Diplomarbeit, 2003
145 Seiten, Note: 1
Einleitung
1. Altern in der Gesellschaft
1.1. Demographische Entwicklung
1.1.1. Dreifaches Altern
1.1.2. Von der Pyramide zum Pilz
1.2. Altersbilder
1.3. Alter, Krankheit und Pflegebedürftigkeit
1.4. Ökonomische Situation älterer Menschen
1.5. Soziale Netzwerke
1.6. Strukturwandel des Alters
1.6.1. Konzepte des Altersstrukturwandels
1.6.1.1. Verjüngung und Entberuflichung des Alters
1.6.1.2. Feminisierung des Alters
1.6.1.3. Singularisierung im Alter
1.6.1.4. Hochaltrigkeit
1.6.2. Soziale Ungleichheit
1.6.3. Einführung der Pflegeversicherung
1.6.4. Generationenvertrag
2. Elemente einer nachhaltigen Sozialpolitik im Kontext der alternden Gesellschaft
2.1. Sozialstaat im Wandel
2.1.1. Krise des Sozialstaats
2.2. Leitlinien für eine nachhaltige Sozialpolitik mit und für ältere Menschen
2.2.1. Partizatorische Entscheidungsdiskurse
2.2.2. Gerechter Austausch
2.2.3. Marktbegrenzung
2.2.4. Solidarität
2.2.5. Ethik des Alterns
2.3. Lebensbereiche älterer Menschen
2.3.1. Gesundheit
2.3.2. Bildung und Kultur
2.3.3. Wohnstrukturen
2.3.4. Soziale Netzwerke
3. Neue Ansätze Sozialer Arbeit mit älteren Menschen
3.1. Empowerment als professionelle Grundhaltung
3.1.1. Der Defizitblickwinkel in der Sozialen Arbeit
3.1.2. Die Philosophie der Menschenstärken
3.2. Systemische Soziale Arbeit
3.3. Gemeinwesenarbeit mit älteren Menschen
3.3.1. Sozialräumliche Orientierung
3.3.2. Methodenintegration
3.4. Koordination, Kooperation und Vernetzung als professionelles Arbeitsprinzip
3.4.1. Begriffsklärung von Koordination, Kooperation und Vernetzung
3.4.2. Care- und Case Management
3.4.3. Leitstelle „Älter werden in Augsburg“
3.4.4. „Netzwerk im Alter" Berlin Pankow - Prenzlauer Berg - Weißensee
3.4.5. Die Düsseldorfer Netzwerkstatt
3.4.6. Prinzipien der Netzwerkarbeit
3.5. Soziale Arbeit und bürgerschaftliches Engagement
3.6. Lokale Ökonomie und Gemeinwesenökonomie
3.7. Neuverortung des Sozialen im intermediären Bereich
3.7.1. Intermediärer Sektor
3.7.1.1. Notwendigkeit eines eigenständigen solidarökonomischen Sektors
4. Ansätze zur eigenständigen zivilgesellschaftlichen Organisation sozialer Sicherung
4.1. Bürgerschaftliches Engagement
4.2. Genossenschaftliche Selbsthilfe als Organisationsform der Gemeinwesenökonomie
4.3. Genossenschaftliche Selbsthilfe zur Organisation von Hilfe auf Gegenseitigkeit im Gemeinwesen
4.3.1. Kriterien von gemeinwirtschaftlichen Genossenschaften
4.3.2. Organisationsstrukturen einer Genossenschaft zur Förderung der Hilfe auf Gegenseitigkeit
4.3.2.1. Kommunikative Strukturen
4.3.2.2. Die Genossenschaft als lernende Organisation
4.3.3. Mögliche Leistungsbereiche einer Genossenschaft zur Förderung der Hilfe auf Gegenseitigkeit
4.3.3.1. Ambulante Dienstleistung als Profitcenter der Genossenschaft
4.4. Exkurs: „Zeitdepot“ als Komplementärwährung zur Förderung der Hilfe auf Gegenseitigkeit
4.4.1. Entstehung der „neuen“ Komplementärwährungen
4.4.2. Funktionsweise der Komplementärwährungssysteme
4.4.3. Beispielhafte Zeitdepotsysteme zur Förderung von Hilfeleistungen im Gemeinwesen
4.4.3.1. Time Dollars
4.4.3.2. Seniorengenossenschaften
4.4.3.3. Fureai-Kippu System
4.4.4. Funktionen einer Komplementärwährung in Form von Zeittausch und Zeitdepot
4.4.4.1. Förderung der Solidarität
4.4.4.2. Förderung von Reziprozität
4.4.4.3. Ansparfunktion
4.4.5. Probleme und Erfahrungen mit Zeitdepots
4.5. Organisation eines Zeitdepots durch die Genossenschaft
4.6. Vernetzung, Koordination und Öffentlichkeitsarbeit
4.7. Ziele einer Genossenschaft zur Förderung der Hilfe auf Gegenseitigkeit
4.8. Genossenschaftliche Selbsthilfe und professionelle Soziale Arbeit
4.9. Einige Worte zu Förderung und Finanzierung
Die Diplomarbeit untersucht, wie nachhaltige Lebensmodelle für ältere Menschen im Gemeinwesen entwickelt werden können, um den demographischen Wandel und die damit verbundenen sozialen Herausforderungen wie Armut und Vereinsamung zu bewältigen. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Rolle der Sozialen Arbeit und das Potenzial zivilgesellschaftlicher Selbstorganisation, insbesondere durch genossenschaftliche Ansätze und Komplementärwährungen.
