3 Strukturanalyse Christoph Koch
6.1.4 Strukturanalyse Alex Rühle
6.1.5 Übergreifende Strukturanalyse
6.2 Ergebnisse der Phänomenstrukturanalyse
6.2.1 Phänomenstruktur Miriam Meckel
6.2.2 Phänomenstruktur Frank Schirrmacher
6.2.3 Phänomenstruktur Christoph Koch
6.2.4 Phänomenstruktur Alex Rühle
6.3 Ergebnisse der Deutungsmusteranalyse
6.3.1 Deutungsmuster bei Miriam Meckel
6.3.2 Deutungsmuster bei Frank Schirrmacher: Die Neuen Medien als Bedrohung
6.3.3 Deutungsmuster bei Christoph Koch
6.3.4 Deutungsmuster bei Alex Rühle
6.3.5 Zusammenfassende Interpretation der Ergebnisse
7. Resümee und Ausblick
Die Magisterarbeit untersucht diskursiv, wie die vermutete Verbindung zwischen Neuen Medien und Problemen wie Stress, Erschöpfung und Konzentrationsschwäche in der aktuellen populärwissenschaftlichen Literatur hergestellt wird. Anstatt die reale Existenz eines solchen Zusammenhangs zu beweisen, fokussiert die Arbeit auf die Konstruktion dieser "Wahrheit" durch öffentliche Debatten.
3.3.1 Nostalgie und die Dämonisierung des Neuen
Begonnen werden soll für den Rückblick auf vergangene Mediendiskurse bei der Schriftkritik Platons. Diese wird immer wieder angeführt, wenn es darum geht, die lange Tradition der Medienkritik zu unterstreichen. Sie gilt als geradezu paradigmatisch, oder wie Raible (2006: 93) schreibt, als „prototypisch“ für alle folgenden (kritisierenden) Mediendiskurse, da sie Argumente und Argumentationsmuster aufweist, die auch in heutigen Mediendiskursen noch aktuell sind (vgl. Raible 2006: 88 ff.).
Bezug genommen wird auf den Dialog Phaidros, in dem Sokrates und Phaidros über die Bedeutung des neuen Mediums Schrift debattieren. Zentrales Muster ist auf der einen Seite die Verherrlichung des Vergangenen, der der Argwohn gegenüber Neuem entgegengestellt wird. Auf der anderen Seite steht die euphorische Begrüßung des Fortschritts. Diese stark polarisierende Bewertung des Potenzials jeweils neuer Medien ist typisch (vgl. Neuberger 2005: 79). Mediendiskurse bewegen sich stets oszillierend zwischen gesellschaftlichen Krisen- und Utopiediskursen (vgl. Schneider/ Spangenberg 2002: 20).
Im Dialog zwischen Phaidros und Sokrates wird der Mythos von Teuth aufgegriffen, der dem König Thamus von seiner neuen Erfindung, der Schrift, berichtet. Während Teuth voller Begeisterung seine neue Erfindung preist, verweist Thamus auf deren Gefahren und Mängel. So geht es beispielsweise um den Nutzen der Schrift, den beide sehr unterschiedlich einschätzen. Während Teuth die Vorteile für Erinnerungsfähigkeit und Weisheit betont, die die Schrift mit sich bringen würde, ist Thamus der Überzeugung, dass sie vielmehr Vergessenheit und Vernachlässigung des Erinnerns zur Folge haben würde (vgl. Raible 2006: 90). Im Zuge dieser Vorbehalte gegenüber des neuen Mediums Schrift veränderten sich auch die gesellschaftlichen Konzepte von Erinnerung, Wissen und Weisheit, bzw. wurden zusätzliche Konzepte etabliert. Diese neuen Konzepte heiligten stets die Mündlichkeit während sie die Schriftlichkeit dämonisierten. So wurde eigentliche Weisheit der scheinhaften Weisheit gegenübergestellt, lebendiges Wissen stand neben totem Wissen und das Konzept von Gedächtnis wurde in menschliches und künstliches unterteilt (vgl. Schneider 2000: 31).
Einleitung: Einführung in die Thematik der Erschöpfung durch digitale Medien und Darlegung des methodischen Fokus.
Medienwandel und Gesellschaftswandel: Das Mediatisierungskonzept nach Friedrich Krotz: Theoretische Grundlegung durch das Mediatisierungskonzept, mit Fokus auf Entgrenzungsprozessen durch Neue Medien.
Diskurse um den Medienwandel: Untersuchung der historischen Rolle von Mediendiskursen, insbesondere "Besorgnisdiskurse" und typische Argumentationsmuster.
Zwischenresümee: Synthese der theoretischen Grundlagen aus Mediatisierungskonzept und Diskurstheorie vor Beginn des Analyseteils.
Gegenstand, Methodik und Vorgehensweise: Definition des Datenkorpus (vier populärwissenschaftliche Bücher) und Erläuterung der diskursanalytischen Instrumente.
Analyseergebnisse: Detaillierte Auswertung der empirischen Daten durch Struktur-, Phänomenstruktur- und Deutungsmusteranalyse der ausgewählten Werke.
Resümee und Ausblick: Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse und Reflexion über die diskursive Konstruktion von Problemen durch neue Medien.
Mediatisierung, Mediendiskurs, Burnout-Syndrom, Informationsüberflutung, Entgrenzung, Digitalisierung, Diskursanalyse, Suchtpotential, digitale Erschöpfung, Aufmerksamkeitsökonomie, Selbstbestimmtheit, Kontrollverlust, Medienkritik, Kommunikation, Gesellschaftswandel.
Die Arbeit untersucht, wie in aktuellen populärwissenschaftlichen Texten ein Zusammenhang zwischen der Nutzung Neuer Medien und Phänomenen wie Stress, Burnout oder Konzentrationsschwäche hergestellt wird.
Die zentralen Felder sind Mediatisierung, Informationsüberflutung, Suchtpotential, Entgrenzung zwischen Arbeit und Freizeit sowie die zunehmende Abhängigkeit von digitalen Technologien.
Das Ziel ist nicht der Beweis eines kausalen Zusammenhangs zwischen Mediennutzung und Krankheit, sondern die kritische Analyse der diskursiven Prozesse, durch die diese Themen als gesellschaftliches Problem konstruiert werden.
Die Arbeit stützt sich primär auf die wissenssoziologische Diskursanalyse nach Reiner Keller sowie Elemente der kritischen Diskursanalyse nach Siegfried Jäger.
Der Hauptteil umfasst eine theoretische Fundierung, eine Analyse der historischen Mediendiskursgeschichte sowie eine detaillierte diskursanalytische Untersuchung von vier ausgewählten populärwissenschaftlichen Fachbüchern.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Mediatisierung, Diskursanalyse, Informationsüberflutung, Entgrenzung und mediale Suchtpotentiale charakterisiert.
Sie sind populärwissenschaftliche Bestseller, die sich explizit mit den negativen Auswirkungen der Digitalisierung befassen und somit ein repräsentatives "Textensemble" für den aktuellen öffentlichen Diskurs bieten.
Die Autoren konstruieren die Neuen Medien häufig als sowohl "entgrenzend" als auch "bedrohlich" für die menschliche Autonomie und kognitive Leistungsfähigkeit, wobei die Nutzer oft als machtlose Opfer technischer Zwänge dargestellt werden.
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