Magisterarbeit, 2001
162 Seiten, Note: 1,3
ABKÜRZUNGS VERZEICHNIS
EINLEITUNG 1
1 VON FORMEN, FUNKTIONEN UND BEGRIFFEN DER ZENSUR 3
2 GESCHICHTE DER ZENSUR 6
2.1 VON DER ANTIKE BIS ZUR AUFKLÄRUNG 6
2.2 VON DER AUFKLÄRUNG BIS ZUR FRÜHEN MODERNE 16
3 GESETZLICHE REGELUNGEN 27
3.1 FREIHEITSBESTIMMENDE RECHTE 28
3.1.1 MEINUNGS- UND INFORMATIONSFREIHEIT 29
3.1.2 RUNDFUNK-, FILM- UND PRESSEFREIHEIT 30
3.1.3 KUNST- UND WISSENSCHAFTSFREIHEIT 31
3.2 FREIHEITSBESCHRÄNKENDE REGELUNGEN 33
3.2.1 ALLGEMEINE GESETZE 34
3.2.2 RECHT DER PERSÖNLICHEN EHRE 35
3.2.3 GESETZLICHE BESTIMMUNGEN ZUM SCHUTZ DER JUGEND 35
3.2.3.1 Gesetz zum Schutze der Jugend in der Öffentlichkeit 38
3.2.3.2 Gesetz über die Verbreitung jugendgefährdender Schriften 43
3.2.4 STRAFGESETZBUCH 47
4 INSTITUTIONALISIERTE KONTROLLEINRICHTUNGEN 57
4.1 BUNDESPRÜFSTELLE FÜR JUGENDGEFÄHRDENDE SCHRIFTEN 57
4.2 FREIWILLIGE SELBSTKONTROLLE DER FILMWIRTSCHAFT 60
5 ZENSURPRAXIS IN DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND 65
5.1 VON TRÜMMERFRAUEN, WIRTSCHAFTSWUNDERN UND EINER HALBSTARKEN SÜNDERIN 67
5.2 VON EICHMANN UND DER APO IM SPIEGEL DER SEXUELLEN REVOLUTION 77
5.3 VON TERRORISMUS , "MESCALERO", OSTPOLITIK UND KRISEN 88
5.4 VON KONSERVATIVE MONOTONIE, VIDEOGEWALT UND SUBVERSIVEN ÄRZTEN 97
5.5 VON NEONAZIS , COMICVERFOLGUNG, COMPUTERSPIELEN UND INTERNET 107
RESÜMEE 121
Diese Magisterarbeit untersucht die historisch-theoretischen Grundlagen sowie die konkrete Praxis staatlicher Zensur und medienrechtlicher Kontrolle in der Bundesrepublik Deutschland. Ziel ist es, die komplexen Wechselwirkungen zwischen gesellschaftlichem Wertewandel, gesetzlicher Regulierung und zensorischen Maßnahmen über fünf Jahrzehnte hinweg zu analysieren und deren Bedeutung für die Meinungsfreiheit aufzuzeigen.
Von der Antike bis zur Aufklärung
Ursprünglich besaß das Verbot als Vorläufer der Zensur im weitesten Sinne eine magisch sakrale Bedeutung. Durch das reinigende Verbrennen (das gemeinschaftsschädigende Gut wurde zumeist öffentlich vernichtet) wurde eine Versöhnung mit den Göttern angestrebt. Zudem spielte immer auch der machtpolitischer Herrschaftsdrang eine wichtige Rolle beim Verbot unerwünschter Äußerungen.
Bereits Platon (427 - 348/47 v.Chr.) warnte in seiner Politeia vor einem Sittenverfall durch schlechte Vorbilder und vor der Gefahr, der besonders junge Menschen ausgesetzt sind. Das Verbot entsprechender Schriften und anfechtbarer Textstellen hielt Platon für das geeignetste Mittel, die Verankerung unerwünschter Wertvorstellungen zu verhindern: "Wenn wir sie irgend überzeugen wollen, daß nie ein Bürger den anderen feind zu sein pflegt [...], so muß auch dergleichen schon von Anfang an zu den Kindern gesagt werden von [...] allen älteren Personen, und auch die Dichter muß man nötigen, in demselben Sinne ihre Reden einzurichten. Aber [...] diese sind nicht zuzulassen in unserer Stadt, mag nun ein verborgener Sinn darunterstecken oder auch keiner."
