Magisterarbeit, 2003
128 Seiten, Note: 1.0
1. Einleitung
1.1. Erkenntnisinteresse
1.2. Forschungsstand
1.3. Vorgehensweise und Aufbau der Arbeit
2. Regionale Interessenvermittlung im Lichte politikwissenschaftlicher Theoriebildung und empirischer Erkenntnisse
2.1. Die begrifflichen Konstrukte „europäische Region“ und „regionaler Akteur“
2.2. Die Systemperspektive: Die Europäische Union als variables Mehrebenensystem
2.2.1. Das Konzept der multi-level governance und seine analytischen Grenzen
2.2.2. Das Einflußpotential von Regionen auf europäische Politik
2.2.2.1. Regionale Kompetenzen im nationalen System
2.2.2.2. Das policy-making in der Europäischen Union
2.3. Die Akteursperspektive: Lobbying im europäischen Mehrebenensystem
2.3.1. Lobbying als Charakteristikum der Interessenmediation in der Europäischen Union
2.3.2. Regionales Lobbying
2.3.3. Endogene Ressourcen als Faktoren der regionalen Interessenwahrnehmung
3. Die Bundesländer als regionale Akteure in der Europäischen Union
3.1. Die „Third-Level Strategy“: Der Ausschuß der Regionen
3.2. Die deutschen Länderbüros in Brüssel
3.3. Grenzen des Konsens: Konfliktlinien in der Europapolitik
4. Analyseinstrumentarium: Kategorien, Hypothesen, Methode
4.1. Kanäle und Strategien direkter regionaler Interessenvertretung
4.2. Motive direkter Interessenvertretung eines deutschen Landes
4.3. Arbeitshypothesen
4.4. Fallstudie: Methodisches Vorgehen
4.4.1. Kategorien der Auswertung
4.4.2. Qualitative Dokumentenanalyse
4.4.3. Experteninterviews
5. Endogene Ressourcen: Die „Europakompetenz“ des Landes Berlin
5.1. Die „Europäisierung“ der Berliner Politik
5.1.1. Politische Konzentration und administrative Diffusion der Europapolitik
5.1.2. Konzeption und Koordinierung der Europapolitik
5.1.3. Koordinierungs- und Effizienzprobleme
5.2. Fachliche Ressourcen: die „Europafähigkeit“ der Verwaltung
5.3. Das Lobbyinginstrument: Das Berliner Büro in Brüssel
5.3.1. Aufgaben des Büros
5.3.2. Das Kontaktnetz in Brüssel
5.3.3. Personelle und finanzielle Ausstattung
5.4. Strukturen horizontaler Kooperation und externer Vernetzung
5.4.1. Kooperation mit anderen Bundesländern
5.4.1.1. Die Arbeitskreise der Länderbüros
5.4.1.2. Das Land Brandenburg
5.4.2. Transnationale interregionale Kooperation
5.4.2.1. Europäische Hauptstädte und Hauptstadtregionen
5.4.2.2. Eurocities
6. Das Land Berlin als regionaler Akteur in der europäischen Arena
6.1. Motive und Ziele im Fokus der direkten Interessenvertretung des Landes
6.1.1. Die europäische Strukturpolitik
6.1.2. Die Osterweiterung der Europäischen Union
6.1.3. Die europäische Beschäftigungspolitik
6.2. Die Nutzung der Kanäle direkter Interessenvertretung
6.2.1. Der Ausschuß der Regionen
6.2.2. Informelle horizontale Kooperation
6.2.3. Direktkontakte in europäische Organe
6.3. Strategien der direkten Interessenvertretung des Landes
6.3.1. Die Strukturfondsförderung: Einflußnahme auf Verteilungsentscheidungen
6.3.1.1. Die Förderung des „Sechsten Neuen Bundeslandes“
6.3.1.2. Politikgestaltende Dimensionen der Strukturpolitik: Die Förderung von Städten
6.3.2. Im Zeichen der Erweiterung: Die Ausgestaltung von speziellen EU-Programmen
6.3.2.1. Modifikationen in den Heranführungsintrumenten
6.3.2.2. Berlin als Grenzregion zum Erweiterungsraum
6.3.3. Die europäische Beschäftigungsstrategie: Politikgestaltung unter dem Vorzeichen einer europäischen Städtepolitik
6.3.3.1. Die Verstetigung der europäischen Beschäftigungspolitik
6.3.3.2. Lokale Beschäftigungsstrategien und städtische Dimensionen und
7. Resümee
Diese Arbeit untersucht, wie das Land Berlin seine spezifischen Interessen in der Europäischen Union (EU) vertritt, insbesondere außerhalb der formellen, institutionalisierten Mitwirkungsmöglichkeiten. Das primäre Ziel ist es, die Motive, Ziele und Strategien der direkten regionalen Interessenvertretung zu analysieren, wobei der explorative Fokus auf der explorativen Erforschung des Akteursverhaltens unter den komplexen Bedingungen des europäischen Mehrebenensystems liegt.
