Bachelorarbeit, 2012
136 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Zur politischen Sprache
2.1 Begriffsbestimmung politischer Sprache
2.2 Vom „politichese“ zum „gentese“
2.3 Folgen der Mediatisierung
2.4 Kommunikationsmodelle
2.5 Kommunikationsnormen und Interessenskonflikte
3 Einbettung in den historischen Kontext
3.1 Der Faschismus – das totalitäre Regime unter Mussolini
3.2 Die „Zweite Republik“ – das Zeitalter Berlusconis
3.3 Zwei Meister der Selbstinszenierung
4 Korpus
5 Sprachanalyse
5.1 Lexikalisch-semantische Analyse
5.1.1 Programmatisches Ideale-Vokabular
5.1.2 Gegnerisches Vokabular
5.1.3 Militärisch-kriegerisches Vokabular
5.1.4 Emotives spirituelles Vokabular
5.1.5 Strategisches Vokabular
5.2 Vergleich der Analyse-Ergebnisse
6 Fazit
7 Anhang
8 Bibliografie
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die sprachlichen Charakteristika der beiden Politiker Silvio Berlusconi und Benito Mussolini zu vergleichen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihren Sprachmustern sowie deren diachrone Entwicklung zu identifizieren. Dabei wird untersucht, inwieweit beide Politiker ähnliche rhetorische Mittel und kommunikative Strategien einsetzten, um ihre Intentionen durchzusetzen und eine charismatische Wirkung auf ihre Zuhörerschaft auszuüben.
1 Einleitung
Er läutete die ‚Zweite Republik‘ ein und mit ihm endet sie nun voraussichtlich auch: Während Silvio Berlusconi, bis dato amtierender Regierungschef, am 12.11.2011 innerhalb der nunmehr vierten Legislaturperiode auf zunehmenden öffentlichen Druck hin seinen Rücktritt verkündet hatte, stimmten Hunderte von Menschen vor dem Gebäude des Staatspräsidenten Napolitano ein Halleluja an. Sie bejubelten das Ende einer Ära, welche die zeitgenössische italienische Geschichte durch einen politischen Führungsstil prägte, der im Ausland bisweilen auf Kritik gestoßen war: Ob persönliche Fehltritte oder peinliche Fettnäpfchen, politische Fehlentscheidungen oder einfach nur undiplomatisches Verhalten, der Cavaliere sorgte immer für Schlagzeilen und Gesprächsstoff.
Vielleicht liegt der Schlüssel zu seinem Erfolg in Berlusconis Sprachstil. Es mag sein, dass er Italien durch eloquente, mitreißende Reden hinters Licht führen und täuschen konnte. Der berühmte Poet Gabriele D’Annunzio, ein Freund Mussolinis, bringt es im obigen Eingangszitat treffend auf den Punkt: Wer die ‚Wissenschaft der Wörter‘ kennt, der kennt alles. Der Mensch kann mit ihr alles aufbauen, erniedrigen und auch zerstören.
Schenkt man diesem Ausspruch Glauben, so hat Sprache enormen Einfluss auf alle gesellschaftlichen Bereiche. Beherrscht man ihre Anwendung, kann man sie zu einem mächtigen Instrument ausbauen. Gerade im politischen Bereich kann Sprache eine besonders große Wirkung entfalten, geht es doch in der Politik schließlich darum, sein Gegenüber, beispielsweise den Wähler, von der Fähigkeit der eigenen Politik der Partei zu überzeugen. Ich gehe davon aus, dass Berlusconi sich zu Beginn seiner politischen Karriere der sprachlichen Wirkung bewusst war und gezielt davon Gebrauch machte.
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz der Untersuchung des Sprachstils von Silvio Berlusconi und Benito Mussolini ein und formuliert die zentrale Forschungsfrage nach Kontinuitäten und Unterschieden in deren politischer Rhetorik.
2 Zur politischen Sprache: Dieses Kapitel definiert den Begriff „politische Sprache“, beschreibt den diachronen Wandel in Italien vom „politichese“ zum „gentese“ und erläutert verschiedene Kommunikationsmodelle und -normen.
3 Einbettung in den historischen Kontext: Hier werden die historischen Rahmenbedingungen des Faschismus unter Mussolini und des Zeitalters Berlusconis dargelegt sowie deren spezifische Methoden der Selbstinszenierung analysiert.
4 Korpus: Das Kapitel erläutert die Zusammenstellung der für die Analyse verwendeten Reden beider Politiker sowie die methodische Vorgehensweise bei der Korpusauswahl.
5 Sprachanalyse: Der Hauptteil bietet eine detaillierte lexikalisch-semantische Untersuchung anhand spezifischer Wortfelder (Ideale, Gegner, Militär, Emotionen, Strategie) und vergleicht die Ergebnisse statistisch und inhaltlich.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und beantwortet die Fragestellung, indem es feststellt, dass trotz inhaltlicher Unterschiede eine Form der rhetorischen Kontinuität in der Anwendung von Macht und Konsensstiftung vorliegt.
Politolinguistik, Politische Sprache, Silvio Berlusconi, Benito Mussolini, Rhetorik, Faschismus, Mediatisierung, Kommunikationsmodelle, Sprachanalyse, Wortfeldanalyse, Propaganda, Selbstinszenierung, Ideologie, Parteikommunikation, Diskursanalyse
Die Arbeit untersucht politolinguistisch, inwiefern die politische Sprache in Italien seit dem Faschismus bis heute Kontinuitäten aufweist, indem sie die Rhetorik von Mussolini und Berlusconi vergleicht.
Zentrale Themen sind die Definition politischer Sprache, der Einfluss von Medien auf die Kommunikation, historische Kontexte totalitärer bzw. populistischer Regimes sowie die strategische Nutzung von Vokabular zur Machtausübung.
Das primäre Ziel ist es, sprachliche Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Reden beider Politiker aufzudecken, um zu klären, ob ein „Kontinuum“ der politischen Sprache in Italien existiert.
Die Arbeit nutzt eine politolinguistische Analyse mit Schwerpunkt auf lexikalisch-semantischen Untersuchungen (Wortfeldanalyse) und einer pragmatischen Auswertung der Sprachstrategien basierend auf einem selbst zusammengestellten Korpus.
Im Hauptteil werden Reden beider Politiker nach bestimmten Wortkategorien analysiert, darunter programmatische Ideale, gegnerisches Vokabular, militärisch-kriegerische Begriffe, emotive Ausdrücke und strategische Formulierungen.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Politolinguistik, Rhetorik, Sprachanalyse, Faschismus, Populismus, Diskursanalyse und strategische Kommunikation charakterisiert.
Die Analyse zeigt, dass beide rhetorische Mittel wie Anaphern, Metaphern und die Inszenierung als „Macher“ nutzen, um Konsens zu erzeugen, sich als Retter des Vaterlandes zu stilisieren und Gegner abzuwerten.
Ja, während Mussolini „nemici“ primär als existenzielle Feinde außerhalb der Ordnung definierte, nutzt Berlusconi ein differenzierteres, oft diskreditierendes Vokabular (z. B. Opposition als „Kaste“ oder „bürokratische Bremse“), um seine politische Agenda gegen linke Parteien durchzusetzen.
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