Der Freiheitsbegriff einer rein mündlichen Kultur unterscheidet sich von dem einer Schriftkultur. Ist das Denken in ersterer hauptsächlich öffentlich, so erlangt Information in einer Schriftkultur eine neue Qualität. Kommunikation mittels Bild, Schrift oder anderen Medien kann das Verhältnis von Menschen und Gesellschaften verändern und zu Interessenkonflikten führen. Solche Ängste finden sich in vielen schriftsprachlichen Kulturen, so auch im alten China, wo um 250 v.Chr. Kaiser Chi Huang Ti die Analekten des Konfuzius zerstören, Hunderte von Schülern lebendig begraben und alle Bücher verbrennen ließ, nur weil sie sich mit der Lehre des Konfuzius beschäftigten.
1 VON FORMEN, FUNKTIONEN UND BEGRIFFEN DER ZENSUR: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe der Zensurforschung und grenzt verschiedene Formen zensorischer Maßnahmen voneinander ab, um ein theoretisches Fundament für die Arbeit zu schaffen.
2 GESCHICHTE DER ZENSUR: Hier wird die historische Genese zensorischer Eingriffe von der Antike über das Mittelalter bis zur Aufklärung und frühen Moderne nachgezeichnet.
3 GESETZLICHE REGELUNGEN: Dieser Teil analysiert die juristischen Rahmenbedingungen der Bundesrepublik Deutschland, insbesondere die Freiheitsrechte des Grundgesetzes und deren Einschränkungen durch Jugendschutzgesetze und das Strafgesetzbuch.
4 INSTITUTIONALISIERTE KONTROLLEINRICHTUNGEN: Die Arbeit beleuchtet die Rolle und Funktionsweise staatlicher Kontrollinstanzen wie der Bundesprüfstelle und der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft.
5 ZENSURPRAXIS IN DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND: Das Hauptkapitel untersucht die tatsächliche Anwendung staatlicher Zensurmaßnahmen in der BRD über fünf Jahrzehnte, gegliedert in Dekaden und gesellschaftliche Themenfelder.
Zensur, Meinungsfreiheit, Jugendschutz, Grundgesetz, Medienkontrolle, Strafrecht, Bundesprüfstelle, Filmzensur, Gesellschaftswandel, Indizierung, Pressefreiheit, Wertewandel, Kunstfreiheit, Staatliche Kontrolle, Medienrecht
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entstehung und der praktischen Anwendung staatlicher Zensurmaßnahmen in der Bundesrepublik Deutschland sowie deren rechtlichen und gesellschaftlichen Hintergründen.
Die zentralen Themen sind die historischen Wurzeln der Zensur, die rechtliche Ausgestaltung der Meinungs- und Pressefreiheit im Grundgesetz, der staatliche Jugendschutz und die Kontrolle medialer Inhalte.
Das primäre Ziel ist es, die Wechselwirkung zwischen staatlichen Eingriffen in die Freiheit und dem gesellschaftlichen Wertewandel seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland interdisziplinär zu erforschen.
Die Arbeit verfolgt einen interdisziplinären Ansatz, der historische, soziologische, publizistische und rechtswissenschaftliche Erkenntnisse zusammenführt, um ein Gesamtbild der Zensurentwicklung zu zeichnen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historisch-theoretische Fundierung und eine empirische Analyse der Zensurpraxis in der BRD, wobei die Praxis chronologisch nach Dekaden und verschiedenen gesellschaftlichen Problemfeldern beleuchtet wird.
Wichtige Begriffe sind Zensurverbot, Jugendschutz, Art. 5 GG, Indizierung, Medienkontrolle und staatliche Freiheitseingriffe.
Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften wird als zentrales institutionalisiertes Kontrollorgan analysiert, dessen Entscheidungspraxis im Kontext des Wertewandels und der sich verändernden gesellschaftlichen Akzeptanz von Medieninhalten steht.
Es dient als prominentes Fallbeispiel für die politische Dimension der Meinungsfreiheit und verdeutlicht, wie staatliche Eingriffe in die Pressefreiheit zu tiefgreifenden gesellschaftlichen Debatten und staatsrechtlichen Krisen führen können.
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