Examensarbeit, 2013
61 Seiten, Note: 15
A. Einleitung
B. Allgemeines zur EEX
I. Entstehung der Energiebörse
II. Organisatorischer Aufbau der EEX
III. Systematische Missbrauchsgefahren an der EEX
1. Marktmacht
2. Anbieter als Erwerber
3. Anonymität auf Erwerberseite
4. Manipulationsstrategien
a) Beeinflussung des Börsenpreises durch Kapazitätszurückhaltung
b) Überhöhte Vorhaltung von Reserveleistung (Regelenergie)
5. Zwischenergebnis
C. Marktmissbrauchsverbote an der EEX durch den bisherigen gesetzlichen Rahmen
I. Gesetzliche Verbote
1. Anwendbarkeit des BörsG und des WpHG auf den Handel der EEX
a) Börsengesetz
b) WpHG
aa) Terminbörse
bb) Spotbörse
cc) OTC
2. Probleme bei der Umsetzung aktueller Regularien
3. Zwischenergebnis
II. Regelung durch Code of Conduct
III. Ergebnis
D. Rechtslage durch das Markttransparenzstellengesetz
I. Entwicklung des Markttransparenzstellengesetzes
II. Insiderhandelsverbote
1. Geschütztes Rechtsgut
2. Tatobjekt: Insiderinformation
3. Tatsubjekt: Insider
4. Tathandlung
a) Erwerb oder Veräußerung
aa) Objektiver Tatbestand
bb) Subjektiver Tatbestand
b) Weitergabe
aa) Objektiver Tatbestand
(1) bewusste Weitergabe
(2) mangelnde Befugnis zur Weitergabe
(a) Definition - unbefugt
(b) Fallgruppen
bb) Subjektiver Tatbestand
c) Empfehlung oder Verleitung zur Nutzung
aa) Objektiver Tatbestand
(1) Empfehlung
(2) Verleitung
bb) Subjektiver Tatbestand
5. Versuch
III. Kritik - Verfassungswidrigkeit
1. Legitimer Zweck
a) Schädigung des Anlegers
b) Informationsfluss an den Kapitalmärkten
c) Insidergeschäfte als Entlohnungssystem
d) Zwischenergebnis
2. Geeignetheit
3. Erforderlichkeit
4. Angemessenheit
5. Bestimmtheitsgrundsatz
a) Insiderstrafrecht allgemein
b) Weitergabeverbot
6. Ergebnis
IV. Maßnahmen und Instrumente zur Umsetzung der Kontrolle
1. Einrichtungen
2. Meldepflichten
V. Alternative Sanktionen
1. Zivilrechtlich
2. Öffentlich-Rechtlich
E. Fazit
Die Arbeit untersucht die Strafbarkeit des Insiderhandels im Energiewirtschaftsgesetz (EnWG), wobei der Fokus insbesondere auf dem Straftatbestand der reinen Weitergabe einer Insiderinformation liegt. Das Ziel ist es zu klären, ob die durch das Markttransparenzstellengesetz zur Umsetzung von REMIT eingeführten Regelungen eine angemessene und verfassungskonforme Verhinderung von Marktmissbrauch ermöglichen.
a) Beeinflussung des Börsenpreises durch Kapazitätszurückhaltung
Zunächst ist als konkrete Manipulationsstrategie die Vorenthaltung von Energie denkbar. Die Preisbildung an der Strombörse erfolgt anhand der Merit Order. Grundlage ist hierbei, dass sich die Stromerzeugung aufgrund der Nichtspeicherbarkeit von Strom, immer am aktuellen Stromverbrauch orientieren muss. Um einen durch zu hohen Verbrauch verursachten Netzzusammenbruch zu verhindern, ist deshalb ein individueller Einsatz der Produktionsstätten durch Zu- oder Abschalten von Kraftwerken erforderlich. Hieraus hat sich eine Unterscheidung dreier Kraftwerkstypen ergeben: Grundlast-, Mittellast- und Spitzenlastkraftwerke. Für die Grundlastkraftwerke ist es erforderlich, dass sie – abgesehen von Zeiten der Reparatur oder Revision – ständig in Betrieb sein können und hierbei niedrige variable Kosten verursachen. Es kann deshalb auch eine längere Anlaufzeit geduldet werden. Die Grundlast ist das Minimum an benötigter Energie, welche meist erst in den Nachtstunden erreicht wird. Mittellastkraftwerke benötigen eine kürzere Anlaufzeit, um mit ihnen die periodischen Bedarfsschwankungen zu decken. Zur Deckung eines kurzfristig über die Grund- und Mittellast hinausgehenden Bedarfs ist es nötig Spitzenlastkraftwerke hinzuzuschalten. Dies kann auch dann erforderlich werden, wenn es bei anderen Kraftwerken zu einem Ausfall gekommen ist. Diese Kraftwerke sind innerhalb kurzer Zeit in der Lage die volle Leistung zu bringen, sie haben jedoch auch deutlich höhere variable Kosten.
