Bachelorarbeit, 2011
58 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Der Dandy
2.1 Historisch
2.2 Charakter
2.3 Der Dandy der Gegenwart
3. „Faserland“ und Krachts Selbstinszenierung als Dandy
3.1. Archivismus
3.2. Irritationsmomente in Moral und Ästhetik
3.3 Fokus auf Oberflächenphänomene
3.4 Momente der Revolte
3.5 Ironie in „Faserland“
3.6 Die Reise als dandyistisches Motiv
3.7 Der unsichere Erzähler
3.8 Klassische Décadence-Themen
3.9 Der erzählte Körper
3.10 Friktion
4. Friktion: Krachts Autorinszenierung als Dandy
5. Fazit
Diese Arbeit untersucht die subversive Selbstinszenierung Christian Krachts als Dandy anhand seines Romans „Faserland“ und analysiert die Etablierung eines fiktiven Autors zwischen Realität und Werk.
3.1. Archivismus
Werber zieht aus der Feststellung der Unmöglichkeit von Neuem, dem Problem, dass alles altbekannt und langweilig ist, die Konsequenz für den Dandyismus der Neuzeit:
Diese Einschätzung der historischen Situation zeitigt zwei Konsequenzen: eine semantische und eine ästhetische. Die ästhetische Konsequenz ist der Archivismus, die Verwaltung der Bestände als literarische Strategie. Die semantische Konsequenz ist der Versuch, die Langeweile und Melancholie durch Provokation zu durchbrechen. Auch dies ist typisch für den Dandy des 19. Jahrhunderts.149
Die Popliteratur der neunziger Jahre spielt mit tradierten Formen und Verfahren der Dekadenz.150 Ein Verfahren davon ist das Sammeln und Neuordnen von Dingen, Themen und Zusammenhängen151, für die Popliteratur eingängig vorgestellt von Moritz Baßler152. Auch typische Dandys wie Joris-Karl Huysmans‘ Des Esseintes oder Oscar Wildes Dorian Gray sind Sammler.153 Denn das Sammeln, Archivieren, Generieren und Neu-Arrangieren sind die Taktiken, die bleiben wenn nichts Neues möglich ist, dem Archiv der Literatur also keine Innovation mehr hinzugefügt werden kann154: eine „zentrale Verbindung von Motiv und Verfahren.“155
1. Einleitung: Einführung in die Untersuchung der subversiven Selbstinszenierung Krachts als Dandy und die theoretische Etablierung des fiktiven Autors.
2. Der Dandy: Definition der historischen und charakterlichen Grundlagen des Dandytums sowie die kritische Auseinandersetzung mit modernen Dandy-Adaptionen.
3. „Faserland“ und Krachts Selbstinszenierung als Dandy: Detaillierte Analyse formaler und semantischer dandyistischer Spuren im Roman, darunter Archivismus, Ironie und die Reise als Motiv.
4. Friktion: Krachts Autorinszenierung als Dandy: Untersuchung der Verschmelzung von Autor und Werk durch die Inszenierung einer fiktiven Persönlichkeit als dandyistisches Verfahren.
5. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung des Protagonisten als Nicht-Dandy, der jedoch durch dandyistische Codes auf die Autorinszenierung Krachts verweist.
Christian Kracht, Faserland, Dandyismus, Selbstinszenierung, Popliteratur, Archivismus, Dekadenz, Friktion, Ästhetik, Ironie, Autorschaft, Fiktiver Autor, Identität, Pose, Moderne.
Die Arbeit untersucht die Selbstinszenierung des Autors Christian Kracht als Dandy, insbesondere im Kontext seines Romans „Faserland“.
Die Arbeit befasst sich mit dem Dandyismus, der Popliteratur, dem Konzept des Archivismus, der ästhetischen Selbstinszenierung und dem Verhältnis von Autor, Erzähler und Werk.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Kracht bewusst dandyistische Codes in „Faserland“ integriert, um zwischen sich als realem Autor und dem fiktiven Autor eine dandyistische „Friktion“ zu erzeugen.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die theoretische Grundlagen des Dandyismus mit der Textanalyse von „Faserland“ und medialen Auftritten Krachts kombiniert.
Der Hauptteil analysiert die formale und semantische Ebene des Dandytums im Roman, einschließlich spezifischer Verfahren wie dem Archivismus, der Ironie und der Motivik der Reise.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Dandyismus, Popliteratur, Archivismus, Autorinszenierung, Friktion, Ironie und die Ästhetik des Verschwindens.
Der Erzähler ist im Gegensatz zum idealen Dandy emotional unsicher, unfähig zu echter Kommunikation und durch Ängste sowie einen Mangel an souveräner Distanz geprägt.
Archivismus dient als literarische Strategie, um angesichts der Unmöglichkeit, Neues zu schaffen, vorhandene kulturelle Codes zu sammeln und neu anzuordnen – ein Verfahren, das typisch für die Pop-Moderne ist.
Friktion bezeichnet die absichtliche Verwischung der Grenzen zwischen dem realen Autor Kracht, der fiktiven Autorenfigur und dem Protagonisten im Roman, was eine spezifisch dandyistische Strategie darstellt.
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