Bachelorarbeit, 2011
54 Seiten, Note: 1,3
1.Einleitung
2.Die Suche nach der Identität
2.1 Enterbung Gahmurets durch das Recht der Primogenitur
2.2 unwizzende Kindheit
2.3 Eintritt in die Welt: Übernommene Identität
2.3.1 Gahmurets art: strît und ritterliche werdekeit
2.3.2 Gahmurets art: minne
2.4 Identitätskrise
2.4.1 Verzögerung des Heils: Parzivals unterlassene Frage
2.4.2 Parzivals Sturz und die Verfluchung
2.5 Name und Sippe
2.6 Zwîfel und Erkenntnis
3. Die Zwei-Körper-Lehre
3.1 Anfortas und Parzival
3.2 Parzivals Wandel
3.3 Der Heilige Gral
3.3.1 Gral und Zwei-Körper-Lehre
3.3.2 Die Suche nach dem Gral
4.Das Heil
4.1 Die Berufung zum Gral
4.2 Anfortas' Heil
4.3 Parzival und Feirefiz
5.Wolframs Schluss
5.1 Priester Johannes
5.2 Priester Johannes als Gralskönig
6.Schlussbemerkungen
7.Literaturangaben
Diese Arbeit untersucht den Entwicklungs- und Identitätswerdegang von Parzival in Wolfram von Eschenbachs gleichnamigem Werk, wobei sie insbesondere die Frage nach dem Versäumnis der Mitleidsfrage sowie die symbolische Bedeutung der "Zwei-Körper-Lehre" nach Ernst H. Kantorowicz analysiert.
2. Die Suche nach der Identität
Parzival gelangt im V. Buch auf der Suche nach âventiure zu einem See. Dort trifft er auf einen Fischer und fragt nach dem Weg zu einer Herberge (V. 225,13 ff). Dieser schickt ihn zu der einzigen Burg, die es in Umkreis von dreißig Meilen gibt (V.225,21) und welche ihm gehört. Bevor Parzival aufbricht, rät ihm der Fischer sich so benehmen, wie man ihn behandelt: sô danket als man iwer pflege. (V.226,5), denn er weiß, dass eines Tages ein Ritter kommt, der ihn von seinem Leid erlösen wird. Niemand anderem wäre es gelungen, so weit in die Gralswelt vorzudringen.
Parzival wird besonders erwartungsvoll in Munsalvaesche empfangen, wo sich sein weiteres Schicksal entscheiden wird; denn die Gesellschaft wartete sehnsüchtig auf ihre Erlösung. Seine strahlende Schönheit strahlt wie ein neuer Tag und gibt der Gralsgesellschaft die Hoffnung, dass ihr Leid bald ein Ende hat.
alt und junge wânden
daz von im ander tag erschine.
sus saz der minneclîche wine. (V.228,4ff)
Deshalb wird dem schönen Jüngling zur Begrüßung und als Zeichen der Dankbarkeit der Mantel der Herrscherin Repanse de Schoye geschenkt. Daraufhin setzt Parzival sich zum Gralherrscher, und sieht plötzlich Parzival etwas Merkwürdiges:
ein knappe spranc zer tür dar în.
der truoc ein glævin
(der site was ze trüren guot) :
an der snîden huop sich pluot
und lief den schaft unz ûf die hant,
deiz in dem ermel wider want.
dâ wart geweinet unt geschrît
ûf dem palas wit (V.231,17ff)
Beim Anblick der blutenden Lanze beginnt der ganze Palast zu weinen und zu klagen. Nachdem sie herausgetragen wurde, hört die Klage und der Jammer auf. Darauf folgend bietet Wolfram dem Leser und Parzival ein großes zeremonielles Ereignis: Junge Damen tragen in einer Prozession durch die Halle der Burg des Fischerkönigs Kerzenleuchter, Kerzen und kostbare Steinplatten, die vor den Gralsherr gesetzt werden. Des weiteren erscheint die Gralshüterin mit dem dinc, daz hiez der Grâl (V.235,23) auf einem grünem Seidentuch.
1.Einleitung: Die Einleitung formuliert die Forschungsfrage nach den Ursachen für Parzivals Scheitern bei der Mitleidsfrage und stellt das methodische Vorgehen vor.
2.Die Suche nach der Identität: Dieses Kapitel analysiert die Kindheit und Jugend des Helden, seine familiäre Prägung durch Gahmuret und Herzeloyde sowie seinen Eintritt in die ritterliche Welt.
3. Die Zwei-Körper-Lehre: Hier wird Kantorowicz' Theorie auf die Figuren Anfortas und Parzival angewandt, um die Trennung von öffentlicher Funktion und privater Person im mittelalterlichen Kontext zu verdeutlichen.
4.Das Heil: Der Abschnitt fokussiert auf Parzivals endgültige Berufung zum Gral und seine Transformation vom fehlbaren Menschen zum vollkommenen Herrscher.
5.Wolframs Schluss: Die Analyse von Loherangrins Geschichte und der Rolle des Priesters Johannes dient als Abschlussbetrachtung zur utopischen Gesellschaftsordnung.
6.Schlussbemerkungen: Zusammenfassendes Fazit über die komplexe Verflechtung von höfischem Glanz und religiöser Erfüllung bei Wolfram von Eschenbach.
Parzival, Wolfram von Eschenbach, Mitleidsfrage, Gralskönig, Identitätsfindung, Zwei-Körper-Lehre, Anfortas, Rittertum, Treue, Gral, Feirefiz, Heilsgeschichte, Mittelalter, Munsalvaesche, höfische Literatur.
Die Arbeit untersucht den gesamten Identitätswerdegang von Parzival und analysiert, warum der Held zu Beginn an der Mitleidsfrage scheitert und wie er letztlich zum Gral findet.
Die zentralen Themen sind die ritterliche Erziehung, die familiäre Herkunft, das Verhältnis von menschlichem Leid und göttlicher Gnade sowie die politische Theologie des Mittelalters.
Die Arbeit fragt nach den Gründen für Parzivals Versäumnis bei der Mitleidsfrage und ob dieses Versäumnis primär auf mangelndes Mitleid oder auf die fehlende ritterliche Reife und Erziehung zurückzuführen ist.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die primär die "Zwei-Körper-Lehre" von Ernst H. Kantorowicz nutzt, um die Gralsgesellschaft und das Königtum zu deuten.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Parzivals Herkunft, seinen ritterlichen Lernprozess, die theoretische Unterfütterung durch das Modell der zwei Körper des Königs und seine endgültige Heilwerdung.
Zu den prägenden Begriffen zählen Parzival, Mitleidsfrage, Gral, Identität, Zwei-Körper-Lehre, ritterliches Ethos und höfische Tugend.
Gahmuret repräsentiert das ritterliche Streben nach âventiure und minne, was Parzival in seinem Wesen geerbt hat, aber zunächst ohne die notwendige christlich-ritterliche Erziehung falsch interpretiert.
Priester Johannes wird als utopisches Gegenmodell bzw. Zielpunkt gedeutet, in dem weltliche Macht und geistliche Autorität in einer idealen christlichen Herrschaft verschmelzen.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

