Examensarbeit, 2002
101 Seiten, Note: 1,0
1 EINLEITUNG
1.1 Vorhaben
1.2 Walser, ein "Shakespeare des Prosastücks"
1.2.1 Probleme bei der Gattungszuordnung
1.2.2 Walser als "Zeitungslieferant"
1.2.3 Das Prosastück als Formprinzip
1.3 Erste Annäherung an den Spaziergang
1.3.1 Die kulturgeschichtliche Entwicklung des Spaziergangs
1.3.2 Schelles Theorie des Spaziergangs
1.3.3 Gehen und Spazieren in der Literatur
2 DER SPAZIERGANG IN WALSERS FRÜHER PROSA
2.1 "Der Greifensee"
2.1.1 Textanalyse
2.1.2 Baßlers Interpretationsansatz
2.1.3 Ergebnis
2.2 Elisabetta Niccolini: Der Spaziergang als poetologisches Konzept
2.3 Weitere Texte aus Walsers Frühwerk
2.3.1 "Fritz Kochers Aufsätze"
2.3.2 "Ein Maler"
2.3.3 "Simon"
2.4 Zusammenfassung
3 BERLIN: SPAZIEREN IN DER GROßSTADT
3.1 Robert Walser in Berlin
3.2 Exkurs: Großstadtliteratur und die Figur des Flaneurs
3.2.1 Der Schriftsteller als Flaneur in der französischen Großstadtdichtung
3.2.2 Die Großstadt und der Flaneur in der deutschen Literatur
3.3 Die Erzählfigur des Spaziergangs in Walsers Berliner Kurzprosa
3.3.1 Walser, ein Flaneur in Berlin?
3.3.2 "Guten Tag, Riesin!" und "Fabelhaft"
3.3.3 "Der Park" und "Tiergarten"
3.3.4 "Friedrichstraße", "Berlin W" und "Großstadtstraße"
3.4 Zusammenfassung
4 DER SPAZIERGANG ALS ZENTRUM DER BIELER PROSA
4.1 Der Umbruch in der Bieler Dichtung
4.2 Die Erzählfigur des Spaziergangs in Walsers Bieler Prosa
4.2.1 Zum Beispiel: "Fußwanderung"
4.2.2 Die Wiederholung des Immergleichen
4.2.3 Sprachwucherung
4.2.4 Der Blick hinter die Idylle
4.2.5 Zusammenfassung
4.3 "Der Spaziergang"
4.3.1 Vorbemerkung
4.3.2 Analyse
4.3.3 Ergebnis
5 DER SPAZIERGANG ALS SCHREIBVERFAHREN
5.1 Gegenüberstellung: Untersuchungsergebnis und Interpretationsansätze
5.2 Die Berner Prosa als Interpretationsschlüssel
5.2.1 Zum Beispiel: "Zückerchen"
5.2.2 Schreiben um des Schreibens Willen
5.3 Ergebnis: Schreiben als Spaziergang
Die Arbeit untersucht die Bedeutung und Funktion der Erzählfigur des Spaziergangs in Robert Walsers Kurzprosa. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwiefern der Spaziergang nicht nur als inhaltliches Motiv fungiert, sondern wesentlich die formale Struktur der Texte sowie den schöpferischen Schreibprozess selbst reflektiert.
1.1 Vorhaben
Wie viele Zeugnisse belegen, war Robert Walser selbst ein leidenschaftlicher Spaziergänger. Carl Seelig, der die letzten zwanzig Lebensjahre Walsers zu dessen Wandergefährten wurde, und seine Erinnerungen an die gemeinsamen Spaziergänge in seinem Buch "Wanderungen mit Robert Walser" aufgeschrieben hat, nennt ihn den "König der Spaziergänger, ein wahres Bummelgenie". Georg Kurscheidt spricht gar vom Spazieren als einer "Existenzform" Walsers, und Walser selbst lässt seine Spaziergängerfigur in seinem sicher bekanntesten Prosastück "Der Spaziergang" sagen: "Ohne Spazieren wäre ich tot". Walsers Leidenschaft für den Spaziergang spiegelt sich aber vor allem in seinem dichterischem Schaffen wider. Von seiner ersten Veröffentlichung "Der Greifensee", die einen Spaziergang schildert, über die Stadtspaziergänge der Berliner Prosa und den zahlreichen Bieler Spaziergangstexten bis hin zu den späten Texten der Heilanstalt Waldau bleibt das Spazieren ein zentrales Motiv in Walsers Dichtung.
