Examensarbeit, 2010
64 Seiten, Note: 1,0
Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
1. Vorbemerkung
2. Einleitung
3. Allgemeine Bedeutung des conatus in der Ethica – Stellenwert, Funktion in der Programmatik
4. Die Extension des Conatusbegriffs
4.1 Der Begriff res in De Deo
4.2 Die Begriffe res und individuum in De Mente und De Deo
5. Vorbemerkungen zum Hauptteil
6. Das Conatusprinzip in 3p6-8: Argumentation, Folgerungszusammenhänge und Implikationen
6.1 Weitere Bestimmungen des conatus (3p7&8)
6.2 Exkurs: Formale Essenzen – Bedeutung und Tragweite
6.3 Der spezifisch menschliche conatus 3p9-13
7. Deduktionsprobleme des conatus
7.1 Beweisbarkeit von 3p6 aus 3p4&5
7.2 Exkurs: Problematisierungen in der Sekundärliteratur
7.3 Deduktion des Zeitlichen aus dem Ewigen
8. Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht den Conatusbegriff als metaphysische Grundlage der „Ethik“ von Spinoza. Das Hauptziel besteht darin, die strukturelle Funktion des Conatusprinzips zu entschlüsseln, die den Übergang von der Ontologie zur Affektenlehre und zur menschlichen Freiheit vermittelt. Die Arbeit analysiert dabei, wie sich dieses Prinzip durch das gesamte Werk zieht und welche methodischen Implikationen sich daraus für das Verständnis der menschlichen Existenz ergeben.
3. Allgemeine Bedeutung des conatus in der Ethica – Stellenwert, Funktion in der Programmatik
„Jedes Ding strebt, soviel an ihm liegt, in seinem Sein zu verharren.“ (Conatusprinzip, 3p6)
Ziel der Ethica ist es, aufzuzeigen, wie menschliche Freiheit von der Macht negativer Affekte (fehlgeleitete Leidenschaften, Hass etc.) möglich, vorstellbar und realisierbarer ist (5. Buch). Es ist dies die alte Frage nach einem gelingenden, guten Leben, die schon (spätestens) seit den Griechen verschiedene Philosophierende bemühte und zu verschiedenen „Ethiken“, Moralsystemen, auch Anthropologien etc. führte. Das Programm der Ethica besteht darin, diese Freiheit zu ermöglichen, indem sie ein Verständnis der menschlichen Natur entwickelt – frei von Normativität, Deontologie, Teleologie oder einem abstrakten bonum morale.
Spinoza gewinnt seine Herleitung bzw. Darstellung der menschlichen Freiheit aus der Bestimmung Gottes: De Deo. Genauer genommen handelt diese Ontologie nicht nur von einer Substanz, der causa sui und causa omnium rerum (1p34d), sondern (epistemisch gesehen) v. a. aus einer göttlichen/ ewigen Perspektive. Aus dieser wird das Verhältnis natura naturans und natura naturata, Substanz – Attribute – Modus (z. B. 1d3-5) darlegt und das Verständnis von Einzeldingen als Modi entwickelt resp. eine hermeneutische Folie für die folgenden Bücher konstruiert. In den ersten beiden Büchern werden weiterhin eine Theorie des Geistes, eine Physik, ein neues Erklärungsmodell für den problematischen Substanzdualismus von Körper und Geist (und zwar das Substanzmonismus', der sich in verschiedenen Attributen zeigt), eine Identitätstheorie, eine Beseeltheitsgraduierung qua Komplexitätsdifferenzierung und eine Theorie der Erkenntnismöglichkeit nach geometrische Methode deduziert. Bis hierhin wird ein Mensch resp. Einzelding als Affektion (Zuständlichkeit) der Substanz oder als endlicher Modus in den Attributen Denken und Ausdehnung verstanden. Spinozas komplexes Projekt eines umfassenden Systems nach Prinzipien und Gesetzmäßigkeiten benötigt nach dem 2. Buch De Mente nun eine Gesetzmäßigkeit, die den Ursprung der menschlichen Affekte mit dem bis dahin Dargelegten auf geometrische Methode verknüpft, um dann zur menschlichen Freiheit überzugehen.
