Diplomarbeit, 2003
69 Seiten, Note: 2,0
1 Einleitung
2 Borderline-Persönlichkeitsstörung
2.1 Definitorische Grundlagen
2.2 Symptomatik
2.2.1 Angst
2.2.2 Polyphobien
2.2.3 Zwangssymptome
2.2.4 Konversionssymptome
2.2.5 Dissoziative Reaktionen
2.2.6 Depression
2.2.7 Sexualität
2.2.8 Impulskontrollverlust
2.2.9 Mini-Psychose
2.3 Abwehrmechanismen
2.3.1 Spaltung
2.3.2 Primitive Idealisierung
2.3.3 Projektion und projektive Identifizierung
2.3.4 Verleugnung
2.3.5 Omnipotenzgefühle und Abwertung der Objekte
2.4 Genese
2.5 Objektbeziehungsgestaltung
2.6 Gegenübertragung
3 Gruppen
3.1 Definitionsmerkmale
3.2 Gruppenmodelle
3.3 Meinungsbildung
3.3.1 Konformität
3.3.2 Konfrontation
3.3.3 Konflikte
3.4 Entwicklungsphasen
3.5 Gruppendynamik
3.6 Rollen, Positionen, Normen
4 Chancen und Grenzen des Umgangs mit Borderline-Persönlichkeiten in der Gruppenarbeit
4.1 Impuls-Kontrolle und Struktur
4.2 Gegenübertragung und Belastbarkeit
4.3 Spaltung und Gruppengefühl
4.4 Antisoziale im Sozialen
4.5 Die psychoanalytisch-interaktionelle Methode
5 Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen der Borderline-Persönlichkeitsstörung auf das Individuum und die Interdependenz innerhalb von Gruppen, um fundierte Orientierungshilfen für die pädagogische und therapeutische Arbeit zu erarbeiten. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie eine gelingende Integration von Borderline-Patienten in Gruppen möglich ist, ohne dabei den schützenden Rahmen der Einrichtung oder das psychische Wohl der Betroffenen zu gefährden.
2.3.1 Spaltung
Abwehr ist die Grundlage und der Motor der Borderline-Struktur. Die Abwehrstrategien der frühen Entwicklungsstufe (siehe Kapitel 2.4) haben in der Borderline-Persönlichkeit eine vitale Schutzfunktion, deren Erschütterung eine existentielle Bedrohung darstellt. Die Borderline-Persönlichkeit entwickelt sich aufgrund traumatischer Erfahrungen nicht über die paranoid-schizoide Position [nach Melanie Klein], die eine Spaltung von Objekten in `gute` und `böse` Repräsentanzen beinhaltet und einen normalen Abwehrvorgang der ersten Entwicklungsstufen darstellt, hinaus zur depressiven Position, in der dann ein Objekt `gute` und `böse` Eigenschaften repräsentiert (vgl. Rohde-Dachser 1989, S.93). Die Erfahrungen der depressiven Position werden als so schmerzhaft oder bedrohlich erlebt, dass die Spaltung der paranoid-schizoiden Position aufrecht erhalten und dann aktiv zur Vermeidung von Ambivalenzen eingesetzt wird.
Die unter dem Einfluss libidinöser Triebabkömmlinge errichtete und aufgrund einer Integrationsschwäche des frühkindlichen Ich erhaltene Aufteilung verinnerlichter Objektbeziehungen in positive und negative Introjektionen wird vom stärker gewordenen Ich als Schutz vor Konflikten eingesetzt. Es kommt zu einer Abwehr durch Teilung des Ichs, zu einem aktiven Auseinanderhalten konträrer Introjektionen und Identifizierungen. Im Falle einer Spaltung fällt die durch Synthese bzw. Integration konträrer Anteile erreichte Neutralisierung von Aggressionen als wichtige Energiequelle zur Ich-Entwicklung weg. Diese aktive Spaltung ist als zentraler Abwehrmechanismus der Borderline-Persönlichkeitsstörung zu betrachten, der allen anderen Mechanismen zugrunde liegt (vgl. Kernberg 1990, S.49). Um die Spaltung aufrecht zu erhalten, bedarf es einiger anderer Abwehrmechanismen, die ich im folgenden kurz umreißen werde.
