Lizentiatsarbeit, 2003
111 Seiten, Note: insignie cum laude (1,5)
1. Vorwort
2. Fragen und Thesen
3. Max Goldt und sein Kulturtagebuch
3.1 Biografisches
3.2 «Neue Frankfurter Schule»
3.3 Goldts «Titanic»-Kolumne
3.4 Kolumne oder Essay?
4. Goldt und die Popliteratur
4.1 Popliteratur – eine Annäherung
4.2 Die 78er-Generation
5. Popliterarische Verfahren
5.1 Erzählverfahren und Erzählprofile
5.1.1 Textematische Inkohärenz
5.1.2 Kolumnisten-Ich
5.1.3 Mediale Erzähltechniken
5.2 Humoristische Schreibweise
5.2.1 Sprachspiel
5.2.2 Runninggag
5.3 Intertextualität
5.3.1 Markenkult
5.3.2 Enzyklopädische Verfahren der Popkultur
5.4 Funktionalität der Teile
5.4.1 Unterhaltung statt Ideologie
5.4.2 Kulturkritik
5.4.3 Neokonservatives Bewusstsein
6. Popsprache
6.1 Sprachkritik
6.2 Lexik
6.2.1 Gute Wörter – schlechte Wörter
6.2.2 Neologismen
7. Literarisierung des Profanen
7.1 Alltagsbeobachtungen
7.3 Das literarische Archiv des Profanen
8. Zusammenfassung und Synthese
9. Schlussbemerkungen
10. Literatur
10.1 Quellen
10.2 Literatur
10.3 Zeitungsartikel
Die vorliegende Arbeit analysiert die Kolumnentexte von Max Goldt, um deren Verortung im literarischen Pop zu bestimmen. Im Zentrum steht die Untersuchung, wie Goldt durch spezifische popliterarische Verfahren – wie Intertextualität, Sprachspiel und enzyklopädische Strukturierung des Profanen – den Graben zwischen Hoch- und Populärkultur überbrückt und dabei eine eigene, hochreflektierte Poetik entwickelt.
5.1.1 Textematische Inkohärenz
Auf das Verfahren der diskontinuierlichen Binnenstruktur in Max Goldts Kolumnen möchte ich in diesem Kapitel noch genauer eingehen. Sie hat ihren Ursprung darin, dass Goldt und andere Popliteraten nicht mit gebräuchlichen Erzählmustern wie Spannungsbögen und dramatischen Strukturen arbeiten. In diesem Sinne lässt sich sogar von «Anti-Fabelführung» als einem zentralen literarischen Verfahren in Goldts Kolumnen sprechen. Wie bereits erwähnt, dienen diese Verfahren der textematischen Inkohärenz der literarischen Verfremdung, welche meistens auf eine komische Wirkung abzielt.
Max Goldt ist ein Meister der ‹Themaverfehlung›, dies ist seine Technik: Diskontinuierlich strukturierte Texte zu schreiben und mit der «Verfugung von Textausschnitten» regelrechte Textmontagen zu schaffen. Die Kolumne «Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau» (Okay Mutter, 29-36) ist ein Paradebeispiel für die Inkohärenzwirkung von Themaverfehlungen. Das Titelthema «Quitten» wird mit allen möglichen Ersatzthemen aufgeschoben beziehungsweise ‹verfehlt›, so zum Beispiel mit kurzen «Gedanken über die Gewohnheit der Fernsehmacher [...], Beiträge über Schlösser, Ölgemälde, lauschige Gärten [...] mit der ewig gleichen Gitarrenmusik zu unterlegen.» (Okay Mutter, 32) Die beabsichtigte Rezeptionswirkung der Themaverfehlungen wird an diesem einzigen Beispiel schon ersichtlich: Je abstrakter und absurder der Kohärenzbruch, desto grösser der komische Effekt.
