Examensarbeit, 2012
63 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. I. Herkunft der Trossfrauen
2. II. Motive und Gründe für das Leben im Tross
3. I. Aufbau des Trosses
3. II. Hierarchien
3. III. Alltag – Rechte und Pflichten der Frau im Tross
4. I. Chancen und Möglichkeiten einer Frau im Tross
4. II. 1. Risiken im Tross
4. II. 2. Krankheiten und Tod
5. Gesellschaftliche Wahrnehmung der zum Tross gehörenden Frauen
5. I. - unmittelbar vor Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges
5. II. - während des Dreißigjährigen Krieges
5. III. Möglicher Vergleich beider Betrachtungen
6. Beitrag der Trossfrauen am Wallenstein´schen Leitsatz: „Der Krieg ernährt der Krieg“
6. I. Wallenstein: „Der Krieg ernährt den Krieg“
6. II. Bedeutung der Trossfrauen und Marketenderinnen für den Dreißigjährigen Krieg
7. Zusammenfassung und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle, den Beitrag und das gesellschaftliche Ansehen von Trossfrauen und Marketenderinnen während des Dreißigjährigen Krieges. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, inwiefern diese Frauen durch ihre Tätigkeit im Tross trotz prekärer Lebensbedingungen ein gewisses Maß an Handlungsspielraum und materieller Absicherung erlangen konnten und wie sie als unverzichtbares Glied zur Aufrechterhaltung des Kriegsgeschehens beitrugen.
2. I. Herkunft der Trossfrauen
Um die Herkunft der Trossfrauen und Marketenderinnen zu klären, aus welchen sozialen Schichten sie entstammten und welche sozialen Kategorien vielleicht sogar im Tross aufeinanderprallten, muss zuvorderst das soziale Gefüge und seine Schichten in der Frühen Neuzeit nachvollzogen und verstanden werden.
Schließlich gilt es die These zu bestätigen oder zu widerlegen, ob „[d]ie Heere […] zu den Auffangbecken für die Entwurzelten und sozialen Unterschichten ganz Europas [wurden]“ 25. Die Trossfrauen und Marketenderinnen also tatsächlich fast ausschließlich aus den niederen sozialen Schichten stammten und sie sich durch das Einlassen mit den Soldaten und die Beteiligung an Plünderungen ein sicheres Auskommen versprachen und letztendlich auch sichern konnten.
In der Frühen Neuzeit kam es zur Manifestierung der, bereits im Mittelalter angelegten, „Ständegesellschaft, in der jeder einzelne durch Geburt oder Privileg Mitglied eines Standes war und aufgrund dieser Zugehörigkeit Anspruch auf die von einem Stand monopolisierten Lebenschancen besaß“26. Neben dem Klerus und dem Adel, von denen aufgrund der Themenwahl abgesehen werden soll, und die in der frühen Neuzeit die geistigen sowie die politischen Führungspositionen besetzt hatten27, gab es die beiden bevölkerungsreichen Stände der Bürger und Bauern. Erstere waren vor allem im Handel und Gewerbe tätig und letztere sorgten für die landwirtschaftliche Bestellung der Güter – zusammen gewährleisteten sie „die Versorgung der Gesellschaft“28 mit Lebensmitteln und den anderen Dingen des Alltags wie zum Beispiel Kleidung und Gebrauchsgegenständen.
1. Einleitung: Einführung in das Thema, die Relevanz der Frauen im Dreißigjährigen Krieg und methodische Herangehensweise der Arbeit.
2. I. Herkunft der Trossfrauen: Analyse der sozialen Herkunft der Frauen innerhalb der ständisch geprägten Gesellschaft der Frühen Neuzeit.
2. II. Motive und Gründe für das Leben im Tross: Untersuchung der Beweggründe wie Hunger, Not und das Streben nach Existenzsicherung, die Frauen in das Leben im Tross führten.
3. I. Aufbau des Trosses: Definition des Trossbegriffs und Beschreibung der heterogenen Zusammensetzung des Heeresanhängsels.
3. II. Hierarchien: Erläuterung der internen Ordnungsstrukturen im Tross basierend auf Funktion und Stellung zum Militär.
3. III. Alltag – Rechte und Pflichten der Frau im Tross: Schilderung der täglichen Aufgaben der Frauen von der Nahrungsbeschaffung bis zur Krankenpflege.
