Fachbuch, 2013
84 Seiten
1 „Wahre Landschaft“ und „Ware Landschaft“ – Der Landschaftsbegriff zwischen Wissenschaft, Kunst und Politik
2 Von der Urlandschaft über die Natur- und Kulturlandschaft zurück zur Landschaft
2.1 Urlandschaft, Naturlandschaft, Kulturlandschaft
2.2 Versuche einer Definition der Begriffe Natur- und Kulturlandschaft
2.3 Landschaft – geprägt von Natur, Kultur, Ideen und Metaphern
3 Der Landschaftsbegriff in Umgangssprache, Kunst und Wissenschaft
3.1 Landschaft – ein mehrdeutiger Begriff
3.2 Der Beginn der Wahrnehmung von Landschaft
3.3 Die Fragmentierung der Landschaft in der Postmoderne
3.4 Das Ende der Wahrnehmung von Landschaft
3.5 Missbrauch von harmonischen Landschaftsbildern
4 Das harmonische Landschaftsbild – ein emotionales Schutzgut?
5 Kulturlandschaft und Kulturlandschaftsforschung
5.1 Stigmatisierung des Landschaftsbegriffs
5.2 Kulturlandschaft und historische Kulturlandschaft
6 Der Kulturlandschaftsbegriff in Rechtsnormen
7 Anwendungsbeispiel Multifunktionslandschaft Mitterpinzgau
8 Fazit: Schutz eines konservativen Weltbildes?
Die Arbeit untersucht kritisch den vielschichtigen Landschaftsbegriff an der Schnittstelle von Wissenschaft, Kunst und Politik. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Landschaft als Konstrukt für gesellschaftliche Schutzinteressen instrumentalisiert wird und wie sich das Verständnis von Landschaft in einer fragmentierten, postmodernen Gesellschaft gewandelt hat.
3.1 Landschaft – ein mehrdeutiger Begriff
Über die Entstehung des Landschaftsbegriffs wurden in den letzten Jahren und Jahrzehnten zahlreiche Beiträge verfasst. Wir können feststellen, dass der Landschaftsbegriff insbesondere in der deutschen Sprache Bedeutungsschiebungen erfahren hat und auf der einen Seite zwar seine Verwendung als wissenschaftlicher Begriff in Frage gestellt wird, auf der anderen Seite jedoch insbesondere über die internationale Landschaftsökologie die Landschaft als zentrales Forschungsobjekt wiederkehrt.
Die verschiedenen lexikalischen Bedeutungen von Landschaft wurden von Gerhard HARD (1970a, S. 28-32) zu folgenden drei Haupttypen zusammengefasst: 1Landschaft entspricht dem französischen „paysage“ und bedeutet so viel wie „Gegend, Ansicht, Panorama“, 2Landschaft entspricht dem französischen „région“ und ist gleichbedeutend mit „Areal“, „Bezirk, „Gebiet“, während 3Landschaft als das künstlerische Abbild einer Landschaft verstanden wird (1970a, S. 28).
Josef SCHMITHÜSEN (1976, S. 74-76) hingegen, fasste neun verschiedene Varianten der Verwendung des Begriffs „Landschaft“ folgendermaßen zusammen: 1. Landschaft als bildliche Darstellung einer Erdgegend in der Kunst. In dieser Bedeutung ist Landschaft ein Bild, das eine Erdgegend darstellt, ein von Menschen geschaffener Gegenstand, der eine Vorstellung wiedergibt, "objektivierter Geist". 2. Landschaft als Sinneseindruck der irdischen Umwelt, den ein erlebter Teil der irdischen Umwelt in uns hervorbringt. 3. Landschaft als äußeres Erscheinungsbild einer Erdgegend im Sinne von Physiognomie einer Erdgegend. 4. Landschaft als natürliche Beschaffenheit einer Gegend unter Ausschluss des Menschen. 5. Landschaft als kulturelle Prägung einer Gegend, Landschaft als etwas durch den Menschen Gestaltetes. 6. Landschaft als allgemeiner Charakter einer Erdgegend, für SCHMITHÜSEN ist dies der wissenschaftliche Landschaftsbegriff, der ungefähr das meint, was HUMBOLDT den „Totaleindruck einer Gegend“ bzw. "Charakter einer Erdgegend" genannt hatte. 7. Landschaft als begrenzter Erdraum, in der Bedeutung begrenzter Erdraum für einen bestimmten räumlichen Ausschnitt aus der Geosphäre, im Sinn von Region, Gebiet, Gegend. 8. Landschaft als politisch-rechtliche Körperschaft bzw. Territorium. 9. Landschaft als Areal- oder Verbreitungsgebiet einer bestimmten Art von Gegenständen, wie z.B. Hausformenlandschaften oder Dachlandschaften.
