Magisterarbeit, 2005
82 Seiten, Note: Sehr gut
EINLEITUNG
1. MITTEILUNGSLOSIGKEIT
1.1 Familienverhältnisse
1.1.1 Unüberbrückbares Schweigen
1.1.1.1 Brief an den Vater
1.1.2 Beziehungslosigkeit
1.1.2.1 Die Familie: Eine Geistesamputation
2. DAS UNAUSSPRECHLICHE DENKEN
2.1 Produktives Scheitern
2.2 Das monologische Sprechen
2.2.1 Zur Bestimmung des Monologischen
2.2.2 Die monologische Grundhaltung des Fürsten
2.2.2.1 Einöde des Daseins
2.2.2.2 Geistloser Gesprächspartner
2.2.2.3 Die Gedanken: Gesprächspartner
2.2.2.4 Sprechen: Sich verständlich machen
2.2.2.5 Geistige Heimatlosigkeit
2.2.3 Form monologischen Sprechens
3. DIE UNZULÄNGLICHKEIT DER SPRACHE
3.1 Die Sprache: Ein Kerker
3.2 Der Zitatcharakter der Sprache
4. SCHLUSSBETRACHTUNG
Die Arbeit untersucht die Darstellung des Schweigens in Thomas Bernhards Roman Verstörung und analysiert, wie dieses Motiv mit den Themen Sprache, Einsamkeit, Familie und Wahnsinn korreliert, um die monologische Grundhaltung der Hauptfiguren aufzuzeigen.
2.2.2.1 Einöde des Daseins
„Wenn wir einen Menschen suchen’ sagte der Fürst, ,so ist es doch, als gingen wir die ganze Zeit in einem riesigen Leichenschauhaus herum, um ihn zu suchen.’ Alle führten nur noch Selbstgespräche, sagte der Fürst, , Wir sind in einem Zeitalter der Selbstgespräche. Die Kunst des Selbstgesprächs ist auch eine viel höhere Kunst, als die Kunst des Gesprächs’ sagte er. ,Aber Selbstgespräche sind genauso sinnlos wie Gespräche’ sagte der Fürst , wenn auch viel weniger sinnlos’“ (V, 138).
In einem verabsolutierten Ton charakterisiert der Fürst die Verlorenheit des Einzelnen als ein vergebliches Suchen nach einem Gegenüber, das die Verständigung ermöglicht und die Kommunikation garantiert, was den Menschen zum Menschen macht. Mit einem „riesigen Leichenschauhaus“ wird die Welt gleichgesetzt, in dem alle Selbstgespräche führen, um jenen ‚Weltzustand’ der Kommunikationslosigkeit aufzuzeigen und durch den eigenen Tod, in unaufhörlicher Selbstgesprächigkeit den Tod aller hervorzuheben.
EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Sprachskepsis bei Thomas Bernhard und Vorstellung der Forschungsabsicht.
1. MITTEILUNGSLOSIGKEIT: Analyse des familiären Umfelds, das durch ein tödliches Schweigen und die Unfähigkeit zur echten zwischenmenschlichen Kommunikation geprägt ist.
2. DAS UNAUSSPRECHLICHE DENKEN: Untersuchung der Problematik, dass Denken und Sprechen/Schreiben bei Bernhard als unvereinbar erscheinen und zum Scheitern verurteilt sind.
3. DIE UNZULÄNGLICHKEIT DER SPRACHE: Erörterung der Sprache als Gefängnis (Kerker) und ihrer Bedeutung als bloße Zitatenwelt ohne originäre Kraft.
4. SCHLUSSBETRACHTUNG: Zusammenfassende Betrachtung der untersuchten Aspekte des Schweigens als Ausdruck einer existenziellen Krisensituation.
Thomas Bernhard, Verstörung, Schweigen, Monolog, Sprachskepsis, Mitteilungslosigkeit, Kommunikation, Wahnsinn, Identität, Weltbild, Vernichtung, Zitatcharakter, Isolation, Existenz, Literaturwissenschaft.
Die Arbeit befasst sich mit der Darstellung des Motivs Schweigen im Roman Verstörung von Thomas Bernhard und dessen Auswirkungen auf die Kommunikation und Existenz der Figuren.
Zentrale Themen sind die Sprachkritik, die Isolation des Individuums, die Zerstörung des Erzählens und der Übergang vom sozialen zum monologischen Sprechen.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Schweigen als literarisches Phänomen und als Symptom der existenziellen Zersetzung in Bernhards Werk fungiert.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die philosophische (Wittgenstein, Heidegger, Adorno) und literaturtheoretische Ansätze zur Interpretation des Romans heranzieht.
Der Hauptteil analysiert die Mitteilungslosigkeit innerhalb von Familien, das Unaussprechliche des Denkens und die grundsätzliche Unzulänglichkeit der Sprache, insbesondere durch die monologische Figur des Fürsten Saurau.
Besonders prägend sind Begriffe wie Monolog, Sprachkrise, Mitteilungslosigkeit und Vernichtung.
Er betrachtet das Selbstgespräch als eine „höhere Kunst“ als das gewöhnliche Gespräch, betont jedoch gleichzeitig, dass auch dieses letztlich ebenso sinnlos sei wie die zwischenmenschliche Kommunikation.
Es dient als Metapher für die Familie des Fürsten, die aus seiner Sicht biologisch determiniert und geistig unfähig ist, weshalb er sie als Kommunikationspartner ablehnt.
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