Bachelorarbeit, 2011
81 Seiten, Note: 1,7
Einleitung
1 Die Bindungstheorie
1.1 Phasen der Bindungsforschung
1.2 Grundannahmen der Bindungstheorie
1.3 Begriffsdefinition „Bindung“
1.4 Verhaltenssysteme von Bindung
1.4.1 Funktion und Wesen des Bindungsverhaltens
1.4.2 Funktion und Wesen des Explorationsverhaltens
1.5 Entwicklung einer Bindung
1.5.1 Haupt‐ und Nebenbindungsfiguren
1.5.2 Entwicklung der Organisation von Bindungsverhalten
2 Innere Arbeitsmodelle von Bindung
2.1 Innere Arbeitsmodelle aus entwicklungspsychologischer und bindungstheoretischer Sicht – eine Einführung
2.2 Entwicklung innerer Arbeitsmodelle
2.3 Aufbau innerer Arbeitsmodelle
2.4 Eigenschaften innerer Arbeitsmodelle
2.5 Differentielle Beschreibung innerer Arbeitsmodelle von Bindung
2.5.1 Beschreibung der „Fremden Situation“
2.5.2 Das sichere Modell
2.5.3 Das unsicher‐vermeidende Modell
2.5.4 Das unsicher‐ambivalente Modell
2.5.5 Das desorganisierte Modell
2.6 Feinfühliges Pflegeverhalten der Bindungsperson als Einflussfaktor auf das Bindungsmodell des Kindes
2.7 Stabilität innerer Arbeitsmodelle von Bindung
3 Bindung als Schutz – bzw. Risikofaktor für die emotionale und soziale Entwicklung eines Kindes
3.1 Das Schutzfaktorenkonzept
3.1.1 spezifische Schutzfaktoren
3.1.2 Sichere Bindung als Schutzfaktor und Stärkung der emotionalen und sozialen Kompetenz
3.2 Das Risikofaktorenkonzept
3.2.1 spezifische Risikofaktoren
3.2.2 unsichere Bindung als Risikofaktor für die emotionale und soziale Entwicklung
4 Bindungsstörungen und deren Auswirkungen auf die emotionale und soziale Entwicklung eines Kindes
4.1 Begriffsdefinition und Klassifikation von „Bindungsstörung“
4.2 Begriffsdefinition und Klassifikation von „Verhaltensstörung“
4.3 spezielle Verhaltensstörungen
4.3.1 Schulangst – Begriffsbestimmung, Störungsbild und bindungstheoretische Überlegungen
4.3.2 Aggression – Definition, Störungsbild und bindungstheoretische Überlegungen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von Bindungsstörungen auf die emotionale und soziale Entwicklung von Kindern und analysiert, wie spezifische Bindungsmuster als Schutz- oder Risikofaktoren fungieren.
1.4.2 Funktion und Wesen des Explorationsverhaltens
Ein weiteres primäres Verhaltenssystem ist das Explorationsverhalten, was wie bereits beschrieben das Gegenstück zum Bindungsverhalten darstellt und weitgehend durch die Neugierde des Kindes angetrieben wird. „Die Neugier ist ein wesentliches Motivsystem von Lebewesen, die im Verlauf ihrer Entwicklung sehr viel lernen und auf dieser Grundlage unter sehr unterschiedlichen Umweltbedingungen leben können. (SCHÖLMERICH/LENGNING 2008, S.198) Axel Schölmerich und Anke Lengning unterscheiden zwischen zwei Formen des Explorationsverhaltens: die distale Exploration und die proximale Exploration. Unter distaler Exploration sind vor allem visuelle und auditive Aktivitäten des Kindes zu verstehen, welche aus einer bestimmten Entfernung, d.h. ohne direkten Kontakt mit dem bis zu diesem Zeitpunkt fremden Objekt ausgeführt werden. Die proximale Exploration hingegen ist gekennzeichnet durch taktile Handlungen des Kindes, d.h. dieses berührt und ertastet das fremde Objekt. Eine weitere wichtige Form der proximalen Exploration ist das Fragen über ein Objekt stellen. Diese Form kommt mit dem Spracherwerb des Kindes hinzu. (vgl. SCHÖLMERICH/LENGNING 2008, S.200)
Betrachtet man nun das Explorationsverhalten im Zusammenhang mit der Bindungstheorie, so ist festzustellen, dass sich das Kind in den meisten Fällen auf eine kleine Exkursion begibt, wenn es sich sicher fühlt, sich der Nähe der Bindungsfigur gewiss ist und es die äußeren Umstände zulassen. Während der Erkundung ihrer Umgebung vergewissern sich Kinder immer der Nähe ihrer Bindungsfigur und kehren in regelmäßigen Abständen zu ihr zurück. (vgl. BOWLBY 2006, S.205) „Diese zuversichtlichen Ausflüge hören abrupt auf, wenn eine von zwei Bedingungen eintritt: a) wenn ein Kind erschrocken oder verletzt ist, b) wenn sich die [Bindungsfigur, A.K.] entfernt.“ (AINSWORTH 1967, zit. n. BOWLBY 2006, S.205) In diesen Fällen wird das Bindungsverhalten des Kindes aktiviert und das Explorationsverhalten wird zur gleichen Zeit inaktiv. „Bei erhöhtem Sicherheitsbedarf wird das Explorationsverhalten eingestellt, bei niedrigem Sicherheitsbedarf kann das Kind frei explorieren.“ (SCHÖLMERICH/LENGNING 2008, S.203) Die nachfolgende Abbildung visualisiert dieses Verhältnis zwischen Bindung und Exploration:
Einleitung: Einführung in die Fragestellung nach der Auswirkung von Bindungsstörungen auf die kindliche Entwicklung und Erläuterung der Bedeutung der Bindungstheorie für Lehrpersonen.
