Forschungsarbeit, 1998
259 Seiten, Note: cum laude
EINLEITUNG
ÜBER DIE ZEIT: EINE EINFÜHRENDE SKIZZIERUNG DES PROBLEM-FELDES
1. WAS IST ZEIT ?
2. DAS PHÄNOMEN ZEIT: EINE OBJEKTBESCHREIBUNG
DER AUFBRUCH IN DIE MODERNE: DAS 19. JAHRHUNDERT UND SEINE TECHNISCHEN UND KULTURELLEN INNOVATIONEN
1. DIE INDUSTRIALISIERUNG VON RAUM UND ZEIT: DER BEGINN DES EISENBAHNZEITALTERS
2. DIE PANORAMATISCHE SICHTWEISE ALS EIN CHARAKTERISTIKUM DES 19. JAHRHUNDERTS
3. PARIS UND DIE ÄRA HAUSSMANN
4. DIE ERFINDUNG DER FOTOGRAFIE UND DIE BEGRÜNDUNG EINER NEUEN SICHTWEISE
5. DER SINN FÜRS ZUFÄLLIGE: JAPANISCHE FARBHOLZSCHNITTE UND IHR AUFKOMMEN IN EUROPA
DAS AUFKOMMEN IN EUROPA
HISTORISCHER ABRISS
THEMENBEREICHE UND STILMERKMALE
AUSWIRKUNGEN AUF DIE EUROPÄISCHE KUNST
6. RESÜMEE
ZEIT UND ZEITGESCHEHEN BEI CÉZANNE, RENOIR, MONET, DEGAS UND PISSARRO
1. PAUL CEZANNE: LA FEMME A LA CAFETIERE (FRAU MIT KAFFEEKANNE), 1890 - 95, PARIS, MUSEE D’ORSAY
DAS MOTIV
SICHTBARE ASPEKTE DER ZEIT
UNSICHTBARE ASPEKTE VON ZEIT UND ZEITBEZOGENHEIT
RESÜMEE
2. PIERRE-AUGUSTE RENOIR: LE DEJEUNER DES CANOTIERS (DAS FRÜHSTÜCK DER BOOTSFAHRER), 1881, WASHINGTON, THE PHILIPS COLLECTION
DAS MOTIV
ZEITGEIST UND ZEITGESCHEHEN
SICHTBARE ASPEKTE DER ZEIT
UNSICHTBARE ASPEKTE VON ZEIT UND ZEITBEZUG
RESÜMEE
CLAUDE MONET: LE PONT DE L’EUROPE (DIE EUROPABRÜCKE AM BAHNHOF SAINT-LAZARE), 1877, PARIS, MUSEE MARMOTTAN
DAS MOTIV
ZEITGEIST UND ZEITGESCHEHEN
SICHTBARE ASPEKTE DER ZEIT
DARSTELLUNGSART UND ZEIT
SUBTILERE AUSPRÄGUNGEN VON ZEIT
RESÜMEE
EDGAR DEGAS: DIE BALLETTPROBE, 1874, GLASGOW, THE BURRELL COLLECTION
DAS MOTIV
ZEITGEIST UND ZEITGESCHEHEN
SICHTBARE ASPEKTE DER ZEIT
DARSTELLUNGSART UND ZEIT
VERBORGENE ASPEKTE DER ZEIT
RESÜMEE
CAMILLE PISSARRO: MÄDCHEN BEIM GESCHIRRSPÜLEN, UM 1882, CAMBRIDGE, FITZWILLIAM MUSEUM
DAS MOTIV
ZEITGEIST UND ZEITGESCHEHEN
SICHTBARE ASPEKTE DER ZEIT
DIE DARSTELLUNGSART
DIE ZEIT IN DER ZEIT
RESÜMEE
ZUR REIHENFOLGE DER VORGESTELLTEN WERKE
ZEIT UND ZEITGESCHEHEN IM WERK PAUL CÉZANNES
1. STILLEBEN MIT ÄPFELN UND ORANGEN, 1895-1900, PARIS, MUSÉE D’ORSAY
DAS MOTIV
DARSTELLUNGSART UND ZEIT
VERBORGENE ASPEKTE DER ZEIT
RESÜMEE
2. DIE KARTENSPIELER, 1890-92, PARIS, MUSÉE D’ORSAY
DAS MOTIV
SICHTBARE ASPEKTE DER ZEIT
DARSTELLUNGSART UND ZEIT
SUBTILERE AUSPRÄGUNGEN VON ZEIT
RESÜMEE
3. DAS HAUS DES GEHÄNGTEN, 1873, PARIS, MUSÉE D’ORSAY
DAS MOTIV
ZEITGEIST UND ZEITGESCHEHEN
DARSTELLUNGSART UND ZEIT
DIE ZEIT IN DER ZEIT
ÄNDERUNGSDYNAMIK UND KOMPENSATORISCHE LANGSAMKEIT: DIE BEWAHRUNGSKULTUR IM TECHNISIERTEN ZEITALTER
ZUR AKTUALITÄT DIESES BILDES
RESÜMEE
KUNST WIRD NATUR UND NATUR WIRD ZUR KUNST. DIE EIGENART DER ZEITGESTALTUNG
ABSCHLIEßENDE BETRACHTUNGEN
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Zeit in der impressionistischen Malerei, mit einem spezifischen Fokus auf das Werk Paul Cézannes. Ziel ist es, über die bloße kunsthistorische Klassifizierung hinaus die moderne Auffassung von Zeitlichkeit und Zeitgeist im 19. Jahrhundert durch eine Analyse ausgewählter Kunstwerke zu erschließen und dabei die interdisziplinäre Bedeutung von Zeit, Bewegung und Wahrnehmung zu beleuchten.
