Examensarbeit, 1995
53 Seiten, Note: sehr gut
1 EINLEITUNG
1.1 AUFBAU DES ERSTEN TEILS
1.2 AUFBAU DES ZWEITEN TEILS
2 TRIEBKRAFT IN LEHRBÜCHERN
3 BEHANDLUNG DER TRIEBKRAFT IN DER LITERATUR
3.1 DER FEHLER DES ENERGIEPRINZIPS
3.2 WELCHE ROLLE SPIELT DIE ENERGIE BEIM ELEMENTARPROZEß
4 ALLGEMEINES ZUR BEFRAGUNG
4.1 GRUNDGESAMTHEIT UND STICHPROBE
4.2 ALLGEMEINE FRAGEN
4.2.1 Die Frage 1 nach dem "Dienstalter"
4.2.2 Die Frage 2 nach dem Gesamteindruck der Chemie-Kompetenz der Durchschnittsabiturienten
5 BEFRAGUNG ZUM THEMA 'TRIEBKRAFT' BZW. 'RICHTUNG CHEMISCHER REAKTIONEN'
5.1 ERGEBNISSE
6 TRIEBKRAFT-KONSEQUENZEN FÜR DEN UNTERRICHT
6.1.1 Räumliche Verteilung
6.1.2 Energetische Verteilung
6.1.3 Quantitative Vertiefung
6.1.4 Einführung der freien Gibbs-Enthalpie
6.2 ANWENDUNG DES QUALITATIVEN ENTROPIEKONZEPTS AUF VERSCHIEDENE CHEMISCHE VORGÄNGE
6.2.1 Auflösung eines Stoffes
6.2.2 Endotherme Vorgänge
6.2.3 Besonders große Triebkraft
6.2.4 Antreiben von antriebslosen Reaktionen
6.3 FAZIT
7 MWG-HERLEITUNG IN LEHRBÜCHERN
8 DIE DISKUSSION UM DIE HERLEITUNG DES MASSENWIRKUNGSGESETZES
8.1 ELEMENTARE STOßPROZESSE
8.2 FAZIT
9 BEFRAGUNG ZUR HERLEITUNG DES MASSENWIRKUNGSGESETZES
9.1 ERGEBNISSE
10 KONSEQUENZEN FÜR DEN UNTERRICHT
10.1 FAZIT
11 WARUM LAUFEN (CHEMISCHE) VORGÄNGE SPONTAN AB? THEORIE.
11.1 DIFFUSION UND DISSIPATION
11.2 DIE ANZAHL DER REALISIERUNGSMÖGLICHKEITEN
11.3 ENTROPIE
11.4 DAS SYSTEM IN ISOTHERMER UMGEBUNG
11.5 DIE WAHRSCHEINLICHKEIT EINES (MIKRO-)ZUSTANDES
11.6 ZUSTANDSWAHRSCHEINLICHKEIT, ENTARTUNG UND FREIE ENERGIE
11.7 DIE RECHNUNG FÜR KONSTANTEN DRUCK : FREIE GIBBS-ENTHALPIE
12 WIE KOMMT DAS MWG ZUSTANDE?
12.1 EINE ALTERNATIVE HERLEITUNG DES MWG
Die Arbeit untersucht kritisch die in der gymnasialen Oberstufe verbreiteten Erklärungsmodelle für das chemische Gleichgewicht sowie die Herleitung des Massenwirkungsgesetzes (MWG) und deckt didaktische Fehlkonzepte auf.
3.1 Der Fehler des Energieprinzips
Die Vorstellung, die in den Lehrbüchern implizit oder auch explizit bemüht wird, um einen spontanen Prozeß zu charakterisieren, geht von der Analogie aus, daß ein Körper in einem Potentialfeld in Richtung abnehmender potentieller Energie beschleunigt wird.
Dabei ist interessant, daß man sich über den Verbleib des Körpers keine Gedanken mehr machen darf, ohne Schwierigkeiten zu bekommen: Eine Kugel rollt spontan einen Berg herunter. Richtig. Danach hat sie allerdings kinetische Energie. So eine Kugel rollt genauso spontan wieder einen Berg hinauf.
Die Vorstellung, Energieabnahme sei Triebkraft für spontane Vorgänge, ist nicht mit dem Energieerhaltungsprinzip vereinbar. Energie kann nicht verloren gehen. Also ist jede Energieabgabe eines Systems automatisch eine Energieaufnahme eines anderen Systems (der Umgebung). Tatsächlich wird Energie bei spontanen Vorgängen nur zwischen einem System und einem anderen System umverteilt (und das nicht einmal immer). Die Frage, warum das bei einem Vorgang geschieht, ist zu erklären (und keineswegs selbst seine eigene Erklärung, wie es das Energieprinzip suggeriert). Das Energieprinzip ist also keineswegs "unvollständig" zur Erklärung der Triebkraft von Reaktionen, sondern ungeeignet.
