Examensarbeit, 2002
84 Seiten, Note: 1
1. KÖRPER UND STATUS
1.1 Grundlegende kultursoziologische Arbeiten zum Verhältnis Körper – Gesellschaft
1.2 Körperdistanzierung, ein „Verschwinden des Körpers“ in komplexen, postmodernen Gesellschaften?
1.3 Körperkult
1.3.1 „Versportlichung“ der Gesellschaft
1.3.2 Der Kult um die Jugendlichkeit
1.3.3 Schlankheitskult
1.4 Verkörperung von Weiblichkeit
1.4.1 Frauen – das „schöne Geschlecht“?
1.4.2 Androgynisierungstendenzen – Vermännlichung weiblicher Körper als Aufhebung des gesellschaftlichen Prinzips der Geschlechterdifferenz?
1.4.3 Die ästhetische Stilisierung der „Kindfrau“ und das Verschwinden des „Mutterkörpers“
1.5 Verkörperung von Männlichkeit
1.5.1 „Wahre Männlichkeit“? – Der männliche Körper in der spätmodernen Gesellschaft
1.5.2 Der männliche Körper auf dem Schönheitsmarkt
1.5.3 Der männliche Körper in der Werbung
1.5.4 Der männliche Körper in Männermagazinen – Konstruktion eines neuen Männerbildes?
2. ZUR STATUSRELEVANZ VON ATTRAKTIVITÄT
2.1 Was ist eigentlich schön?
2.2 Sozialpsychologische Studien zur Bedeutung der Attraktivität
2.2.1 Kindheit
2.2.2 Partnerwahl
2.2.3 Bewerbungen und Einstellungen
2.2.4 Weitere soziale Kontexte
2.2.5 Kritik
2.3 Kultursoziologische Betrachtungen der Statusrelevanz von Attraktivität
2.4 Was ist eigentlich Attraktivität? – Ein Definitionsversuch im Spannungsfeld zwischen körperlicher Schönheit und Darstellungskompetenz.
3. SCHLUSSBEMERKUNGEN
Die Arbeit untersucht den soziokulturellen Wandel der Bedeutung des menschlichen Körpers in der spätmodernen Gesellschaft. Das Ziel ist es, die Ursachen für den gegenwärtigen „Körperkult“ aufzuzeigen und zu analysieren, inwiefern Attraktivität einen entscheidenden Einfluss auf den sozialen Status und die Statusrelevanz von Individuen im Alltag ausübt.
1.1 Grundlegende kultursoziologische Arbeiten zum Verhältnis Körper – Gesellschaft
Eine grundlegende Arbeit hat Norbert Elias (1976, zuerst 1939) in „Über den Prozess der Zivilisation. Soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen“ verfasst, in der er aufzeigt, wie sehr die abendländische Geschichte, die als Prozess der Zivilisation erscheint, sich als „Körperformungs–Geschichte“ zeigt. Diese Arbeit macht deutlich, dass Identitätsbildung, Körperaneignung, körperliches Empfinden und Handlungsstrukturen eng miteinander verwoben sind und Änderungen in einem Teilbereich zu Veränderungen des Gesamtgeflechts führen (vgl. Rittner 1986, S. 134-135). Elias stellt anhand der von ihm zusammengestellten Zitate aus Manierenschriften, Tischzuchten und Hofordnungen des Mittelalters und der Renaissance in mittelhochdeutscher, englischer, lateinischer und französischer Sprache die für die Neuzeit typische beginnende Körperdistanzierung dar. Ein vormals als rein funktional betrachteter Körper, der sich durch Affekte und prompte Reflexe auszeichnete, wird durch immer stärker und nachdrücklicher arbeitende Rationalitätsschübe in der Geschichte immer weiter zurückgedrängt. Die Manierenschriften, die für eine kleine Minderheit des Adels verfasst wurden, strebten eine Erziehung zu einem „gesitteten“ Ess- und Trinkverhalten an. „Erzogen“ werden Hände und Füße, der Mund, die Lippen, die Augen und die Zunge. Die Distanzierung und Beherrschung des Körpers ist, so wird es bei Elias deutlich, eine Erziehung einzelner Organe und Sinne, „ein Training zur Distanzierung des physiologisch Ursprünglichen“ (Rittner 1986, S. 134). Die Geschichte der Einführung von Messer und Gabel, von Schnupf- oder Taschentüchern, deren Benutzung zunächst nur den Oberschichten vorbehalten war, dokumentiert die systematische und methodische Disziplinierung der Organe mit Werkzeugen, die sich zwischen Antrieb und Handlung oder „buchstäblich zwischen Hände und Zähne schieben“ (Rittner 1986, S. 135).
1. KÖRPER UND STATUS: Untersuchung der historischen und soziologischen Entwicklung des Körperverhältnisses, insbesondere die Paradoxie zwischen Körperaufwertung und Verdrängung.
1.1 Grundlegende kultursoziologische Arbeiten zum Verhältnis Körper – Gesellschaft: Analyse klassischer Ansätze, wie etwa von Norbert Elias, zur Körperformungs-Geschichte und der Zivilisation.
1.2 Körperdistanzierung, ein „Verschwinden des Körpers“ in komplexen, postmodernen Gesellschaften?: Diskussion der Spannung zwischen Virtualität und der gleichzeitigen Bedeutung der Körperthematisierung.
1.3 Körperkult: Darstellung des modernen „Körperbooms“ und der bewussten Gestaltung des Körpers in der Spätmoderne.
1.3.1 „Versportlichung“ der Gesellschaft: Erläuterung der sozialen Verpflichtung zur Sportlichkeit als Mittel zur Identitätsarbeit.
1.3.2 Der Kult um die Jugendlichkeit: Analyse des Wunsches nach ewigem Jungsein als Abwehrmechanismus gegen die Endlichkeit.
