Examensarbeit, 2003
89 Seiten, Note: 1,3
1. Vorwort
2. Einleitung
3. Methodische Vorgehensweise – Hermeneutik
4. Begriffsfindung
5. Gesellschaftliche Überlegungen und der Begriff der Wissenschaft
5.1 Prägende Aspekte des Denkens im angehenden 21.Jahrhundert: Individualisierung, Flexibilität und Utilitarismus
5.2 Zum Begriff der Geisteswissenschaft aus anthroposophischer Sichtweise
6. Anthroposophisches Menschenbild als Grundlage pädagogischen Handelns
6.1 Der Mensch aus Sicht der Anthroposophie
6.2 Viergliederung des menschlichen Organismus
6.3 Menschliche Entwicklung in Jahrsiebten
6.4 Die Idee der Reinkarnation in der anthroposophischen Erkenntnistheorie
6.5 Zum Zusammenhang von Reinkarnation und Karma
6.6 Die zwölf Sinne
6.7 Begabung und Behinderung aus Sicht der Anthroposophie
6.8 Anthroposophische Erklärungsansätze für ausgesuchte Behinderungsformen
7. Basis für ethische Begründungen im Kontext aktueller Diskussionen der Biogenetik und Implikation rechtlicher Rahmenbedingungen:
7.1 Pränataldiagnostik
7.2 Präimplantationsdiagnostik
7.3 Leidargumentation und gesellschaftlicher Einfluss
7.4 Pränataldiagnostik und Schwangerschaftsabbruch: Der Paragraph 218 und die medizinische Indikation als Möglichkeit selektiven Aborts.
7.5 Zum Zusammenhang aktueller medizinischer Haltung und Eugenik:
7.6 Exkurs: Zum Person-Begriff der Bioethik: Peter Singer
7.7 Zur Problematik des Person-Begriffs
8. Begründung einer Ethik aus anthroposophischem Menschenbild
9. Schnittstellen zu einer Ethik aus sonderpädagogischer Sicht. Ein kritisches Resumée
Die Arbeit untersucht die ethischen Herausforderungen, die sich aus der modernen Biotechnologie und einem utilitaristisch geprägten Menschenbild ergeben, und setzt ihnen die anthroposophische Heilpädagogik als ganzheitliche Alternative gegenüber.
6.2 Viergliederung des menschlichen Organismus
Die Anthroposophie sieht den menschlichen Organismus als Wesenseinheit von vier Leibern oder vier Gliedern (vgl. z.B. STEINER, 1992, S.10ff.): Dem physischen Leib, dem Ätherleib (auch Lebensleib), dem Astralleib (auch Empfindungsleib) und dem Ich-Leib. Diese Wesensglieder werden auch beschrieben als das Physische, Lebendige, Beseelte und Durchgeistigte (vgl. GLÖCKLER, 1999, S. 31). Diese Viergliederung stellt die Ganzheitlichkeit des Menschen heraus, eine einzelheitliche Betrachtung, wie sie beispielsweise bei reiner Beschäftigung mit dem Körper, dem physischen Leib eines Menschen vorgenommen wird, kann aus anthroposophischem Menschenbild nie helfen, den Menschen in seiner Ganzheit zu erfassen.
„Will man sich der Wirklichkeit nähern, insbesondere der Wirklichkeit der Menschennatur, dann muß man sich klar sein, daß alle Gliederung vorgenommen wird in einem Einheitlichen; würde man nur auf das abstrakt Einheitliche gehen, so würde man überhaupt nichts kennenlernen.“ (STEINER, 1998, S.123)
Rudolf Steiner bringt die vier Leiber und die damit in Zusammenhang stehenden Qualitäten in Verbindung mit den vier Aggregatzuständen.
1. Vorwort: Der Autor erläutert seine persönliche Motivation, sich mit der anthroposophischen Heilpädagogik auseinanderzusetzen, ausgehend von einer kritischen Distanz hin zu einer positiven Einschätzung des ganzheitlichen Menschenbildes.
2. Einleitung: Die Diskussion um Stammzellenforschung und biogenetische Forschung wird als Anlass genommen, um den Einfluss utilitaristisch-ökonomischer Argumente auf das Verständnis von Behinderung und menschlicher Würde zu hinterfragen.
