Magisterarbeit, 1995
141 Seiten, Note: 2,8
EINLEITUNG
1. Die deutsche Gesellschaft und das deutsche Theater in St. Petersburg im 18. Jahrhundert
1.1. Die deutsche Gesellschaft St. Petersburgs im 18. Jahrhundert
1.1.1. Deutsche Siedlungsstruktur in St. Petersburg
1.2. Das deutsche Theater im 18. Jahrhundert
1.2.1. Das deutsche Hoftheater 1706-1740
1.2.2. Das deutsche Theater 1740-1773: Zwischen der Hof- und Privatbühne
1.2.3. Die Rigaische Truppe 1775-1777 und Karl Knipper 1777-1781: Das private deutsche Theater
1.2.4. Das deutsche Hoftheater unter der kaiserlichen Direktion 1782-1791
1.2.5. Das deutsche Privattheater 1792-1800: Tilly, Rundthaler, Mirè
1.3. Zusammenfassung des 18. Jahrhunderts
2. Die deutsche Gesellschaft und das deutsche Theater von 1800-1890
2.1. Die deutsche Gesellschaft im 19. Jahrhundert
2.2. Das deutsche Theater unter der Direktion der kaiserlichen Theater 1800-1890
2.2.1. Die deutsche Privat- und Hoftruppe und die endgültige Entscheidung zugunsten der letzteren 1800-1812
2.2.2. Das Deutsche Theater von 1812 bis 1830
2.2.2.1. Die soziale Lage der Schauspieler
2.2.3. Erinnerungen von Karoline Bauer über das deutsche kaiserliche Theater 1828 und 1831-1834
2.2.4. Das deutsche Theater von 1834 bis 1890
2.2.4.1. Das Ensemble
2.2.4.1. Das Publikum
2.2.4.3. Die Gastspiele der ausländischen Künstler
3. Die Gastspiele der Schauspielgesellschaft von P. Bock (1890-1914)
4. Das kulturelle Leben der deutschen Gesellschaft 1870-1914
Z U S A M M E N F A S S U N G
ZEITTAFEL
TABELLEN
Die vorliegende Studie untersucht die Geschichte des deutschen Theaters in St. Petersburg von der Stadtgründung im Jahr 1703 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914. Im Fokus steht dabei die historische Einbettung des Theaters in die Entwicklung der dortigen deutschen Gesellschaft sowie das Wechselspiel zwischen Künstlern, Publikum und den soziokulturellen Rahmenbedingungen.
Die deutsche Gesellschaft St. Petersburgs im 18. Jahrhundert
Am 16. (27.) Mai 1703 gründete Peter der Große auf dem sumpfigen Boden des Newaufers die befestigte Hafenstadt St. Petersburg, die einige Jahre danach zur Hofresidenz (1708) und später (1712) zur Hauptstadt Rußlands wurde. Gleichzeitig mit der Gründung der Stadt entstand auch eine große deutsche Kolonie, deren Mitglieder die Vertreter des Militärs, der Handwerker, Künstler, Ärzte, Wissenschaftler, Geistlichen, Adligen u.a. waren. Die zahlreichen Mitglieder der Kolonie repräsentierten praktisch alle sozialen Schichten.
Die Deutschen kamen teils aus Moskau, Archangel'sk und anderen russischen Städten, teils aus dem Ausland, vor allem aus den Ostsee-Provinzen und Nord-Deutschland. Besonders intensiv war die Einwanderung nach dem Erlaß von 1702. Der Strom der Ausländer in die neue Hauptstadt war während der ersten 25 Jahre nach der Gründung St. Petersburgs ebenso groß wie der der Russen, wodurch das Bild der Stadt stark von den ausländischen Vorstädten und Straßennamen geprägt wurde.
