Magisterarbeit, 2003
107 Seiten, Note: 2
1. Einleitung
2. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen in der Nachkriegszeit bis Mitte der 50er Jahre
2.1 Politische Entwicklung
2.2 Wirtschaftliche Entwicklung
2.3 Vom Mangel zum Konsum
2.4 Der Wandel gesellschaftlicher Grundwerte
3. Jugend und Jugendsubkulturen
3.1 Zum geschichtlichen Begriff "Jugend"
3.2 Klassifizierung der Lebensphase "Jugend"
3.3 Begriffsklärung "Jugendkultur" und "Jugendsubkultur"
3.4 Sozialwissenschaftliche Jugendtheorien
3.4.1 Die phänomenologische Gegenwartsanalyse der Jugend: Helmut Schelsky
3.4.2 Der funktionalistische Ansatz: Samuel N. Eisenstadt
3.4.3 Der handlungstheoretische Ansatz: Friedrich H. Tenbruck
4. Jugendstile in den 50er Jahren in Westdeutschland
4.1 Die Peer-Group als informelle Gruppe
4.2 Stile der Jugendkultur
4.2.1 Die Existentialisten
4.2.2 Die Teenager
4.2.3 Die Motorradjungs (Rocker)
5. Die Halbstarken der fünfziger Jahre
5.1 Vorläufer der Halbstarken in der Geschichte
5.2 Die soziale Herkunft der Halbstarken
5.3 Die Entwicklung eines eigenen Stils in Mode, Sprache und Habitus
5.4 Verhalten in der Freizeit
5.5 Das Leben in Banden
5.6 Die Reaktion der Medien auf Krawalle und Provokationen
5.7 Rock 'n' Roll und die Rolle der USA
6. Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehung und Ausprägung von Jugendkulturen in der westdeutschen Bundesrepublik der 1950er Jahre, wobei das primäre Ziel darin besteht, den Zusammenhang zwischen gesellschaftlichem Wandel und dem Entstehen jugendlicher Subkulturen am Beispiel der „Halbstarken“ aufzuzeigen.
Die soziale Herkunft der Halbstarken
Zu Beginn der 50er Jahre entstanden inmitten von Trümmerlandschaften der zerstörten Großstädte Banden von Kindern und Jugendlichen, die frei von elterlicher Kontrolle ideale Bedingungen fanden, eigene subkulturelle Gruppen zu bilden. Ein eigenes Norm- und Wertesystem entstand innerhalb dieser Gruppen. Die Erwachsenen waren zu sehr mit dem Wiederaufbau und eigenen Problemen beschäftigt, reagierten auf Ungehorsam der Kinder oft mit Schlägen und Prügelstrafen. In vielen Familien war der Vater vom Krieg nicht heim gekehrt oder wenn er nach Jahren wieder kam, war er der neuen Situation innerhalb der Familie kaum gewachsen. Zinnecker bemerkt, dass die Hälfte der "randalierenden Jugend" ohne Väter aufwuchsen. Auf diese Widersprüche und Spannungen in der Familie reagierten die Kinder und Jugendlichen mit der Flucht auf die Strasse, wo sie eine Gruppe vorfanden, mit der sie sich identifizieren können, in der sie sich Anerkennung und Respekt verschaffen konnten und die außerhalb jeglichen Zugriffs von Erwachsenen lag.
Territorial waren die jugendlichen Halbstarkencliquen eng an städtische Arbeiter- und Kleinbürger-Quartiere gebunden. Die Gruppen wurden spontan lokal gebildet, wobei das verbindende Element die gemeinsame Aneignung und Verteidigung des Wohnquartiers war.
Ca. 90 Prozent der "Halbstarken" kam aus der Arbeiterschicht, wobei der Anteil an der Gesamtheit der Jugendlichen bei nur ca. 2 Prozent lag. Mit 14 oder 15 Jahren befanden sich die Jugendlichen häufig in der Lehre oder waren nach abgeschlossener Lehre schon fest im Berufsleben. Diese Tatsache bedeutete Vorteile für diese Gruppe. Sie hatte gegenüber anderen, die noch zur Schule gingen, größere finanzielle Möglichkeiten. 1957 wurde die Fünf-Tage-Woche eingeführt. Die Arbeitszeit für Industriearbeiter pendelte sich bei 49 Stunden an fünf Tagen in der Woche ein. Damit stand den arbeitenden Jugendlichen mehr Freizeit zur Verfügung, die sie für ihre Vergnügungen nutzten. Besonders das freie Wochenende trug zu einer erheblichen Verbesserung der Freizeitgestaltung bei.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Untersuchung der westdeutschen Jugendkultur der 1950er Jahre ein und stellt die Halbstarken als zentrale, einflussreiche Subkultur sowie die Forschungsfrage zum gesellschaftlichen Wandel dar.
2. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen in der Nachkriegszeit bis Mitte der 50er Jahre: Dieser Abschnitt analysiert die politischen und wirtschaftlichen Umbrüche, einschließlich des Marshall-Plans und des Wirtschaftswunders, welche die Grundlagen für die neue westdeutsche Gesellschaft legten.
3. Jugend und Jugendsubkulturen: Hier werden theoretische Ansätze zur Jugendforschung diskutiert und Begriffe wie „Jugend“ und „Jugendkultur“ aus historischer und sozialwissenschaftlicher Sicht geklärt.
4. Jugendstile in den 50er Jahren in Westdeutschland: Dieses Kapitel untersucht verschiedene informelle Gruppierungen der 1950er Jahre, darunter Existenzialisten, Teenager und Motorradjungs, und beleuchtet die Bedeutung der Peer-Group.
5. Die Halbstarken der fünfziger Jahre: Dies ist der inhaltliche Schwerpunkt der Arbeit, der die Geschichte, soziale Herkunft, Freizeitgestaltung und die mediale Reaktion auf die Halbstarken detailliert untersucht.
6. Zusammenfassung: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse über den gesellschaftlichen Wandel, die Entstehung der Subkultur der Halbstarken und deren Einordnung in die deutsche Nachkriegsgeschichte zusammen.
Jugendkultur, Jugendsubkultur, Halbstarke, 50er Jahre, Nachkriegszeit, westdeutsche Gesellschaft, Wirtschaftswunder, Peer-Group, Rock 'n' Roll, Medien, Jugendkriminalität, Wertewandel, Arbeiterjugend, Sozialisation, Identitätsfindung
Die Arbeit untersucht die Entwicklung der Jugendkultur in der Bundesrepublik Deutschland während der 1950er Jahre, wobei der Fokus insbesondere auf der Gruppe der „Halbstarken“ und deren Beziehung zum gesellschaftlichen Wandel liegt.
Zentral sind der Einfluss von wirtschaftlichem Aufschwung und Konsum, die Rolle der Medien bei der Stigmatisierung jugendlichen Verhaltens sowie der Kontrast zwischen staatlichen Normen und jugendlicher Selbstbehauptung.
Die Arbeit geht der Frage nach, ob Zeiten ausgeprägten gesellschaftlichen Wandels das Entstehen von Jugendkulturen begünstigen und wie die Jugendlichen auf die neue politische und moralische Ordnung nach dem Nationalsozialismus reagierten.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse jugendsoziologischer Theorien und historischer Studien, um die soziokulturellen Gegebenheiten der 50er Jahre systematisch einzuordnen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung gesellschaftlicher Rahmenbedingungen, theoretische Ansätze zur Jugend, sowie eine detaillierte Analyse der Stile und Erscheinungsformen jugendlicher Gruppen und deren Konflikt mit der Erwachsenenwelt.
Wichtige Begriffe sind Jugendkultur, Halbstarke, Wirtschaftswunder, Peer-Group, Rock 'n' Roll, Medieneinfluss und gesellschaftlicher Wertewandel.
Ihre Abgrenzung von gesellschaftlichen Normen, ihre „Aufsässigkeit“, die Verwendung von Rock 'n' Roll als Ausdrucksmittel und ihre öffentliche Präsenz in Banden konfrontierten die Nachkriegsgesellschaft mit einem ihr fremden Phänomen der Nichtanpassung.
Die Medien trugen durch eine sensationslüsterne Berichterstattung maßgeblich dazu bei, die Bedeutung der Vorfälle zu überhöhen, was einerseits zu einer allgemeinen Jugenddebatte führte, andererseits aber auch die Provokation und den Widerstand der Jugendlichen zusätzlich bestärkte.
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