Fachbuch, 2013
83 Seiten
Einleitung
1. Herkunft eines Leitbilds
1.1 Die verkehrsgerechte Stadt in der Weimarer Republik
1.2 Die verkehrsgerechte Stadt im Nationalsozialismus
1.3 Wiederaufbauplanungen während des Zweiten Weltkriegs
1.4 Diskurse in der Bundesrepublik
2. Die verkehrsgerechte Stadt in Dresden (1925 - 1945)
2.1 Zwanziger Jahre: Neue Brücken- und U-Bahn-Planungen
2.2 Dresdner Verkehrsplanung im Nationalsozialismus
2.3 Politische Repräsentation und Verkehrsoptimierung
2.4 Dresden als „Neugestaltungsstadt“
3. Zerstörung als Chance (1945 - 49)
3.1 Erste Denkschriften
3.2 Das neue Dresden
3.3 Planmäßiger Aufbau
3.4 Erste Verkehrsplanungen
3.5 Realisierung
4. Repräsentation statt Verkehr? (1950 - 56)
4.1 Situation in Dresden: Suche nach dem politischen Mittelpunkt
Exkurs: Der Blick Richtung Westen
5: Aufbruch zur verkehrsgerechten Stadt (1957 - 60)
5.1 Situation in Dresden: Auflockerung der Innenstadt
6. Ausblick
6.1 Situation in Dresden: Die sechziger Jahre
6.2 Der Generalverkehrsplan von 1967
6.3 Stilles Ende: Die siebziger Jahre
Die verkehrsgerechte Stadt in der frühen DDR – Resümee
Diese Arbeit untersucht, inwieweit das Leitbild der "verkehrsgerechten Stadt" die städtebauliche Entwicklung Dresdens zwischen 1945 und 1960 beeinflusste und wie sich dieses Modell im Spannungsfeld zwischen politischen Vorgaben, ökonomischen Zwängen und der städtebaulichen Tradition der DDR manifestierte.
1.1 Die verkehrsgerechte Stadt in der Weimarer Republik
Schon in den zwanziger Jahren zeichnete sich jenseits des Atlantiks ein Entwicklungspfad ab, in dem auch Deutschlands Städtebauer das Ideal und Ziel ihrer Planungen sahen. Im Jahr 1923 wurden in den USA 3 Millionen Autos produziert. Das dort in Ansätzen bereits verwirklichte Modell der „autogerechten Stadt“ entfaltete für die deutschen Stadtplaner Vorbildcharakter. In Deutschland bestand weitgehend Einigkeit, dass der Motorisierungsgrad in nicht ferner Zukunft auch hier auf das Niveau der USA anwachsen würde.
Dass Amerika die bedeutendste Referenz in der Motorisierungsdebatte der zwanziger Jahre darstellte, zeigen besonders die wenigen Vertreter der Moderne, die dem Siegeszug des Automobils skeptisch gegenüber standen. Auch sie bezogen sich ausdrücklich auf die USA; so zum Beispiel der Stadtplaner Ludwig Hilberseimer:
„Zu der Überbelastung der Straßen für Fußgänger kommt noch die viel tiefer eingreifende durch Kraftwagen. Die Enge der Newyorker Straßen gestattet auf dem Fahrdamm nur den Verkehr von drei Automobilen nebeneinander, wovon rechts und links eines halten kann und nur ein Wagen die Möglichkeit der unbehinderten Vorbeifahrt hat. [...] Hier rächt sich die Ignorierung eines städtebaulichen Grundgesetzes, eine Straße nicht höher zu bebauen, als sie breit ist.“
Herkunft eines Leitbilds: Untersuchung der historischen Ursprünge des Modells der verkehrsgerechten Stadt von der Weimarer Republik über den Nationalsozialismus bis hin zur Nachkriegszeit.
Die verkehrsgerechte Stadt in Dresden (1925 - 1945): Analyse der spezifischen Dresdner Verkehrsplanungen unter besonderer Berücksichtigung der NS-Ideologie und der Umgestaltungsideen des Stadtbaurats Paul Wolf.
Zerstörung als Chance (1945 - 49): Betrachtung der unmittelbaren Nachkriegszeit, in der die Zerstörungen des Luftkriegs als Gelegenheit für einen radikalen, autogerechten städtebaulichen Neuanfang begriffen wurden.
Repräsentation statt Verkehr? (1950 - 56): Darstellung der Verschiebung des Fokus hin zur repräsentativen Gestaltung sozialistischer Zentren, die den Verkehrsfluss zugunsten politischer Demonstrationsflächen unterordnete.
Aufbruch zur verkehrsgerechten Stadt (1957 - 60): Untersuchung der neuen städtebaulichen Doktrin, die eine technologische Optimierung und funktionale Trennung der Verkehrsarten in der DDR einleitete.
Ausblick: Zusammenfassung der weiteren Entwicklung in den sechziger und siebziger Jahren sowie die zunehmende Realitätsnähe aufgrund wirtschaftlicher Ressourcenknappheit.
Verkehrsgerechte Stadt, Stadtplanung, Dresden, DDR, Wiederaufbau, Motorisierung, Stadtumbau, Sozialistischer Städtebau, Autogerechte Stadt, Verkehrsplanung, Paul Wolf, Sechzehn Grundsätze des Städtebaus, Verkehrsströme, Stadtmitte, Verkehrsoptimierung.
Die Arbeit analysiert die städtebauliche Entwicklung Dresdens im Zeitraum von 1945 bis 1960 unter dem Leitbild der "verkehrsgerechten Stadt" im Kontext der politischen Verhältnisse der frühen DDR.
Im Zentrum stehen die Planung und Umsetzung von Verkehrsinfrastruktur, die Einflussnahme politischer Ideologien auf den Städtebau und die Konkurrenz zwischen Verkehrsoptimierung und Repräsentationsbedarf.
Es soll geklärt werden, wie eine spezifisch ostdeutsche Interpretation der verkehrsgerechten Stadt entstand und welchen Zwängen diese Planung unterlag.
Der Autor nutzt eine historisch-analytische Methode, die auf der Auswertung von Archivmaterial, städtebaulichen Planungsdokumenten und zeitgenössischen Fachpublikationen basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die Aufarbeitung der theoretischen Grundlagen des Leitbilds sowie die detaillierte Analyse der Dresdner Fallbeispiele von der Trümmerverwertung bis hin zur Ära der sechziger Jahre.
Die zentralen Konzepte sind die "verkehrsgerechte Stadt", "Funktionstrennung", "autogerechte Planung" sowie die "Sechzehn Grundsätze des Städtebaus".
Die Zerstörung durch Luftangriffe wurde von vielen Planern als „Chance“ gesehen, die historisch gewachsene Stadtstruktur aufzubrechen und moderne, autogerechte Verkehrsachsen ohne Rücksicht auf historische Bausubstanz zu realisieren.
Trotz ideologischer Abgrenzung gab es einen stetigen Austausch von Fachwissen und Planungsansätzen, wobei technische Lösungen für den motorisierten Verkehr oft grenzüberschreitend diskutiert wurden.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