1.3.3 Schlankheitskult: Untersuchung der ökonomischen und sozialen Hintergründe der Idealisierung eines schlanken Körpers.
1.4 Verkörperung von Weiblichkeit: Einbindung des weiblichen Körperideals in den aktuellen gesellschaftlichen Kontext.
1.4.1 Frauen – das „schöne Geschlecht“?: Diskurs über die traditionelle und moderne Zuschreibung von Schönheit an das weibliche Geschlecht.
1.4.2 Androgynisierungstendenzen – Vermännlichung weiblicher Körper als Aufhebung des gesellschaftlichen Prinzips der Geschlechterdifferenz?: Analyse der Annäherung an maskuline Schönheitsideale.
1.4.3 Die ästhetische Stilisierung der „Kindfrau“ und das Verschwinden des „Mutterkörpers“: Thematisierung der Abkehr von reifen, mütterlichen Körperbildern.
1.5 Verkörperung von Männlichkeit: Beleuchtung der zunehmenden Ästhetisierung des männlichen Körpers.
1.5.1 „Wahre Männlichkeit“? – Der männliche Körper in der spätmodernen Gesellschaft: Diskussion der Krise der Männlichkeit und des mythopoetischen Diskurses.
1.5.2 Der männliche Körper auf dem Schönheitsmarkt: Analyse der steigenden Relevanz von Schönheit für den beruflichen und privaten Erfolg des Mannes.
1.5.3 Der männliche Körper in der Werbung: Untersuchung der Inszenierung des männlichen Körpers als Erfolgs- und Leistungssymbol.
1.5.4 Der männliche Körper in Männermagazinen – Konstruktion eines neuen Männerbildes?: Analyse der in Lifestyle-Magazinen propagierten Männlichkeitskonzepte.
2. ZUR STATUSRELEVANZ VON ATTRAKTIVITÄT: Untersuchung der sozialen Auswirkungen, die von körperlicher Schönheit auf den Status eines Menschen ausgehen.
2.1 Was ist eigentlich schön?: Reflexion über die Schwierigkeit einer objektiven Schönheitsdefinition angesichts kultureller und historischer Variabilität.
2.2 Sozialpsychologische Studien zur Bedeutung der Attraktivität: Zusammenfassung psychologischer Erkenntnisse über den Einfluss von Attraktivität auf die soziale Bewertung.
2.2.1 Kindheit: Auswirkungen der physischen Erscheinung eines Kindes auf die Beurteilung durch Erwachsene.
2.2.2 Partnerwahl: Analyse der geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Bedeutung körperlicher Attraktivität für die Partnerwahl.
2.2.3 Bewerbungen und Einstellungen: Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Aussehen und beruflicher Erfolgschance.
2.2.4 Weitere soziale Kontexte: Analyse der Auswirkungen von Attraktivität auf rechtliche und soziale Interaktionen.
2.2.5 Kritik: Reflexion über die methodischen Grenzen und den Theoriebezug der sozialpsychologischen Attraktivitätsforschung.
2.3 Kultursoziologische Betrachtungen der Statusrelevanz von Attraktivität: Soziologische Einordnung der Attraktivität als Mittel zur Festigung von Macht und persönlicher Bindung.
2.4 Was ist eigentlich Attraktivität? – Ein Definitionsversuch im Spannungsfeld zwischen körperlicher Schönheit und Darstellungskompetenz.: Zusammenfassende Definition unter Einbeziehung von Physis, Authentizität und Charisma.
3. SCHLUSSBEMERKUNGEN: Zusammenfassendes Fazit zur Bedeutung des Körperkults und der zukünftigen Entwicklungen in Bezug auf Bioethik und Körperkonzepte.
Körperkult, Statusrelevanz, Attraktivitätsforschung, Schönheitsideal, Soziologie, Gender, Sozialpsychologie, Körperinszenierung, Selbststilisierung, Identität, Männlichkeit, Weiblichkeit, Habitus, Schlankheitskult, Körperdisziplinierung
Die Arbeit befasst sich mit der soziokulturellen Bedeutung des menschlichen Körpers in der spätmodernen Gesellschaft und wie dieser als Träger von Status und Identität fungiert.
Im Mittelpunkt stehen die Themen Körperkult, Geschlechterrollen (Weiblichkeit und Männlichkeit), die soziale Bedeutung von Attraktivität sowie die Mechanismen der Selbstinszenierung im Alltag.
Das Ziel ist es, die Ursachen für den neuen „Körperkult“ zu identifizieren und verständlich zu machen, warum das Streben nach Attraktivität in der heutigen Gesellschaft eine so hohe soziale Relevanz besitzt.
Die Arbeit stützt sich auf eine kultursoziologische und sozialpsychologische Analyse unter Einbeziehung empirischer Studien sowie der Literaturrecherche zu den Themen Körperdisziplinierung und Identitätsarbeit.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Körperaufwertung und -verdrängung (Kapitel 1) und die Untersuchung der Statusrelevanz von Attraktivität durch soziologische und psychologische Perspektiven (Kapitel 2).
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Körperkult, Statusrelevanz, Attraktivität, Schönheitsideal, Sozialpsychologie, Habitus, Selbststilisierung und Geschlechterrollen.
Der Habitus-Begriff dient als theoretisches Fundament, um zu erklären, wie schichtspezifische Unterschiede sich körperlich manifestieren und zur sozialen Abgrenzung im Alltag beitragen.
Lifestyle-Magazine definieren Männlichkeit heute zunehmend über den „richtigen“ und „gepflegten“ Körper, was eine Abkehr vom klassischen Beschützer-Bild und eine Annäherung an die spätmoderne Körperlogik darstellt.
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