Die Regierungsanstalten, Kollegien (1718), die Akademie der Wissenschaften mit der Universität (1725) und das deutschsprachige Chirurgische Institut wurden zur Voraussetzung für einen großen Anteil Beamten, Militärs, Ärtzte und Freiberufler in der deutschen Gesellschaft. Unter den 111 Mitgliedern der Akademie in St. Petersburg zählt E. Amburger 68 Mitglieder, die Deutsch als Muttersprache sprachen. Der Präsident der neugegründeten Akademie der Wissenschaften, Laurentius Blumentrost selbst, spielte 1672 im Geburtsjahr von Peter I. bei den ersten Theateraufführungen des Pastors Gregori unter den Schauspielern mit. Auch an dem Akademischen Gymnasium in den Jahren 1726-1750 war der Anteil der deutschen Schüler sehr groß: Von 325 Schülern waren 238 Deutsche.
1. Die deutsche Gesellschaft und das deutsche Theater in St. Petersburg im 18. Jahrhundert: Dieses Kapitel legt die historischen Grundlagen dar, indem es die Siedlungsstruktur der deutschen Kolonie und die Anfänge des deutschen Theaters unter dem Einfluss der Zarenherrschaft beleuchtet.
2. Die deutsche Gesellschaft und das deutsche Theater von 1800-1890: Hier wird der Übergang und die Konsolidierung des Theaters unter der Leitung der kaiserlichen Theaterdirektion in einem längeren historischen Zeitabschnitt analysiert.
3. Die Gastspiele der Schauspielgesellschaft von P. Bock (1890-1914): Dieser Abschnitt widmet sich der letzten Phase der deutschen Theaterkunst in St. Petersburg, die durch Gastspielensembles geprägt war.
4. Das kulturelle Leben der deutschen Gesellschaft 1870-1914: Dieses Kapitel untersucht die letzten Versuche der deutschen Minderheit, ihre kulturelle Identität durch private Vereine und Kleintheater nach der Auflösung der Hoftruppe zu wahren.
Deutsches Theater, St. Petersburg, deutsche Gesellschaft, Theatergeschichte, Immigranten, Assimilation, Hoftheater, Privattheater, Gastspiele, Zarenreich, 18. Jahrhundert, 19. Jahrhundert, Theaterdirektion, Repertoire, Kulturleben.
Die Arbeit behandelt die zweihundertjährige Geschichte des deutschen Theaters in St. Petersburg und dessen enge Verknüpfung mit der Lebensrealität der deutschen Minderheit in der russischen Hauptstadt.
Zentrale Themen sind die soziale Struktur der deutschen Gemeinschaft, die Entwicklung des Theaterwesens (Hof- vs. Privattheater) sowie der Einfluss politischer Rahmenbedingungen auf die kulturelle Identität der deutschen Siedler.
Das Ziel ist eine wissenschaftliche Übersicht der Entwicklung des deutschen Theaters darzustellen, um die Gegebenheiten in ihrem Zusammenhang zu verdeutlichen und Entwicklungstendenzen zu interpretieren.
Es wird eine historisch-deskriptive Methode angewandt, die sich auf die Analyse von Primärliteratur (Briefe, Erinnerungen, Rezensionen) und Archivdokumente der Theaterdirektion stützt.
Der Hauptteil gliedert sich in zwei chronologische Hauptabschnitte, die das 18. und 19. Jahrhundert abdecken und die Transformation von Wandertruppen zu ständigen Institutionen beschreiben.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie deutsches Theater, St. Petersburg, Assimilation, Zarenreich, Theatergeschichte und kulturelle Identität zusammenfassen.
Die Auflösung der Hoftruppe 1890 war das Ergebnis der aufkommenden nationalistischen Politik unter Alexander III., durch welche die finanzielle Förderung des deutschen Theaters als nicht mehr zeitgemäß betrachtet wurde.
Das "Palmentheater" fungierte nach 1890 als kleiner, privater Aufführungsort des deutschen Handwerkervereins, der nach der Schließung der Hoftheaterbühne den geselligen Mittelpunkt für die deutsche Minderheit bildete.
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