Magisterarbeit, 2009
92 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung – Postmoderne in der kroatischen und serbischen Literatur 1983 – 2001
Gegenstand und Ziel der Arbeit
1.1. Identität und Postmoderne in Serbien und Kroatien
1.2. Realität - Mythos – Virtualität
2. Erzähltextanalyse
2.1. Vuk Drašković „Nož“ (1983 – 2. Auflage)
2.1.1. Der Erzähler und die Perspektivik im Roman
2.1.2 Figurenäquivalenzen
2.1.3. Doppelgängermotivik
2.1.4. Der Leser - Das neue Modell der Kommunikationsebenen
2.2 Nedjeljko Fabrio „Smrt Vronskog“ (1994)
2.2.1 Der Erzähler und die Perspektivik im Roman
2.2.2. Figurenäquivalenzen
2.2.3. Doppelgängermotivik
2.2.4. Der Leser – Dokumentarismus und Fiktion
2.3. Tomislav Zajec „Ulaz u Crnu Kutiju“
2.3.1. Der Erzähler und die Perspektivik im Roman
2.3.2. Figurenäquivalenzen
2.3.3. Doppelgängermotivik
2.3.4. Der Leser – Die virtuelle Kultur und die Kommunikationsebenen
3. Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel von nationalen Identitäten im ehemaligen Jugoslawien zwischen 1983 und 2001. Anhand einer narratologischen Erzähltextanalyse von drei repräsentativen Romanen wird analysiert, wie mythologische Konstruktionen, politische Ideologien und der Einfluss medialer Umgebungen die Persönlichkeitsbildung und Identitätssuche der Protagonisten in dieser krisengeprägten Zeit beeinflussten und formten.
1.1. Identität und Postmoderne in Serbien und Kroatien
Die doppelte Identität eines jeden Bürgers der ehemaligen Teilrepubliken Jugoslawiens hatte für die gesamte Dauer der Konstruktion des Vielvölkerstaats große Bedeutung. Nicht ein einziger Bürger hätte seine nationale bzw. seine staatsbezogene Identität – zumindest nicht öffentlich – als vorrangig bezeichnet. Folgen derartigen Verhaltens wären nicht nur die politisch gesellschaftliche Isolation, sondern der Vorwurf feindlichen Gedankenguts, dass per Strafverfolgung geahndet worden ist.
Viele junge Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawiens haben noch Anfang der Neunziger Jahre an den Kundgebung der Jungpioniere teilgenommen, auf denen nicht nur die jugoslawische Hymne gesungen wurde sondern auch Filme wie „Die Brücke über die Neretva“ gezeigt wurden. Die darin spielenden Partisanen verkörperten den Typ des Helden im Kampf gegen Nationalismus und Völkermord und sollten jedem Pionier als Beispiel dienen. Tito sei zwar Kroate gewesen, aber das spiele keine Rolle, denn Ustaša und Četniks gäbe es nicht mehr, nur noch Gemeinsamkeit, Jugoslawien; zudem solle man seine Eltern ehren, nicht lügen und gut in der Schule sein, ein Rundumschlag für eine pubertierende Person, die sich damit identifizieren solle. Ergänzend dazu wurden den Kindern/Jugendlichen Geschichten über Alija Đerzelez, Kraljević Marko und zahlreiche Märchen über die Hajduken auf dem Balkan erzählt, Rollen, in welche sich jeder Junge, aber auch Mann, gern hineinversetzt.
Die Identität des Jugoslawen war ein Gerüst auf zwei äußerst wackeligen Beinen, einem politischen und einem intellektuellen. Aber dieses durchaus nicht eigenartige Konstrukt, das mit der Aufklärung auch in Mitteleuropa Spuren hinterließ und die Bildung des Begriffes der Nation und eben solcher begünstigte, wandelte sich auf dem Balkan zu einem Symptom von Doppelgängern. Denn durch die Repressionen während des Zweiten Weltkrieges durch die nationalistischen Truppen und später durch die kommunistische Rechtssprechung wandelten sich die Bürger äußerlich zu Brüderlichkeit und Einheit, während „ungesühnte Rache“ die Menschen innerlich zu hasserfüllten Individuen heranreifen ließ. Der Doppelgänger teilt nicht etwa wie ein eineiiger Zwilling auch das Genmaterial, sondern nur die Hülle eines weiteren Menschen.
1. Einleitung – Postmoderne in der kroatischen und serbischen Literatur 1983 – 2001: Erläutert den theoretischen Hintergrund zur Identitätsbildung im ehemaligen Jugoslawien sowie das Wechselspiel von Mythos und Virtualität.
2. Erzähltextanalyse: Detaillierte narratologische Untersuchung der ausgewählten Romane unter Berücksichtigung von Erzählperspektiven, Figurenäquivalenzen und Doppelgängermotivik.
2.1. Vuk Drašković „Nož“ (1983 – 2. Auflage): Analyse der national-mythologischen Prägung und der Zwillingsidentität in Draškovićs Roman.
2.2 Nedjeljko Fabrio „Smrt Vronskog“ (1994): Untersuchung der Verknüpfung von tolstojanscher Tradition mit zeitgenössischen Kriegserfahrungen und mythischen Elementen.
2.3. Tomislav Zajec „Ulaz u Crnu Kutiju“: Analyse der totalen Medialisierung und Virtualisierung von Identität in einem zeitgenössischen TV-Experiment.
3. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse zur Identitätsentwicklung über die untersuchten Jahrzehnte hinweg.
Identität, Postmoderne, Jugoslawien, Balkan, Mythos, Virtualität, Erzähltextanalyse, Doppelgänger, Nationalismus, Vuk Drašković, Nedjeljko Fabrio, Tomislav Zajec, Literaturwissenschaft, Medialisierung, Transformation.
Die Arbeit untersucht den Wandel und die Konstruktion nationaler sowie persönlicher Identitäten im ehemaligen Jugoslawien über zwei Jahrzehnte hinweg (1983–2001).
Im Zentrum stehen die Postmoderne in der Literatur, die Rolle von Mythen und Heldenbildern sowie die Auswirkungen von Kriegen und modernen Medien auf das Identitätsempfinden.
Wie verändern sich Identitätskonstruktionen im südslavischen Raum durch das Wechselspiel von kulturellen Mythen, politischer Ideologie und medialer Virtualisierung?
Die Arbeit nutzt die narrative Erzähltextanalyse, insbesondere unter Anwendung der Narratologie nach Wolf Schmid sowie Ansätzen der Intertextualität.
Der Hauptteil analysiert drei Romane – „Nož“ von Vuk Drašković, „Smrt Vronskog“ von Nedjeljko Fabrio und „Ulaz u Crnu Kutiju“ von Tomislav Zajec – hinsichtlich ihrer Erzählstruktur, Figurenkonstellationen und Identitätskonzepte.
Die wichtigsten Schlagworte sind Identität, Postmoderne, Mythos, Doppelgängermotivik, Virtualität und Medialisierung.
Sein Werk „Nož“ dient als Ausgangspunkt, um die mythologische Aufladung und die damit verbundene nationalistische Instrumentalisierung von Identität in den 1980er Jahren zu beleuchten.
Zajecs Werk verschiebt den Fokus von der historisch-politischen Identitätssuche hin zu einer vollkommen medialisierten Existenz, in der die Realität durch die Kamera und das Internet virtuell überlagert wird.
Der Doppelgänger dient als literarisches Motiv für die gespaltene Identität der Protagonisten, die zwischen ihrer tatsächlichen Historie und den ihnen zugeschriebenen oder medial konstruierten Rollen gefangen sind.
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