1. Vorwort: Der Autor erläutert seine Motivation, Max Goldt als einen literarisch bedeutsamen "Unbekannten" zu würdigen, der sich dem gängigen Literaturbetrieb entzieht.
2. Fragen und Thesen: Die Arbeit formuliert die zentrale Forschungsfrage, inwieweit Goldts Texte trotz ihrer Heterogenität als Popliteratur einzustufen sind, und stellt drei Thesen zur Qualität, zum Profanen und zur Sprache auf.
3. Max Goldt und sein Kulturtagebuch: Dieser Teil beleuchtet die Biografie, Goldts musikalische Wurzeln sowie seinen Sonderstatus als "Meister der Verweigerung" im medialen Literaturbetrieb.
4. Goldt und die Popliteratur: Hier wird der theoretische Rahmen der Popliteratur abgesteckt und Goldt als ein Vertreter der "78er-Generation" zwischen den Polen der Popkultur verortet.
5. Popliterarische Verfahren: Das zentrale Kapitel analysiert die spezifischen Techniken wie Erzählprofile, Humor, Intertextualität und die inhaltliche Funktionalität, die Goldts Stil prägen.
6. Popsprache: Diese Sektion untersucht, wie Goldt Sprache als Mittel und Zweck seiner literarischen Reflexion nutzt, inklusive Sprachkritik und Wortanalysen.
7. Literarisierung des Profanen: Das Kapitel widmet sich der Art und Weise, wie Goldt aus alltäglichen und profanen Stoffen mittels fiktionaler Kunst ein literarisches Archiv schafft.
8. Zusammenfassung und Synthese: Eine abschließende Betrachtung, die Goldt erneut als Autor mit Sonderstatus charakterisiert, der weder in die 68er-Logik noch in die kommerzielle Spassliteratur passt.
9. Schlussbemerkungen: Ein kurzes Fazit über den Wert der Arbeit als erste umfassende Textanalyse des Autors und die Forderung nach ernsthafterer Auseinandersetzung mit Goldts Werk.
10. Literatur: Verzeichnis der Primärquellen sowie der verwendeten wissenschaftlichen Sekundärliteratur und Zeitungsartikel.
Max Goldt, Popliteratur, Kolumne, Essay, Textinkohärenz, Intertextualität, Sprachkritik, Ironie, Profanes, Alltagskultur, Kulturkritik, Neologismen, Runninggag, 78er-Generation, Literarizität
Die Lizentiatsarbeit untersucht die Kolumnen von Max Goldt unter dem Aspekt ihrer popliterarischen Merkmale und ordnet ihn als literarischen Akteur ein.
Im Fokus stehen popliterarische Erzählverfahren, die spezifische Sprachgestaltung, die Auseinandersetzung mit dem Alltäglichen und die Verknüpfung von Pop- und Hochkultur.
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Max Goldt durch seine hohe Literarizität und komplexe Stilistik ein untypischer, aber qualitativ bedeutender Vertreter der Popliteratur ist.
Die Autorin wendet ein textanalytisches und vergleichendes Vorgehen an, um Goldts Texte anhand definierter popliterarischer Kriterien zu messen.
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zu Erzähltechniken (z.B. Themaverfehlung, Kolumnen-Ich), humoristischen Schreibweisen (Sprachspiel, Runninggag) und intertextuellen Verfahren (Markenkult).
Wichtige Begriffe sind unter anderem Textinkohärenz, Intertextualität, Sprachkritik, 78er-Generation, Literarisierung des Profanen und Ironie.
Goldt vermeidet die affirmative Kommerzialisierung und den "Zeitgeist-Eifer" vieler Zeitgenossen. Stattdessen nutzt er das Profane für seine Analysen und bleibt literarisch eigenständig.
Es dient nicht nur der satirischen Unterhaltung, sondern ist ein strukturelles Prinzip, das die "Pseudodramaturgie" seiner Kolumnen ermöglicht und die Aufmerksamkeit auf das "Reden über" statt auf das Erzählen legt.
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