Magisterarbeit, 2008
76 Seiten, Note: 1,7
1. EINLEITUNG
1.1. Begründung des Themas und Struktur der Arbeit
1.2. Begriffsklärung
2. REALISTISCHE DARSTELLUNGEN IN LES CHRONIQUES DU PLATEAU-MONT-ROYAL
2.1. Die historische Wirklichkeit
2.2. Die soziale Wirklichkeit
2.3. Die Sprache
2.4. Die Familie
2.5. La grosse femme – Leben und Sterben des Fortschritts?
3. PHANTASIE IN LES CHRONIQUES DU PLATEAU-MONT-ROYAL
3.1. Traumwelten
3.2. Der fiktionale Text
3.2.1. Der Einfluss des Lesens auf die Protagonisten
3.2.2. Das Erzählen von Geschichten
4. PHANTASTIK IN LES CHRONIQUES DU PLATEAU-MONT-ROYAL
4.1. Duplessis
4.1.1. Duplessis vs. Godbout – Realität und Fiktion
4.1.2. Duplessis in der rue Fabre
4.1.3. Duplessis und Marcel
4.2. Die tricoteuses
4.2.1. Die tricoteuses als destinatrices
4.2.2. Die tricoteuses als éducatrices
5. ZUSAMMENFASSUNG
Die vorliegende Arbeit untersucht das Zusammenspiel von Realismus, Phantasie und Phantastik in Michel Tremblays Romanzyklus "Les Chroniques du Plateau-Mont-Royal". Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Tremblay realistische Milieuschilderungen mit phantastischen Elementen verbindet und dabei den realistischen Gesamteffekt der Erzählung bewahrt, insbesondere durch die psychologische Einbettung in die Wahrnehmungswelt der Protagonisten, allen voran der Figur des Marcel.
2.1. Die historische Wirklichkeit
Die 1940er und 1950er Jahre bilden den Zeitrahmen für die Chroniques. Demzufolge ist der Zweite Weltkrieg eine unausweichliche Größe, wenn es um die Darstellung der historischen Realität geht. Tremblay geht weniger auf die kanadische Regierung und ihre Entscheidungen ein, dafür aber auf die Konsequenzen der Kriegsteilnahme für die Bevölkerung.
Zunächst ist festzuhalten, dass „[…] die Frankokanadier mehrheitlich einer allgemeinen Wehrpflicht ablehnend gegenüber [standen]“ (Sauter 89) und demnach nicht am Krieg teilnehmen wollten: „Sollte es der Regierung gestattet sein, auch zwangsverpflichtete Truppen nach Übersee zu schicken? Zwei Drittel der Wähler gaben der Regierung freie Hand. Aber in Quebec stimmten weniger als 30 Prozent in diesem Sinne“ (Sauter 89).
Auch die Protagonisten der Chroniques sind von dieser Entscheidung betroffen und suchen nach Möglichkeiten, nicht in den Kampf nach Europa geschickt zu werden: „T’es sûr qu’y t’ont refusé dans l’armée parce que t’as les pieds plats ? J’trouve que pour un pieds-plats, tu te fais aller en crisse ! […] T’es sûr, Gabriel, que t’as pas mis ta femme enceinte juste pour pas aller à la guerre ?“ (GF 33). Die Auseinandersetzung der Brüder zeigt, welche Gründe die Männer jener Zeit anführten, um nicht in die Armee eingezogen zu werden.
1. EINLEITUNG: Die Arbeit begründet die Themenwahl, stellt die untersuchten Werke vor und definiert die methodischen Grundbegriffe Phantasie und Phantastik.
2. REALISTISCHE DARSTELLUNGEN IN LES CHRONIQUES DU PLATEAU-MONT-ROYAL: Dieser Teil analysiert die historischen und sozialen Bedingungen sowie die Sprache und Familienstrukturen, die als realistisches Fundament des Romanzyklus dienen.
3. PHANTASIE IN LES CHRONIQUES DU PLATEAU-MONT-ROYAL: Hier wird die bewusste Vorstellungskraft der Figuren beleuchtet, insbesondere durch Traumwelten und die tiefgreifende Auseinandersetzung mit Literatur.
4. PHANTASTIK IN LES CHRONIQUES DU PLATEAU-MONT-ROYAL: Dieser Abschnitt widmet sich den übernatürlichen Elementen, namentlich der Katze Duplessis und den tricoteuses, und untersucht deren symbolische Funktion sowie die psychologische Perspektive des Protagonisten Marcel.
5. ZUSAMMENFASSUNG: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die erfolgreiche Integration des phantastischen in das realistische System ohne Bruch des realistischen Effekts.
Michel Tremblay, Les Chroniques du Plateau-Mont-Royal, Realismus, Phantasie, Phantastik, Joual, Zweiter Weltkrieg, Frankokanadische Literatur, Intertextualität, Phantasiegefährte, Identität, Sozialstruktur, Symbolik, Identitätssuche, Québec
Die Arbeit analysiert, wie Michel Tremblay in seinem Romanzyklus "Les Chroniques du Plateau-Mont-Royal" Realität, Phantasie und Phantastik miteinander verwebt und welche Funktion diese Ebenen für die Charakterentwicklung und Gesellschaftsdarstellung haben.
Zentrale Themen sind die soziale und historische Realität im Québec der 1940er und 1950er Jahre, die Flucht in fiktionale Welten, der Einfluss des Zweiten Weltkriegs auf die Familie und die Rolle von Geschlechternormen und Identität.
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Tremblay trotz der Einführung phantastischer Elemente einen realistischen Erzähleffekt aufrechterhält, wobei er psychologische Erklärungen, insbesondere für die Figur Marcel, heranzieht.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die Begriffe der Phantastik-Theorie (z.B. nach Chanady oder Durst) und der Entwicklungspsychologie (Theorie des Phantasiegefährten nach Weis) anwendet, um die erzählerischen Ebenen zu deuten.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung realistischer Elemente (Geschichte, Soziales, Familie), eine Analyse der Phantasie (Traum, Literaturrezeption) und eine Analyse der Phantastik (Duplessis, tricoteuses).
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Realismus, Phantastik, Québec, Joual, Intertextualität und Identität charakterisieren.
Die Arbeit deutet Marcels Wahrnehmung als ein kinderpsychologisches Phänomen des "Phantasiegefährten" und verknüpft dies mit seiner fehlenden Vaterfigur, wobei auch seine Epilepsie als mögliche (rationale) Erklärung diskutiert wird.
Die tricoteuses fungieren als mythologische Schicksalsgestalten (Moíren/Parzen), die das Leben der Bewohner der rue Fabre durch ihr Stricken beeinflussen und gleichzeitig als Erzieherinnen für Josaphat und Marcel dienen.
Das "Joual" als soziolektale Sprache der Arbeiterklasse in Montréal ist ein wesentliches Merkmal für die Authentizität und die Identität der Charaktere innerhalb des realistischen Rahmens der Romane.
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