In dieser Arbeit soll nun untersucht werden, was für eine Bedeutung die Erzählfigur des Spaziergangs in Walsers Kurzprosa hat. Hier kann im Voraus festgestellt werden, dass der Spaziergang in Walsers Texten nicht nur als Motiv bedeutsam ist, sondern wesentlich auch die Form der Texte prägt. Daher soll hier zum einen das Spaziergangsmotiv in seinen unterschiedlichen Ausprägungen in Walsers kleinen Prosatexten untersucht werden, zum anderen wird ein Schwerpunkt auf der genauen formalen Analyse einzelner Prosastücke liegen, um zu überprüfen, wie die Erzählfigur des Spaziergangs sich darin spiegelt.
1 EINLEITUNG: Definiert das Vorhaben, das Spaziergangsmotiv in Walsers Werk über dessen Schaffensphasen hinweg zu untersuchen und die Gattungsfragen der "kleinen Prosa" zu klären.
2 DER SPAZIERGANG IN WALSERS FRÜHER PROSA: Analysiert frühe Texte wie "Der Greifensee", in denen das Gehen bereits als Reflexion über den Schreibprozess dient.
3 BERLIN: SPAZIEREN IN DER GROßSTADT: Untersucht die Berliner Texte, in denen Walser das Großstadtleben aufgreift und das französische Konzept des Flaneurs parodistisch adaptiert.
4 DER SPAZIERGANG ALS ZENTRUM DER BIELER PROSA: Beleuchtet die Bieler Phase, in der das Spaziergangsmotiv zur zentralen, teils künstlich-idyllischen Strukturform wird.
5 DER SPAZIERGANG ALS SCHREIBVERFAHREN: Fasst zusammen, dass Walsers Schreiben selbst als "Spaziergang" (assoziativ, ziellos, experimentell) verstanden werden kann.
Robert Walser, Spaziergang, Kurzprosa, Schreibprozess, Flaneur, Großstadt, Bieler Prosa, Berliner Prosa, Literatur, Erzählfigur, Literaturtheorie, Schreibverfahren, Gattungszuordnung, kleine Form, Idyll.
Die Arbeit analysiert die Funktion und Bedeutung des Spaziergangs als zentrale Erzählfigur und Strukturprinzip in Robert Walsers Kurzprosa.
Die Hauptthemen umfassen die Parallelität von körperlichem Gehen und schriftstellerischem Schreiben, die städtische Wahrnehmung, das Idyll und dessen Dekonstruktion sowie die Gattungsbestimmung von Walsers Texten.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Walser das Spaziergangsmotiv über verschiedene Schaffensphasen nutzt, um seinen eigenen Akt des Schreibens zu reflektieren und zu parodieren.
Die Arbeit nutzt eine chronologische Textanalyse, die philologische Methoden mit literaturwissenschaftlichen Ansätzen zur Gattungs- und Motivgeschichte verbindet.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Frühwerke, der Berliner Großstadttexte sowie der Bieler Prosa, um eine Entwicklung in der Handhabung des Motivs aufzuzeigen.
Robert Walser, Spaziergang, Schreibprozess, Flaneur, kleine Form, Großstadt, poetologisches Konzept.
In Berlin nutzt Walser das Motiv des Flaneurs zur Auseinandersetzung mit der Hektik und Anonymität der Metropole, während in den Bieler Texten das Motiv zur idealisierten, oft künstlichen Idyllen-Konstruktion wird.
Es beschreibt Walsers assoziatives, zielloses und experimentelles Schreibverfahren, bei dem der Prozess des Erzählens wichtiger ist als ein festes inhaltliches Ziel.
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