1 Die Bindungstheorie: Detaillierte Darstellung der Grundlagen, der drei Phasen der Bindungsforschung, der Verhaltenssysteme (Bindung und Exploration) sowie der Entwicklung von Bindung.
2 Innere Arbeitsmodelle von Bindung: Analyse der mentalen Repräsentationen von Bindungserfahrungen, deren Entwicklung, Eigenschaften sowie der differentiellen Beschreibung verschiedener Bindungsqualitäten.
3 Bindung als Schutz – bzw. Risikofaktor für die emotionale und soziale Entwicklung eines Kindes: Untersuchung der Bindung als Schutzfaktor (Resilienz) und als Risikofaktor, inklusive der Stärkung emotionaler Kompetenz durch eine sichere Bindung.
4 Bindungsstörungen und deren Auswirkungen auf die emotionale und soziale Entwicklung eines Kindes: Analyse von Bindungsstörungen, deren Klassifikation und der Zusammenhang mit spezifischen Verhaltensstörungen wie Schulangst und Aggression.
Bindungstheorie, Bindungsverhalten, Explorationsverhalten, Innere Arbeitsmodelle, Bindungsstörungen, Emotionale Entwicklung, Soziale Kompetenz, Schutzfaktoren, Risikofaktoren, Resilienz, Feinfühligkeit, Schulangst, Aggression, Bindungsperson, Verhaltensstörung.
Die Arbeit beleuchtet den Zusammenhang zwischen Bindungserfahrungen und der emotionalen sowie sozialen Entwicklung von Kindern. Sie analysiert, wie Bindungsmuster als Schutz- oder Risikofaktoren wirken und welche Folgen Bindungsstörungen haben können.
Die zentralen Themen sind die Bindungstheorie nach John Bowlby, die Entwicklung innerer Arbeitsmodelle, das Schutz- und Risikofaktorenkonzept sowie spezifische Auswirkungen von Bindungsstörungen im schulischen Kontext.
Die Arbeit untersucht, inwieweit sich Bindungsstörungen auf die emotionale und soziale Entwicklung auswirken und in welcher Weise bestimmte Bindungsmuster als Schutz- oder Risikofaktoren für diese Entwicklung fungieren.
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer fundierten Literaturanalyse basiert und etablierte psychologische Konzepte (z.B. Bindungstheorie, Risikofaktorenkonzept) miteinander verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der Bindungstheorie, die Analyse innerer Arbeitsmodelle, die Diskussion von Schutz- und Risikofaktoren sowie die detaillierte Betrachtung von Bindungs- und Verhaltensstörungen.
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Bindungstheorie, Bindungsstörungen, emotionale Kompetenz, Resilienz, Schutzfaktoren, Risikofaktoren und Verhaltensauffälligkeiten charakterisiert.
Die Lehrkraft kann selbst zur Bindungsperson für Schüler werden. Die Kenntnis über die Bindungsqualität hilft dabei, auffälliges Verhalten (wie Schulangst oder Aggression) richtig zu interpretieren und angemessen darauf zu reagieren.
Das desorganisierte Bindungsmodell stellt keine neue Form der Verhaltensorganisation dar, sondern kennzeichnet eine Unterbrechung des organisierten Verhaltens, bei der das Kind in einer Angstsituation nicht in der Lage ist, Schutz bei der Bezugsperson zu suchen.
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