Die Systemperspektive: Die EU als variables Mehrebenensystem
Die vorliegende Untersuchung basiert auf der grundlegenden Annahme, daß regionale Akteure auf europäische Politik Einfluß nehmen können, der nicht allein durch ihren formalen Zugang zu Entscheidungsprozessen auf der nationalen und europäischen Ebene determiniert wird. Voraussetzung dafür ist die Vorstellung der EU als ein Mehrebenensystem, in dem subnationale Akteure und europäische Institutionen neben nationalstaatlichen Exekutiven für die Entstehung europäischer Politik relevant sind.
Diese Vorstellung ist eng verknüpft mit dem inzwischen in der politikwissenschaftlichen Forschung verbreiteten Konzept der MLG, für dessen Entwicklung die Ende der 1980er Jahre beobachtete Mobilisierung von Regionen in der europäischen Arena als auslösendes Moment gelten kann (vgl. Marks 1993; Marks [u.a.] 1996; Hooghe 1995).
Der Vorteil gegenüber intergouvernementalen Betrachtungsweisen besteht gerade darin, daß der MLG-Ansatz neben den Nationalstaaten weitere Akteure in die Analyse der Politikentstehung einbezieht und „no center of accumulated authority“ in der EU ausmacht:
„Instead, variable combinations of governments on multiple layers of authority – European, national and subnational – form policy networks for collaboration.“ (Hooghe 1996: 18).
1. Einleitung: Stellt das Erkenntnisinteresse an der regionalen Interessenvertretung des Landes Berlin sowie den wissenschaftlichen Forschungsstand dar.
2. Regionale Interessenvermittlung im Lichte politikwissenschaftlicher Theoriebildung und empirischer Erkenntnisse: Erläutert das Konzept des Mehrebenensystems (MLG) und die Rolle des Lobbyings bei der Interessenvermittlung durch regionale Akteure.
3. Die Bundesländer als regionale Akteure in der Europäischen Union: Analysiert die Rolle der deutschen Bundesländer, insbesondere den Ausschuss der Regionen und die Länderbüros in Brüssel, sowie bestehende Konfliktlinien.
4. Analyseinstrumentarium: Kategorien, Hypothesen, Methode: Definiert die analytischen Kategorien sowie die Arbeitshypothesen für die empirische Fallstudie zum Land Berlin.
5. Endogene Ressourcen: Die „Europakompetenz“ des Landes Berlin: Untersucht die internen Strukturen, das Berliner Büro in Brüssel und die personelle sowie fachliche Ausstattung des Landes als Voraussetzung für erfolgreiche Interessenvertretung.
6. Das Land Berlin als regionaler Akteur in der europäischen Arena: Vertieft die Motive und Strategien in den Politikfeldern Strukturpolitik, Osterweiterung und Beschäftigungspolitik.
7. Resümee: Bewertet die Ergebnisse der Untersuchung im Hinblick auf die Arbeitshypothesen und identifiziert Ansätze für die weiterführende Forschung.
Regionale Interessenvertretung, Berlin, Europäische Union, Mehrebenensystem, Strukturpolitik, Beschäftigungspolitik, Lobbying, Europakompetenz, Osterweiterung, Städtepolitik, Governance, Interessenmediation, Länderbüros, Ausschuß der Regionen, Politische Koordination.
Die Arbeit analysiert, wie das Land Berlin als subnationaler Akteur versucht, seine spezifischen Interessen direkt auf der europäischen Ebene zu vermitteln, anstatt sich ausschließlich auf die traditionellen innerstaatlichen Wege der Länderbeteiligung zu verlassen.
Die zentralen Themen sind die europäische Strukturpolitik, die Osterweiterung der Europäischen Union sowie die europäische Beschäftigungspolitik, in denen Berlin als Akteur besonders aktiv ist.
Das Ziel ist die Identifikation der Motive, Ziele und Strategien der direkten regionalen Interessenvertretung Berlins sowie die Untersuchung, inwiefern interne Faktoren wie die sogenannte „Europakompetenz“ diesen Prozess beeinflussen.
Es wird ein explorativer, induktiver Ansatz gewählt, der eine Kombination aus qualitativer Dokumentenanalyse (z.B. Senatsberichte, Koalitionsverträge) und teilstrukturierten Experteninterviews mit handelnden Personen auf der politischen und administrativen Ebene nutzt.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Interessenvermittlung im Mehrebenensystem, eine Analyse der Rolle der deutschen Länder in Brüssel sowie eine detaillierte Fallstudie zur endogenen Ressourcenentwicklung (Europakompetenz) und den angewandten Lobbyingstrategien Berlins.
Wichtige Begriffe sind Mehrebenensystem (Multi-Level Governance), regionale Interessenvertretung, Europakompetenz, Berliner Büro in Brüssel und spezifische EU-Politikfelder wie die Strukturfondsförderung.
Die Arbeit zeigt, dass Verwaltungskonkurrenz zwischen Berliner Senatsressorts oft als dysfunktional empfunden wird, da sie ein koordiniertes Auftreten in Brüssel erschwert und teilweise zu widersprüchlichen Förderanträgen führt.
Es dient als Beispiel für eine proaktive Interessenvertretung, bei der Berlin versuchte, durch ein inhaltliches Ideenpapier frühzeitig auf europäische Politikgestaltung Einfluss zu nehmen und sich eine gewisse Vorreiterrolle unter den Bundesländern zu erarbeiten.
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