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Prävalenz von Menschen mit Borderline-Störung in verschiedenen psychosozialen Arbeitsfeldern und definiert das Ziel, theoretische Spezifika mit praktischen Problemen in Gruppen abzugleichen.
2 Borderline-Persönlichkeitsstörung: Dieses Kapitel erläutert die schwierige Definition des Störungsbildes, seine Symptomatik – wie Angst, Dissoziation und Impulskontrollverlust – sowie die zugrundeliegenden Abwehrmechanismen und Ursachen.
3 Gruppen: Es werden soziologische und psychologische Definitionen von Gruppen sowie theoretische Modelle, Dynamiken, Konformität und Konfliktpotenziale im Gruppenkontext dargestellt.
4 Chancen und Grenzen des Umgangs mit Borderline-Persönlichkeiten in der Gruppenarbeit: Das Hauptkapitel analysiert die Herausforderungen der Strukturgebung, Gegenübertragung und der "antisozialen" Verhaltensweisen in Gruppen und stellt die psychoanalytisch-interaktionelle Methode als Lösungsansatz vor.
5 Resümee: Das Resümee fasst zusammen, dass die soziale Integration von Borderline-Patienten trotz der komplexen Problematiken bedeutsam ist und durch interdisziplinäre Kooperation und eine systemische Sichtweise gefördert werden kann.
Borderline-Persönlichkeitsstörung, Gruppenarbeit, Gruppendynamik, Spaltung, Gegenübertragung, Abwehrmechanismen, Psychoanalytisch-interaktionelle Methode, soziale Integration, Impulskontrolle, Objektbeziehung, Identitätsdiffusion, Supervision, interdisziplinäre Kooperation, Persönlichkeitsstruktur, Sozialpädagogik.
Die Arbeit befasst sich mit der Herausforderung, Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung in Gruppenkontexten professionell zu betreuen und zu integrieren.
Zu den Kernbereichen zählen die psychodynamischen Grundlagen der Störung, die Dynamik von Gruppenprozessen sowie die Chancen und Risiken bei deren Zusammentreffen im pädagogischen oder therapeutischen Setting.
Das Ziel ist es, Orientierungshilfen für Fachkräfte zu bieten, wie sie mit den komplexen Übertragungsphänomenen und der "Spaltung" durch Borderline-Patienten umgehen können, ohne dabei die Gruppenstruktur zu gefährden.
Die Autorin stützt sich auf eine tiefenpsychologische und psychoanalytisch orientierte Perspektive, insbesondere die psychoanalytisch-interaktionelle Methode, um Interaktionsmuster zu analysieren.
Der Hauptteil widmet sich der Frage, wie Grenzsetzungen, der Umgang mit Impulsdurchbrüchen und die Reflexion von Gegenübertragungsgefühlen durch das Fachpersonal professionell gestaltet werden können.
Wichtige Begriffe sind Borderline-Persönlichkeitsstörung, Gruppendynamik, Spaltung, Gegenübertragung, soziale Integration und psychoanalytisch-interaktionelle Methode.
Die Spaltung führt dazu, dass Borderline-Patienten ihr Umfeld in "gut" und "böse" unterteilen, was häufig zu Spannungen oder Konflikten innerhalb eines Behandlungsteams oder der gesamten Gruppe führt.
Supervision ist essenziell, da die Arbeit mit diesen Patienten oft extreme Gefühle der Überforderung, Hilflosigkeit oder Wut beim Personal auslöst, die ohne Reflexion zu Fehlentscheidungen oder Abbruch der Betreuung führen können.
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