1 „Wahre Landschaft“ und „Ware Landschaft“ – Der Landschaftsbegriff zwischen Wissenschaft, Kunst und Politik: Das Kapitel führt in die Problematik ein, dass Landschaft heute oft zur austauschbaren Kulisse verkommt, während sie gleichzeitig ein emotional besetzter Begriff bleibt.
2 Von der Urlandschaft über die Natur- und Kulturlandschaft zurück zur Landschaft: Hier werden die klassischen Abgrenzungen zwischen Ur-, Natur- und Kulturlandschaft sowie deren wissenschaftliche Schwierigkeiten diskutiert und durch modernere Ansätze ergänzt.
3 Der Landschaftsbegriff in Umgangssprache, Kunst und Wissenschaft: Die Vielfalt der Begriffsdefinitionen wird beleuchtet und die historische Entwicklung der Landschaftswahrnehmung, etwa durch Petrarca, nachgezeichnet.
4 Das harmonische Landschaftsbild – ein emotionales Schutzgut?: Dieses Kapitel untersucht, warum bestimmte Landschaftsformen als „harmonisch“ und damit schützenswert gelten, während andere als störend empfunden werden.
5 Kulturlandschaft und Kulturlandschaftsforschung: Es wird die Stigmatisierung und anschließende Wiederentdeckung der Kulturlandschaftsforschung nach dem Zweiten Weltkrieg aufgearbeitet.
6 Der Kulturlandschaftsbegriff in Rechtsnormen: Das Kapitel zeigt auf, wie der Begriff in nationalen und internationalen Rechtsdokumenten und Gesetzen Eingang gefunden hat.
7 Anwendungsbeispiel Multifunktionslandschaft Mitterpinzgau: Die theoretischen Erkenntnisse werden am konkreten Beispiel des Mitterpinzgaus auf ihre praktische Anwendbarkeit hin geprüft.
8 Fazit: Schutz eines konservativen Weltbildes?: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert, inwieweit der moderne Landschaftsschutz auf konservativen Vorstellungen beruht.
Landschaft, Kulturlandschaft, Naturlandschaft, Landschaftsökologie, Landschaftswahrnehmung, Landschaftsschutz, Postmoderne, Raumentwicklung, Totalcharakter, Harmonie, Regionalplanung, Alpen, Konstruktivismus, Ökologiebewegung, Geographie.
Die Arbeit analysiert kritisch den Landschaftsbegriff und zeigt auf, wie dieser zwischen naturwissenschaftlicher Definition, künstlerischer Darstellung und politischer Instrumentalisierung steht.
Die Schwerpunkte liegen auf der Historie des Landschaftsbegriffs, der Bedeutung der Landschaftswahrnehmung in der Postmoderne, der Funktionalisierung im Tourismus sowie dem Schutz von Kulturlandschaften.
Das Ziel ist es, die Entstehungsgeschichte und die heutige Bedeutung des Landschaftsbegriffs zu hinterfragen, um so Konflikte zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Akteuren und deren Landschaftsideen besser verständlich zu machen.
Der Autor stützt sich auf eine interdisziplinäre Aufarbeitung, die Erkenntnisse aus der Geographie, der Kunstgeschichte, der Philosophie und der Raumplanung integriert.
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition verschiedener Landschaftstypen, der Entwicklung der Wahrnehmung von Landschaft in der Geschichte, dem Missbrauch von Bildern in der Werbung sowie dem konkreten Anwendungsbeispiel des Mitterpinzgaus.
Wesentliche Begriffe sind unter anderem Landschaft, Kulturlandschaft, Wahrnehmung, Postmoderne, Raumplanung und der Totalcharakter einer Gegend.
Der Begriff dient als Beispiel für die Kritik an der menschlichen Zerstörung von Landschaft durch touristische oder infrastrukturelle Eingriffe, gegenüber denen die Gesellschaft trotz bekundeter Sorge oft gleichgültig bleibt.
Sie wird als emotionales und normatives Schutzgut genutzt, oft um konservative Weltbilder zu untermauern, während sie in der Werbeindustrie zur gezielten Vermarktung von Natürlichkeit eingesetzt wird.
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