Magisterarbeit, 2012
71 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Technik als anthropologische Konstante
2.1 Technik als gesellschaftsprägender Faktor
2.2 Zeitliche Verortung der Epoche
2.3 Räumliche Verortung der Epoche
2.4 Einige grundlegende Neuerungen der Epoche
2.5 Industrialisierung als „ultimative Kulturschwelle“
3. Erich Maria Remarque: „Im Westen nichts Neues“
3.1 Rezeption, Rezension und Wirkung
3.2 Die Auswirkungen des ersten Weltkriegs
3.3 Remarques Darstellung des Kriegsgeschehens
3.4 Frontalltag und Kasernenhofdrill
3.5 Beschreibung der Kriegsmaschinerie
3.6 Entwicklung der Kriegsindustrie
3.6.1 Kriegstechnik und Städtebau
3.7 Ich versteh` nur Bahnhof
3.8 Die Ambivalenz der Technik
4. Technik, Mystik, Infrastruktur und Beschleunigung
4.1 Technik und Zeitwahrnehmung
4.2 Gerhard Hauptmann: Bahnwärter Thiel
4.3 Mensch und Mechanik
4.4 Die Faszination des Automatismus
4.5 Technik, Mystik und Magie
4.5.1 Exkurs: Religion als vorwissenschaftliche Technik
4.5.1.1 Der mystische Aspekt
4.6 Thiels „mystische Neigung“
5. Theodor Storm: „Der Schimmelreiter“
5.1 Zeitgenössische Rezensionen
5.2 Die Symbolik der Natur
5.3 Die Notwendigkeit der Bändigung
5.3.1 Die Funktion der Magie
5.4 Die Figur des Hauke Haien
5.5 Vorläufige Zusammenfassung der Ergebnisse
6. Industrialisierung und Gesellschaft
6.1 Elite, Masse und Macht
6.2 Masse und Technik
6.3 Die Kultur der Industriegesellschaft
7. Theodor Fontane: „Effi Briest“
7.1 Industrialisierung und Strukturvergrößerung
7.2 Industrialisierung und Macht
7.3 Gesellschaftszwang: Internalisierung und Reflexion
7.4 Alltagsmenschen und Führungspositionen
7.5 Individualität und Atomisierung
8. Die Psychologie der Industrialisierung
8.1 Wissenschaft und Spezialisierung
9. Georg Büchner: Woyzeck
9.1 Die Rolle der Gesellschaft
9.2 Der Hauptmann als Vertreter des Feudalismus
9.3 Der Doctor als Repräsentant des Bürgertums
9.4 Doctor und Hauptmann
9.5 Woyzeck als Vertreter der Massen
9.5.1 Die soziale Isolierung Woyzecks
9.5.2 Der Wahn Woyzecks
9.6 „Woyzeck“ als frühindustrielle Vorahnung
10. Resümee
Ziel der Arbeit ist die Untersuchung des Verhältnisses von technischer Entwicklung und gesellschaftlicher Wahrnehmung während der Epoche der industriellen Revolution anhand ausgewählter literarischer Werke, um sowohl relevante Aspekte der zeitgenössischen Wahrnehmung zu thematisieren als auch Prozesse gesellschaftlicher Entwicklung nachzuvollziehen.
3.5 Beschreibung der Kriegsmaschinerie
Der Krieg ist, wenngleich künstlich erzeugt, gewissermaßen die natürliche Umwelt der Soldaten. Eine bedrohliche Natur, dem die Figuren hilflos ausgeliefert sehen, die sich der Analyse ihrerseits entzieht und die es zu ertragen und zu überleben gilt:
„Die Luft wird diesig von Geschützhauch und Nebel. Man schmeckt den Pulverqualm bitter auf der Zunge. Die Abschüsse krachen, daß unser Wagen bebt, das Echo rollt tosend hinterher, alles schwankt. […] Aber der dumpfe Hall der Einschläge dringt nicht herüber. Er ertrinkt im Gemurmel der Front. Kat horcht hinaus: „Diese Nacht gibt es Kattun.“ Wir horchen alle. Die Front ist unruhig.“ (S.35)
Die Front gleicht dieser Beschreibung nach einem lebendigen Wesen, die Ereignisse werden mit fatalistischer Gleichgültigkeit und Apathie hingenommen. Dabei greift Remarque bei der Schilderung der Fronterlebnisse wiederholt auf Analogien und Metaphern zurück, welche der Naturbeschreibung entlehnt sind.