Nach der sogenannten grenzkostenbasierenden Strompreisfestsetzung erfolgt das Angebot an elektrischer Energie nach den Grenzkosten der Stromproduktion in den jeweiligen Kraftwerken (sog. Lambda Based Pricing). Die Kraftwerke werden ihren Grenzkosten nach je nach Bedarf zugeschaltet, so dass Kraftwerke mit den höchsten Grenzkosten zuletzt in Anspruch genommen werden. Steigt also der erzielbare Preis am Markt, so werden Kraftwerke mit höheren Grenzkosten hinzugeschaltet. Preisbestimmend ist jedoch dann immer das letzte Gebot, das noch einen Zuschlag erhält (Market Clearing Price). Der Preis für Strom wird somit durch das jeweils teuerste Kraftwerk bestimmt, das noch benötigt wird, um die Stromnachfrage zu decken, auch wenn bei einem Kraftwerkmix der Mischpreis unter diesem Preis liegt.
A. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Einführung der REMIT-Verordnung zur Bekämpfung von Marktmissbrauch im Energiesektor und führt in die Fragestellung zur Erforderlichkeit und Ausgestaltung der neuen Straftatbestände im deutschen Recht ein.
B. Allgemeines zur EEX: Dieses Kapitel beschreibt die Entstehung und den organisatorischen Aufbau der European Energy Exchange (EEX) sowie die systematischen Gefahren für Marktmissbrauch aufgrund von Marktmacht und spezifischen Handelsstrukturen.
C. Marktmissbrauchsverbote an der EEX durch den bisherigen gesetzlichen Rahmen: Die Untersuchung zeigt auf, dass der bisherige gesetzliche Rahmen (BörsG, WpHG) an der EEX nur lückenhaft greift und keine hinreichende Aufsicht zur Verhinderung von Marktmissbrauch bot.
D. Rechtslage durch das Markttransparenzstellengesetz: Dieses Hauptkapitel analysiert detailliert die neuen Insiderhandelsverbote im EnWG, prüft die Tatbestandsmerkmale, die Rechtsgutbeeinträchtigung und setzt sich kritisch mit der Verfassungsmäßigkeit, insbesondere dem Bestimmtheitsgrundsatz und der Verhältnismäßigkeit des Weitergabeverbots, auseinander.
E. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass das Weitergabeverbot in seiner aktuellen Form verfassungswidrig ist und schlägt eine Neufassung oder teleologische Reduktion vor, um die Strafbarkeit an eine tatsächliche Verwertung der Information zu knüpfen.
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Die Arbeit analysiert die strafrechtliche Relevanz und Ausgestaltung von Insiderhandelsverboten im deutschen Energiewirtschaftsgesetz, insbesondere nach der Einführung neuer Vorschriften durch das Markttransparenzstellengesetz.
Die zentralen Themen umfassen die regulatorische Kontrolle an der Energiebörse EEX, die Analyse der Straftatbestände bei Insiderhandel und Marktmanipulation sowie eine verfassungsrechtliche Bewertung dieser Strafnormen.
Die Arbeit untersucht, ob die durch das Markttransparenzstellengesetz geschaffenen Regelungen eine hinreichende, angemessene und verfassungskonforme Verhinderung von Marktmissbrauch an Energiebörsen gewährleisten.
Es handelt sich um ein juristisches Gutachten, das eine dogmatische Analyse der gesetzlichen Tatbestände mit einer verfassungsrechtlichen Prüfung (Verhältnismäßigkeit, Bestimmtheitsgrundsatz) verbindet.
Der Hauptteil befasst sich mit den Voraussetzungen der Insiderinformation, den verschiedenen Handlungsalternativen des Insiderhandels (Nutzung, Weitergabe, Empfehlung) und der kritischen verfassungsrechtlichen Prüfung des Weitergabeverbots.
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Die Autorin argumentiert, dass das Weitergabeverbot aufgrund unbestimmter Begriffe wie "unbefugt" und der Unangemessenheit der Grundrechtseingriffe in der aktuellen Form verfassungswidrig sein könnte.
Die Arbeit prüft unter Berücksichtigung des "ultima-ratio"-Prinzips, ob zivilrechtliche oder öffentlich-rechtliche Sanktionen gegenüber der strafrechtlichen Verfolgung bei bestimmten Handlungsalternativen angemessener wären.
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