Die Industrialisierung von Raum und Zeit: der Beginn des Eisenbahnzeitalters
Den Abschluß und Höhepunkt der industriellen Revolution, die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit der Einführung von Maschinen in der englischen Tuchindustrie begonnen hatte bildete die Erfindung der Eisenbahn. Mit ihr wurden im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts die Weichen für ein neues Zeitalter gestellt.
Die ersten Lokomotiven, die in England zu Beginn des 19. Jahrhunderts das Eisenbahnzeitalter eingeleitet hatten, wurden von der Bevölkerung noch nicht als autonome Bewegungsapparaturen wahrgenommen. Statt dessen galten sie als auf Räder montierte Dampfmaschinen. Tatsächlich ist diese Bezeichnung nicht ganz unrichtig, denn vom technischen Standpunkt aus gesehen, ist die Lokomotive eine abgewandelte Version der Hochdruckdampfmaschine von Oliver Evans. Diese Maschine, die um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert entwickelt worden war, bildete den Abschluß und Höhepunkt in der Genese der Dampfmaschinen.
EINLEITUNG: Erörterung der kunsthistorischen Vernachlässigung des Zeitbegriffs in der impressionistischen Kunst und Formulierung der Arbeitshypothese zur positiven Darstellung von Zeit bei Cézanne und Zeitgenossen.
ÜBER DIE ZEIT: EINE EINFÜHRENDE SKIZZIERUNG DES PROBLEM-FELDES: Interdisziplinäre Annäherung an das Phänomen Zeit als komplexes, interdisziplinäres Forschungsfeld zwischen Philosophie, Physik und Kulturgeschichte.
1. WAS IST ZEIT ?: Untersuchung des ontologischen Status der Zeit, ihrer Omnipräsenz in modernen Industrienationen und der Schwierigkeit einer eindeutigen Definition des Begriffs.
2. DAS PHÄNOMEN ZEIT: EINE OBJEKTBESCHREIBUNG: Darstellung der Zeit als mentales Konstrukt und Kulturgut, das maßgeblich durch Bewegung und Prozesshaftigkeit sowie durch soziale Synchronisation geprägt ist.
DER AUFBRUCH IN DIE MODERNE: DAS 19. JAHRHUNDERT UND SEINE TECHNISCHEN UND KULTURELLEN INNOVATIONEN: Analyse der grundlegenden Veränderungen durch Industrialisierung, Fotografie, Japan-Rezeption und städtebauliche Maßnahmen wie die Ära Haussmann.
ZEIT UND ZEITGESCHEHEN BEI CÉZANNE, RENOIR, MONET, DEGAS UND PISSARRO: Detaillierte Bildanalysen zur Untersuchung des individuellen Umgangs der Künstler mit temporalen Strukturen in ihren Werken.
ZEIT UND ZEITGESCHEHEN IM WERK PAUL CÉZANNES: Vertiefende Auseinandersetzung mit Cézannes spezifischer Zeitgestaltung, die sich zwischen der Auflösung des Augenblicks und der Konstruktion einer dauerhaften Bildarchitektur bewegt.
ABSCHLIEßENDE BETRACHTUNGEN: Zusammenfassende Synthese der Ergebnisse zur temporalen Modernität und zur Ambivalenz zwischen Zeitlosigkeit und Zeitgenossenschaft in den untersuchten Gemälden.
Zeit, Zeitlichkeit, Impressionismus, Paul Cézanne, Industrialisierung, Eisenbahn, Fotografie, Japanismus, Moderne, Wahrnehmung, Bildanalyse, Raum-Zeit-Kontinuum, Still-Leben, Zeitgeist, Vergänglichkeit.
Die Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis von Zeit, Zeitlichkeit und Moderne in der bildenden Kunst des 19. Jahrhunderts, insbesondere im Werk von Paul Cézanne im Vergleich zu seinen impressionistischen Zeitgenossen.
Die Arbeit verknüpft kunstgeschichtliche Analysen mit technikhistorischen und philosophischen Aspekten. Sie behandelt Themen wie die Industrialisierung von Raum und Zeit, die Erfindung der Fotografie, den Einfluss japanischer Kunst auf die Bildkomposition und das Spannungsfeld zwischen flüchtiger Wahrnehmung und künstlerischer Konstruktion.
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Cézannes Malerei trotz ihrer zeitlosen Wirkung tief in den ästhetischen und technologischen Diskursen des 19. Jahrhunderts verwurzelt ist und eine spezifische moderne Reflexion auf das Phänomen Zeit darstellt.
Es wird eine interdisziplinäre, kunsthistorische Analysestruktur angewendet, die bildanalytische Methoden mit philosophischen und historisch-soziologischen Kontextualisierungen verbindet.
Im Hauptteil werden zunächst die technischen und kulturellen Neuerungen des 19. Jahrhunderts skizziert, gefolgt von tiefgehenden Bildanalysen bedeutender Werke, darunter Gemälde von Renoir, Monet, Degas, Pissarro und insbesondere Cézannes Porträts und Stilleben.
Zeit, Zeitlichkeit, Impressionismus, Paul Cézanne, Moderne, Raum-Zeit-Kontinuum, Fotografie, Japanismus, Zeitgeist.
Während Impressionisten wie Monet oder Renoir den flüchtigen Augenblick und das unmittelbare Zeitgeschehen betonen, sucht Cézanne nach einer "Dauer in der Veränderung" und konstruiert eine dauerhafte Bildarchitektur, die über das Ephemere hinausgeht.
Der Titel bezieht sich auf die detektivische Spurensuche der Autorin nach den verborgenen und sichtbaren temporalen Strukturen, die im Werk der impressionistischen Epoche angelegt sind, aber oft hinter den rein stilistischen Merkmalen verborgen bleiben.
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