Die Philosophie der Menschenstärken
Empowerment ist ein Gegenrezept zu defizitärer Betrachtungsweise, denn der Blick wird auf die Ressourcen der AdressatInnen gelenkt. Der Kern des Empowerment-Konzeptes ist laut Norbert Herriger ein „verändertes, optimistisch gestricktes Menschenbild, das die Wahrnehmung der Lebenswirklichkeit der AdressatInnen und die Entwürfe einer sensiblen alltagsorientierten Unterstützungspraxis durch die Soziale Arbeit anleitet“ (Herriger; 2002; S. 70). Hierin spiegelt sich der Respekt der Werte, die Würde der Hilfesuchenden und das Vertrauen in deren individuelle und kollektive Stärken wieder (Herriger; 2002; S. 70). Diese Philosophie der Menschenstärken unterteilt Herriger in sechs Bausteine:
1. „Das Vertrauen in die Fähigkeiten jedes einzelnen zu Selbstgestaltung und gelingendem Lebensmanagement.
2. Die Akzeptanz von Eigen-Sinn und der Respekt auch vor unkonventionellen Lebensentwürfen der Klienten psychosozialer Arbeit.
3. Das Respektieren der ‘eigenen Wege’ und der ‘eigenen Zeit’ des Klienten und der Verzicht auf strukturierte Hilfepläne und eng gefasste Zeithorizonte.
4. Der Verzicht auf entmündigende Expertenurteile über die Definition von Lebensproblemen, Problemlösungen und wünschenswerten Lebenszukünften.
5. Die Orientierung an der Lebenszukunft des Klienten.
6. Die Orientierung an einer „Rechte-Perspektive“ und ein parteiliches Eintreten für Selbstbestimmung und soziale Gerechtigkeit“ (Herriger; 2002; S. 72ff).
Altern in der Gesellschaft: Dieses Kapitel analysiert die demographische Entwicklung, Altersbilder, die ökonomische Lage älterer Menschen sowie soziale Netzwerke und den Strukturwandel des Alters.
Elemente einer nachhaltigen Sozialpolitik im Kontext der alternden Gesellschaft: Das Kapitel behandelt den Wandel des Sozialstaats und leitet Prinzipien für eine nachhaltige Sozialpolitik mit älteren Menschen ab, unter Berücksichtigung von Lebensbereichen wie Gesundheit, Bildung und Wohnen.
Neue Ansätze Sozialer Arbeit mit älteren Menschen: Hier wird Empowerment als professionelle Grundhaltung definiert und die systemische Soziale Arbeit sowie Gemeinwesenarbeit und Vernetzung als Arbeitsprinzipien erläutert.
Ansätze zur eigenständigen zivilgesellschaftlichen Organisation sozialer Sicherung: Dieses Kapitel stellt bürgerschaftliches Engagement, genossenschaftliche Selbsthilfe und den Einsatz von Zeitdepots als Komplementärwährungen zur Förderung der Hilfe auf Gegenseitigkeit dar.
Alter, Gemeinwesen, Soziale Arbeit, Empowerment, genossenschaftliche Selbsthilfe, Zeitdepot, Komplementärwährung, Solidarität, Bürgerschaftliches Engagement, Sozialpolitik, Netzwerk, Hilfe auf Gegenseitigkeit, Altenarbeit, Nachhaltigkeit, Lebensqualität
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung nachhaltiger Lebensmodelle für ältere Menschen innerhalb ihres Gemeinwesens, um auf gesellschaftliche Veränderungen wie den demographischen Wandel zu reagieren.
Zentrale Themen sind die Lebenssituation älterer Menschen, der Wandel des Sozialstaates, neue professionelle Ansätze der Sozialen Arbeit sowie zivilgesellschaftliche Organisationsformen wie Genossenschaften.
Ziel ist es, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Bürger durch Selbstorganisation und gegenseitige Hilfe (Solidarität) ihre Lebensqualität im Alter sichern und aktiv an der Gestaltung des Gemeinwesens teilhaben können.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literatur- und Theorieanalyse sozialwissenschaftlicher Diskurse sowie der Darstellung und Evaluation beispielhafter Praxisprojekte, wie etwa Seniorengenossenschaften und Zeitdepots.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Lebenslage Älterer, die Entwicklung sozialpolitischer Leitlinien, die theoretische Verortung neuer Ansätze Sozialer Arbeit sowie die praktische Anwendung genossenschaftlicher Hilfssysteme.
Schlüsselbegriffe sind Empowerment, Gemeinwesenarbeit, genossenschaftliche Selbsthilfe, Komplementärwährungen und Solidarität.
Ein Zeitdepot ist eine Komplementärwährung, bei der geleistete Hilfe (Stunden) in einem System gespeichert werden kann, um bei späterem eigenem Hilfebedarf Leistungen aus der Gemeinschaft abzurufen.
Es dient als praktisches Modellbeispiel einer japanischen Pflegewährung, die zeigt, wie eine Gesellschaft durch Zeit- und Punktesysteme Solidarität und Hilfe auf Gegenseitigkeit fördern kann.
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