1. Vorbemerkung: Erläuterung der verwendeten Zitierweisen, Übersetzungen und orthographischen Standards in der Arbeit.
2. Einleitung: Zusammenfassung der Forschungsfrage zur Funktion des Conatusbegriffs als Bindeglied zwischen Ontologie und menschlicher Affektenlehre.
3. Allgemeine Bedeutung des conatus in der Ethica – Stellenwert, Funktion in der Programmatik: Darstellung des Conatus als fundamentales Prinzip innerhalb von Spinozas System zur Ermöglichung menschlicher Freiheit.
4. Die Extension des Conatusbegriffs: Untersuchung der Reichweite des Conatusbegriffs und der ontologischen Kategorien res und individuum.
5. Vorbemerkungen zum Hauptteil: Kritische Reflexion der bisherigen Sekundärliteratur und methodologische Vorüberlegungen zur Interpretation des Conatus.
6. Das Conatusprinzip in 3p6-8: Argumentation, Folgerungszusammenhänge und Implikationen: Detaillierte Analyse der zentralen Sätze 3p6-8 sowie die Abgrenzung von potentia und potestas.
7. Deduktionsprobleme des conatus: Untersuchung der logischen Stringenz der Beweisführung und der Problematisierung von Suizid oder Zerstörung von Dingen.
8. Zusammenfassung: Resümee der Ergebnisse bezüglich der zentralen Rolle des Conatus für Spinozas Ethik.
Spinoza, Ethica, Conatus, Ontologie, Affektenlehre, potentia, potestas, Substanz, Modus, Individuum, res singularis, Erkenntnistheorie, Freiheit, Kausalität, menschliche Natur
Die Arbeit untersucht den Conatusbegriff als zentrales metaphysisches Bindeglied in Spinozas „Ethik“, welches die ontologische Grundlage für das menschliche Handeln und die Affektenlehre bildet.
Die zentralen Themen umfassen die metaphysische Herleitung des Strebens (Conatus), die Unterscheidung zwischen Seinsmacht (potentia) und Wirkungskraft (potestas) sowie die Rekonstruktion von Spinozas Argumentation zur menschlichen Freiheit.
Das primäre Ziel ist es zu zeigen, wie das Conatusprinzip die Brücke zwischen der Ontologie (Gott/Substanz) und der tatsächlichen Lebenswelt des Menschen schlägt und welche methodischen Voraussetzungen dafür in den ersten Teilen der „Ethik“ geschaffen werden.
Der Autor führt eine tiefgehende Textanalyse von Spinozas „Ethik“ durch, wobei er insbesondere die geometrische Beweismethode kritisch rekonstruiert und durch den Vergleich mit einschlägiger Sekundärliteratur validiert.
Im Hauptteil liegt der Schwerpunkt auf der Argumentation der Conatuspassagen 3p6-8, der Differenzierung der Begriffe im physikalischen und ontologischen Kontext sowie der kritischen Deduktion möglicher Probleme innerhalb des Systems.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Conatus, potentia, potestas, Ontologie, Affekte und die Struktur isomorpher Attribute zwischen Denken und Ausdehnung charakterisiert.
Der Autor unterscheidet potentia als grundlegende Seinsmacht oder innere positive Bestimmung des Wesens, während potestas das Wirken und Durchsetzen dieses Strebens in der Auseinandersetzung mit anderen endlichen Einzeldingen beschreibt.
Der Begriff des Individuums ist entscheidend für das Verständnis der Komplexität eines Einzeldinges; der Autor analysiert, wie die physische Konstitution eines Individuums dessen spezifische Ausprägung des Strebens determiniert.
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