1. Einleitung: Diese Arbeit untersucht das Verhältnis von technischer Entwicklung und gesellschaftlicher Wahrnehmung während der industriellen Revolution anhand ausgewählter literarischer Werke.
2. Technik als anthropologische Konstante: Der Mensch ist aufgrund seiner physiologischen Ausstattung auf Technik angewiesen, um sich in der Umwelt zu behaupten, was Technik zu einem Elementarkriterium des Menschseins macht.
3. Erich Maria Remarque: „Im Westen nichts Neues“: Remarques Roman dient als Einstieg, da er das grauenvolle Resultat der industrialisierten Kriegsführung und die daraus resultierende mentale Abstumpfung der Soldaten eindringlich darstellt.
4. Technik, Mystik, Infrastruktur und Beschleunigung: Dieses Kapitel thematisiert die Beschleunigung der Welt durch Eisenbahn und Telegraphie sowie die damit einhergehende Entfremdung von natürlichen Prozessen.
5. Theodor Storm: „Der Schimmelreiter“: Die Novelle verdeutlicht das Spannungsfeld zwischen technischem Fortschritt, kollektiver Tradition und menschlicher Hybris am Beispiel des Deichbaus.
6. Industrialisierung und Gesellschaft: Es wird analysiert, wie die Industrialisierung und funktionale Ausdifferenzierung zu einer gesellschaftlichen Anonymisierung und der Herausbildung des „Massenmenschen“ führten.
7. Theodor Fontane: „Effi Briest“: Der Roman illustriert den gesellschaftlichen Zwang und die daraus resultierende psychische Belastung der Individuen in der preußischen Gesellschaft des späten 19. Jahrhunderts.
8. Die Psychologie der Industrialisierung: Dieses Kapitel beleuchtet den Verlust eines sinnhaften Wertekanons zugunsten einer auf Komplexitätssteigerung basierenden Lebensweise, die Technik oft als „Natur“ erscheinen lässt.
9. Georg Büchner: Woyzeck: Als frühindustrielles Werk dient das Dramenfragment dazu, die Ursprünge der in späteren Werken thematisierten Konflikte und Machtstrukturen aufzuzeigen.
10. Resümee: Die Untersuchung schließt mit der Erkenntnis, dass Technik und Gesellschaft in einem dialektischen Verhältnis stehen, das in der Katastrophe des Ersten Weltkriegs gipfelte.
Industrialisierung, Technik, Gesellschaft, Literaturgeschichte, Wahrnehmung, Entfremdung, Massenmensch, Naturalismus, Fortschrittsglaube, Naturwissenschaft, Deichbau, Kriegsmaschinerie, Identität, Büchner, Remarque
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von technischer Entwicklung und gesellschaftlicher Wahrnehmung während der Epoche der industriellen Revolution anhand ausgewählter literarischer Werke des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.
Die zentralen Themenfelder umfassen die anthropologischen Grundlagen der Technik, die psychologischen Auswirkungen der Industrialisierung, die Rolle der Massengesellschaft sowie die literarische Auseinandersetzung mit diesen Prozessen.
Das Ziel ist es, nachzuweisen, wie technische Entwicklungen die menschliche Wahrnehmung in Bezug auf Gesellschaft, Identität und Natur transformiert haben.
Es handelt sich um eine literaturgeschichtliche Untersuchung mit einem ausgeprägten literatursoziologischen Anteil sowie anthropologischen und psychologischen Bezügen.
Der Hauptteil analysiert literarische Werke von Remarque, Hauptmann, Storm, Fontane und Büchner, um die verschiedenen Phasen und gesellschaftlichen Konsequenzen der Industrialisierung zu beleuchten.
Wichtige Begriffe sind Industrialisierung, Technik, Entfremdung, Massenmensch, Fortschrittsglaube, Naturwissenschaft und Identität.
Die Technik (Eisenbahn) wird als Bedrohung wahrgenommen, die sowohl das physische als auch das psychische Wohlbefinden der Hauptfigur gefährdet und zur Entfremdung führt.
Es beschreibt die subjektive Wahrnehmung der Gesellschaft als eine unpersönliche, tyrannisierende Macht, die den Einzelnen zu konformem Handeln zwingt, ungeachtet der persönlichen Konsequenzen.
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