Im Theoriekapitel (s. Anhang) wurde ja gezeigt, daß die Zahl der möglichen Zustände Ω die Schlüsselgröße ist. Es folgt nun einige intuitiv ansprechendere Bebilderung, die mit der theoretischen Behandlung nicht überall deckungsgleich ist.
1 EINLEITUNG: Darstellung der Problematik und Zielsetzung der Arbeit, insbesondere die Kritik an der kinetischen Herleitung des MWG.
2 TRIEBKRAFT IN LEHRBÜCHERN: Synopse der gängigen Schulbuchdarstellungen zur Triebkraft spontaner Reaktionen.
3 BEHANDLUNG DER TRIEBKRAFT IN DER LITERATUR: Kritische Auseinandersetzung mit der Vorstellung eines Energie-Minimums als alleinigem Triebfaktor.
4 ALLGEMEINES ZUR BEFRAGUNG: Methodische Erläuterungen zur durchgeführten Lehrerbefragung und deren Stichprobe.
5 BEFRAGUNG ZUM THEMA 'TRIEBKRAFT' BZW. 'RICHTUNG CHEMISCHER REAKTIONEN': Auswertung der Daten zur praktizierten Unterrichtsmethode bezüglich chemischer Triebkraft.
6 TRIEBKRAFT-KONSEQUENZEN FÜR DEN UNTERRICHT: Skizzierung eines fachlich fundierten, anschaulichen Erklärungsmodells für den Unterricht.
7 MWG-HERLEITUNG IN LEHRBÜCHERN: Zusammenfassung der verschiedenen Herleitungsansätze des Massenwirkungsgesetzes in gängigen Lehrwerken.
8 DIE DISKUSSION UM DIE HERLEITUNG DES MASSENWIRKUNGSGESETZES: Theoretische Analyse, warum die kinetische Herleitung des MWG oft auf falschen Prämissen beruht.
9 BEFRAGUNG ZUR HERLEITUNG DES MASSENWIRKUNGSGESETZES: Diskussion der Umfrageergebnisse zur Herleitungspraxis des MWG.
10 KONSEQUENZEN FÜR DEN UNTERRICHT: Didaktische Ableitungen für eine fachgerechte Einführung des Gleichgewichtsbegriffs.
11 WARUM LAUFEN (CHEMISCHE) VORGÄNGE SPONTAN AB? THEORIE.: Statistische Fundierung der Entropie und der Spontanität von Prozessen.
12 WIE KOMMT DAS MWG ZUSTANDE?: Herleitung des MWG aus dem statistischen Prinzip der maximalen Entropie.
Chemisches Gleichgewicht, Massenwirkungsgesetz, Triebkraft, Entropie, Gibbs-Helmholtz-Gleichung, Energetik, Statistische Thermodynamik, Chemiedidaktik, Kinetik, Energieverteilung, Spontane Reaktionen, Mikrozustände, Zustandssumme, Freie Enthalpie.
Die Arbeit untersucht, ob die in der Schule unterrichteten Modelle zur Triebkraft chemischer Reaktionen und zur Herleitung des Massenwirkungsgesetzes fachwissenschaftlich haltbar sind.
Die Schwerpunkte liegen auf der energetischen Bewertung chemischer Prozesse, der Rolle der Entropie sowie der didaktischen Aufarbeitung dieser komplexen thermodynamischen Themen für die gymnasiale Oberstufe.
Es wird der Frage nachgegangen, inwiefern die gängigen Erklärungsversuche in Lehrbüchern und Unterrichtspraxis – insbesondere die "Zwei-Prinzipien-Lehre" – zu didaktisch schädlichen Fehlvorstellungen führen und wie ein fundiertes Verständnis aufgebaut werden kann.
Neben einer umfassenden Literaturanalyse und Lehrbuch-Synopse wurde eine schriftliche Erhebung unter 41 Chemielehrern durchgeführt, um die tatsächliche Unterrichtspraxis und die Vorstellungen der Lehrkräfte zu eruieren.
Der Hauptteil gliedert sich in eine kritische Auseinandersetzung mit der Lehrbuchliteratur, die Auswertung der Umfragedaten sowie die theoretische Herleitung der Konzepte durch die statistische Thermodynamik.
Die Arbeit ist maßgeblich durch Konzepte wie Entropie, Triebkraft, thermodynamische Spontaneität, statistische Mechanik und die Kritik an einer rein kinetischen MWG-Herleitung geprägt.
Der Autor kritisiert, dass diese Herleitung auf der Stöchiometrie der Bruttogleichung basiert, was physikalisch nur für Elementarreaktionen gilt. Da jedoch viele Reaktionen über komplexe Mechanismen verlaufen, ist die kinetische Herleitung als allgemeine Begründung logisch fragwürdig.
Der Autor empfiehlt, den Fokus von der rein kinetischen Herleitung auf das thermodynamische Fundament zu verlagern, indem die Rolle der Entropie als Verteiltheit von Energie (Wärmeenergie) intuitiv und qualitativ eingeführt wird.
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