3. Methodische Vorgehensweise – Hermeneutik: Der Text beschreibt die Wahl der hermeneutischen Methode als notwendigen Zugang, um in einem spiralförmigen Prozess ein tieferes Verständnis für anthropologische Grundannahmen zu erlangen.
4. Begriffsfindung: Hier werden die zentralen Termini wie Heilpädagogik, Anthroposophie und Utilitarismus definiert, um das Verständnis für die anschließende kritische Diskussion zu schärfen.
5. Gesellschaftliche Überlegungen und der Begriff der Wissenschaft: Es wird analysiert, wie moderne Wissenschaftlichkeit als Zivilisationshaltung Individualismus fördert, aber gleichzeitig durch technokratische Ansätze eine Geringschätzung menschlichen Lebens riskiert.
6. Anthroposophisches Menschenbild als Grundlage pädagogischen Handelns: Das Kapitel führt in das anthroposophische Konzept von Leib, Seele und Geist sowie in die Entwicklung des Menschen in Jahrsiebten ein und betont die Bedeutung individueller Entwicklung.
7. Basis für ethische Begründungen im Kontext aktueller Diskussionen der Biogenetik und Implikation rechtlicher Rahmenbedingungen: Eine Untersuchung ethischer Grenzfragen, wobei insbesondere die Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik hinsichtlich ihrer eugenischen Implikationen kritisch beleuchtet werden.
8. Begründung einer Ethik aus anthroposophischem Menschenbild: Der Autor skizziert den radikalen ethischen Individualismus Rudolf Steiners als Leitlinie, die das Gewissen des Individuums in den Mittelpunkt stellt, anstatt sich auf starre Verhaltenskodizes zu stützen.
9. Schnittstellen zu einer Ethik aus sonderpädagogischer Sicht. Ein kritisches Resumée: Das abschließende Kapitel reflektiert die Gemeinsamkeiten zwischen anthroposophischer Heilpädagogik und phänomenologischer Sonderpädagogik und plädiert für eine Ethik der Begegnung.
Anthroposophie, Heilpädagogik, Utilitarismus, Ethik, Menschenbild, Pränataldiagnostik, Präimplantationsdiagnostik, Eugenik, Reinkarnation, Karma, Menschenwürde, Sonderpädagogik, Hermeneutik, Bioethik, Behinderung.
Die Arbeit untersucht kritisch die ethischen Fragestellungen, die sich durch den medizinischen Fortschritt und ein zunehmend utilitaristisch geprägtes Gesellschaftsbild ergeben, und stellt dem anthroposophische Ansätze der Heilpädagogik gegenüber.
Die zentralen Felder umfassen die Bioethik, den Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik-Komplex, die Kritik an einem rein ökonomisch-utilitaristischen Menschenbild sowie die anthroposophische Menschenkunde als alternative Grundlage für heilpädagogisches Handeln.
Ziel ist es, Antworten anthroposophischer Heilpädagogik auf die ethischen Herausforderungen moderner Medizin und Gesellschaft aufzuzeigen und eine ethische Basis zu etablieren, die die Würde behinderter Menschen unabhängig von ihrer utilitaristischen Verwertbarkeit schützt.
Die Arbeit nutzt die Hermeneutik. In einem hermeneutischen Zirkel werden unterschiedliche anthropologische Ansätze und Texte analysiert und in Beziehung gesetzt, um zu einem tieferen, höherwertigen Verständnis zu gelangen.
Im Hauptteil werden das anthroposophische Menschenbild (Viergliederung, Reinkarnation, Karma, Sinneslehre) analysiert, ethische Probleme der modernen Gentechnik diskutiert und die Bedeutung einer werteorientierten Pädagogik herausgearbeitet.
Die wichtigsten Schlagworte sind Anthroposophie, Heilpädagogik, Utilitarismus, Bioethik, Pränataldiagnostik und Menschenwürde.
Der Autor versteht den Begriff als Abkehr vom defizitorientierten Behinderungsbegriff, da er die Individualität und die Entwicklungsfähigkeit des Menschen in einer ganzheitlichen, systemischen Sichtweise betont.
Die PID wird als Form positiver Eugenik abgelehnt, da sie auf die Selektion der „fittesten“ Embryonen abzielt und die verworfenen Embryonen als biologisches Material degradiert, ohne eine therapeutische Perspektive für den betroffenen Embryo zu bieten.
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