Magisterarbeit, 2006
95 Seiten, Note: 1,5
1. Eine „kopernikanische Gegenrevolution“
1.1. Kant und seine kopernikanische Wende
1.2. Peirce und seine pragmatische Wende
2. Karin Knorr Cetina und die „Sozialität mit Objekten“
2.1. Die Bedeutung der Laborwissenschaften
2.1.1. Drei unterschiedliche Labortypen
2.1.2. Das CERN
2.1.3. Von den epistemischen Kulturen zum epistemischen Objekt
2.2. Die Objekte in den Laboratorien
2.3. Die Bedeutung der Struktur des Wünschens und Begehrens in der Wissenschaftsforschung
2.4. Die Bedeutung der Reziprozität und Solidarität für eine Objekt-orientierte Sozialität
2.5. Auseinandersetzungen mit Karin Knorr Cetina
2.6. Objekt-zentrierte Beziehungen
3. Latour und die Geschichtlichkeit der Dinge
3.1. Die Frage nach der Wirklichkeit
3.2. Ein Referenzmodell
3.3. Die Wissenschaft als Blutkreislauf
3.4. Die Herstellung von Realität
3.4.1. Die Entstehung der Substanz
3.4.2. Ereignisse
3.4.3. Ein Lösungsversuch für den Konflikt zwischen Konstruktivismus und Realismus
3.4.4. Der Versuch einer Neuverteilung der Sprachfähigkeit zwischen Menschen und nichtmenschlichen Wesen
3.4.5. Die Dinge und ihre Geschichtlichkeit
3.4.5.1. Eine raum-zeitliche Hülle für Propositionen
3.4.5.2. Die Substanz als Institution
3.4.5.3. Eine rückwärtsgerichtete Verursachung
3.5. Latours Handlungsprogramm oder die Aktor-Netzwerk-Theorie (ANT)
3.6. Auseinandersetzungen mit Bruno Latour
3.6.1. Eine Objekt-orientierte Handlungstheorie
4. Eine Vergesellschaftung von Objekten
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle von Objekten im wissenschaftlichen Erkenntnisprozess, indem sie die theoretischen Ansätze von Karin Knorr Cetina und Bruno Latour vergleicht. Ziel ist es, die klassische Subjekt-Objekt-Dichotomie zu hinterfragen und zu zeigen, dass Objekte als aktive Mitgestalter menschlicher Erkenntnis und Sozialität fungieren.
3.4.1. Die Entstehung der Substanz
Aus Pasteurs Aufzeichnungen geht hervor, dass zu Beginn seiner Arbeiten nicht wirklich etwas unter dem Mikroskop zu erkennen war, dass damit anfangs sogar die Existenz einer neuen Substanz nicht unbedingt vorausgesetzt werden konnte (143). Nur „mit einer Wolke flüchtiger Wahrnehmungen, die noch keine Prädikate einer zusammenhängenden Substanz darstellen,“ (ebd.) hatte Pasteur es zu tun. Obwohl noch keine bestimmte Substanz festzustellen war, konnte Pasteur über eine Reihe von Laborversuchen bestimmte Eigenschaften ermitteln, die dieser Substanz zugeschrieben werden konnten: „Noch wissen wir nicht, was es ist, doch wir wissen aus den durchgeführten Laborversuchen, was es tut. Eine Reihe von Performanzen geht der Definition der Kompetenz voraus, die später zur Ursache ebendieser Performanzen werden wird.“ (144)
Diese Eigenschaften sind „auf der Suche nach der Substanz, deren Eigenschaften sie sind.“ (ebd.) Doch weitere Versuche waren erforderlich, um dieser Substanz zu einem ontologischen Status zu verhelfen, um von einem „Aktionsnamen“ zu einem „Dingnamen“ zu gelangen. Gerade weil Pasteur eine Vermutung hatte, die sich gegen die Chemie Liebigs absetzte, musste er weitere Beobachtungen anstellen und weitere Experimente durchführen, um zu einer neuen Substanz zu gelangen. Neue Fragen mussten an sie gestellt werden. Wie agiert sie? Über welche Kompetenzen verfügt sie? Wie kann man diese Kompetenzen so in Laborversuche übersetzen, dass sie sich in verschiedenen Performanzen „äußern“ oder „manifestieren“ können?