4. I. Chancen und Möglichkeiten einer Frau im Tross: Erörterung der neuen, wenn auch begrenzten Handlungsspielräume durch Handel, Beutegemeinschaft und Prostitution.
4. II. 1. Risiken im Tross: Darstellung der Gefahren durch Gewalt, kriegerische Niederlagen und religiöse Verfolgung.
4. II. 2. Krankheiten und Tod: Analyse der Gesundheitsrisiken und der mangelnden medizinischen Versorgung im Feldlager.
5. Gesellschaftliche Wahrnehmung der zum Tross gehörenden Frauen: Diskussion des allgemeinen Frauenbildes im Kontext von Prostitution und Hexenverfolgung.
5. I. - unmittelbar vor Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges: Einordnung der Stellung der Frau unter dem Einfluss der frühneuzeitlichen Kirche und Theologie.
5. II. - während des Dreißigjährigen Krieges: Untersuchung der Wahrnehmung im Kriegskontext und der Stigmatisierung als "verkehrtes" Gesellschaftsbild.
5. III. Möglicher Vergleich beider Betrachtungen: Gegenüberstellung der Wahrnehmung vor und während des Krieges.
6. Beitrag der Trossfrauen am Wallenstein´schen Leitsatz: „Der Krieg ernährt der Krieg“: Prüfung des Beitrags der Frauen zur ökonomischen Aufrechterhaltung des Heeres.
6. I. Wallenstein: „Der Krieg ernährt den Krieg“: Analyse der finanziellen und logistischen Strategien des Feldherrn Wallenstein.
6. II. Bedeutung der Trossfrauen und Marketenderinnen für den Dreißigjährigen Krieg: Zusammenfassung der existenziellen Rolle der Frauen als "Lebensversicherung" der Söldner.
7. Zusammenfassung und Ausblick: Resümee der Ergebnisse und Vorschläge für weiterführende Forschungsperspektiven.
Dreißigjähriger Krieg, Trossfrauen, Marketenderinnen, Beutegemeinschaft, Frühe Neuzeit, Ständegesellschaft, Existenzsicherung, Wallenstein, Kriegswirtschaft, Soldatentum, Frauenrolle, Prostitution, Hexenverfolgung, soziale Schichten, Kriegsalltag.
Die Arbeit befasst sich mit der sozialen Lage und dem Wirken von Frauen im militärischen Gefolge – den sogenannten Trossfrauen und Marketenderinnen – während des Dreißigjährigen Krieges.
Zentrale Themen sind die soziale Herkunft, die ökonomischen Motive für das Leben im Tross, die alltäglichen Pflichten und Rechte der Frauen sowie ihre gesellschaftliche Stigmatisierung.
Ziel ist es, den Beitrag dieser Frauen zum Kriegsverlauf aufzuzeigen und zu untersuchen, wie sie sich in einer von Männern dominierten und krisengeprägten Zeit eigene Überlebensstrategien aneigneten.
Die Arbeit nutzt Ansätze der Sozialgeschichte sowie der Diskursanalyse und stützt sich auf Primärquellen wie Söldnertagebücher sowie literarische Reflexionen der Zeit, etwa von Grimmelshausen.
Im Hauptteil werden der Aufbau des Trosses, die Hierarchien, die Chancen auf Selbstständigkeit durch Handel oder Prostitution sowie die ständigen Risiken durch Hunger, Krankheit und Gewalt analysiert.
Schlüsselbegriffe sind Trossfrauen, Dreißigjähriger Krieg, Beutegemeinschaft, Existenzsicherung, Soldatentum und frühneuzeitliche Gesellschaftsordnung.
Die Courasche dient als Leitfigur, um die Stilisierung der Frau als "Dämonin der Welt" und die männlichen Ängste vor dem Zusammenbruch der traditionellen Geschlechterordnung zu verdeutlichen.
Die Arbeit zeigt auf, dass der Leitsatz "Der Krieg ernährt den Krieg" eng mit der Arbeit der Trossfrauen verknüpft war, die durch Plünderung, Handel und Versorgung des Heeres maßgeblich an dessen Fortbestand mitwirkten.
Trotz der Erweiterung ihrer Kompetenzen blieb die Wahrnehmung der Frau als dem Manne untergeordnet. Der Krieg verstärkte jedoch die Stigmatisierung und den Frauenhass, was sich unter anderem in einer Welle von Hexenprozessen äußerte.
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