1. Eine „kopernikanische Gegenrevolution“: Dieses Kapitel skizziert den historischen Übergang von einer subjektorientierten Erkenntnistheorie bei Kant hin zu einer pragmatischen, objektorientierten Perspektive bei Peirce.
2. Karin Knorr Cetina und die „Sozialität mit Objekten“: Hier werden die Laborwissenschaften untersucht, wobei Knorr Cetinas Konzept der epistemischen Kulturen und die Einbettung des Experten in eine durch Objekte strukturierte Welt im Zentrum stehen.
3. Latour und die Geschichtlichkeit der Dinge: Dieses Kapitel expliziert Bruno Latours Aktor-Netzwerk-Theorie und sein Konzept der symmetrischen Anthropologie, die menschliche und nicht-menschliche Akteure gleichsetzt.
4. Eine Vergesellschaftung von Objekten: Das Abschlusskapitel überträgt die gewonnenen Erkenntnisse auf gesellschaftliche Zukunftsgestaltungen und die Problematik von Realexperimenten in der Wissensgesellschaft.
Wissenschaftsforschung, Laborstudien, Epistemische Kulturen, Aktor-Netzwerk-Theorie, Symmetrische Anthropologie, Erkenntnistheorie, Bruno Latour, Karin Knorr Cetina, Objektmangel, Sozialität, Subjekt-Objekt-Dichotomie, Handlungsfähigkeit, Propositionen, Konstruktivismus, Wissenschaftliche Tatsache.
Die Arbeit untersucht, wie moderne Ansätze der Wissenschaftsforschung (insbesondere von Karin Knorr Cetina und Bruno Latour) das Verhältnis zwischen Menschen und Objekten neu bewerten und die traditionelle Trennung von Subjekt und Objekt aufheben.
Zu den zentralen Themen gehören die Laborpraxis, die Rolle von Instrumenten und Objekten bei der Wissensproduktion, die Bedeutung der „Sozialität mit Objekten“ sowie die Analyse von Entscheidungsprozessen in der Wissensgesellschaft.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass wissenschaftliche Objekte nicht nur als passive Produkte menschlicher Forschung gelten, sondern als aktive „Aktanten“ die soziale und kognitive Welt der Experten maßgeblich mitgestalten.
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden theoretischen Analyse soziologischer und wissenschaftsphilosophischer Literatur, ergänzt durch die Rekonstruktion empirischer Fallbeispiele (wie etwa die Arbeit von Louis Pasteur).
Im Hauptteil werden detailliert die Konzepte von Knorr Cetina (epistemische Kulturen, Sorge um sich) und Latour (zirkulierende Referenz, Symmetrische Anthropologie, Propositionen) diskutiert und auf ihre Relevanz für die moderne Sozialtheorie geprüft.
Schlüsselbegriffe sind vor allem „Epistemische Kulturen“, „Objektmangel“, „Aktor-Netzwerk-Theorie“, „Symmetrische Anthropologie“ und „Realexperimente“.
Während Knorr Cetina vor allem die „Sozialität mit Objekten“ innerhalb von Expertengemeinschaften und das Experten-Selbst betont, fordert Latour eine radikalere Symmetrie, bei der die Unterscheidung zwischen Natur und Kultur vollständig aufgegeben wird.
Dieser Begriff beschreibt, dass ein wissenschaftliches Ereignis (z.B. eine Entdeckung) im Nachhinein die Geschichte so umdeutet, dass die neuen Tatsachen erscheinen, als wären sie schon immer Teil der Realität gewesen.
Das Labor dient als „gesteigerte Umwelt“, in der nicht-menschliche Wesen unter kontrollierten Bedingungen zu Akteuren werden, was es ermöglicht, die Konstruktion von Wissen und Wirklichkeit transparent zu machen.
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