Diplomarbeit, 2002
197 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
1. Zur Klassifikation sozialer Konflikte
1.1 Definition eines sozialen Konfliktes
1.2 Entstehungsbereiche sozialer Konflikte
1.3. Das Konflikteskalationsmodell von F. Glasl
1.4 Analysedimensionen eines sozialen Konfliktes
1.4.1 Die drei Dimensionen eines sozialen Konfliktes
1.4.2 Die Tragweite des Konfliktes
1.4.3 Austragungsformen eines sozialen Konfliktes
2. Entwicklung und Grundlagen des Mediationskonzeptes
2.1 Kommunikationstheoretische Konzepte zur Entstehung von Konflikten als Grundlage für die Entwicklung des Mediationskonzepts
2.2 Zur Genese des Mediationskonzeptes
2.3 Theoretische Ausgangsüberlegungen des Mediationskonzeptes
2.4 Die Aufgaben des Mediators während der Mediation
3. Ablaufphasen der Mediation
3.1 Vorbereitungsphase
3.1.1 Der Verhandlungsort und die Sitzordnung
3.1.2 Die Aufgaben des Mediators in der Vorphase
3.2 Einleitungsphase in die Mediation
3.2.1 Die Regeln der Mediation und ihr Anwendungsrahmen
3.2.2 Die Vorstellung der Mediationsregeln durch den Mediator
3.3 Hauptphase der Mediation
3.3.1 Schilderung der individuellen Konfliktwahrnehmung durch die Konfliktparteien
3.3.2 Darstellung der gemeinsamen und widersprüchlichen Interessen
3.4 Lösungssuche und Abschluss der Mediation
3.4.1 Sammlung von Lösungsideen
3.4.2 Überprüfung der Lösungsvorschläge
3.4.3 Annahme der schriftlichen Vereinbarung durch die Konfliktparteien und formeller Ausklang
3.5 Methodische Schwachstellen, die während der Mediation relevant werden können
4. Die Bedeutung des kulturellen Hintergrunds in der Mediation
4.1 Definition des Kulturbegriffes
4.2 Universalistische oder kulturrelativistische Bewertung interkultureller Konflikte
4.3 Gesellschaftliche Gemeinschaftsorientierung oder individualistische Orientierung als Einflussfaktoren auf Konfliktwahrnehmung und Bearbeitung
4.4 Hofstedes Modell der vier Dimensionen von Gesellschaft und die Auswirkungen auf die gesellschaftliche und persönliche Konfliktkultur
4.4.1 Machtverteilung
4.4.2 Ambiguitätstoleranz
4.4.3 Maskulines Verhalten als erwünschtes Verhalten
4.5 Manifestationen der individuellen Konfliktkultur am Beispiel des Begriffs „idiocosm“
4.6 Kommunikation
4.7 Taktischer Einsatz von Kultur
4.8 Kulturelle Unterschiede als Konfliktpotential
4.9 Fazit: Die Bedeutung der kulturellen Identität für die Handlungs- und Interaktionsmuster der Gesellschaftsmitglieder
5. Ein handlungsorientierter Ansatz zur Wahrnehmung kultureller Unterschiede
6. Die gesellschaftliche Relevanz interkultureller Konflikte
6.1 Darstellung des erhöhten gesellschaftlichen Spaltungspotentials interkultureller Konflikte
6.2 Strukturelle Diskriminierung von Arbeitsmigranten, Fluchtmigranten und Spätaussiedlern als Konfliktpotential
6.3 Rechtliche Lage der Arbeitsmigranten
6.3.1 Rechtliche Lage der Fluchtmigranten
6.3.2 Rechtliche Lage der Aussiedler und Spätaussiedler
6.4 Arbeitsmarktlage der Arbeitsmigranten
6.4.1 Die Arbeitsmarktsituation der Fluchtmigranten
6.4.2 Die berufliche Lage der Aussiedler und Spätaussiedler
6.5 Wohnsituation der Arbeitsmigranten
6.5.1 Wohnsituation der Fluchtmigranten
6.5.2 Wohnsituation der Aussiedler und Spätaussiedler
6.6 Bildungs- und Ausbildungssituation der Arbeitsmigranten
6.6.1 Die Schul- und Ausbildungssituation der Fluchtmigranten
6.6.2 Schul- und Ausbildungssituation der Aussiedler und Spätaussiedler
6.7 Fazit: Konfliktpotential der strukturellen Diskriminierung
7. Ethnisierung als Verbindung kultureller und struktureller Merkmale und ihre Funktion für die gesellschaftliche Ordnung
8. Die Auswirkungen der gesellschaftlichen Ungleichheit auf das Verhalten der Konfliktparteien vor und während dem Konflikt am Beispiel der Habitus-Theorie Bourdieus
9. Einschränkende Merkmale des Mediationsverfahrens
9.1 Schwachstellen des Verfahrens im Bezug auf seine implizierten kulturellen Vorannahmen
9.2 Einschränkungen aufgrund der unterschiedlichen gesellschaftlichen Position der Konfliktparteien
9.3 Die Unterstützung der strukturell schwächeren Teilenehmerseite während der Mediation
10. Empirisches Vorgehen: Das problemzentrierte Interview
10.1 Die Analysemethode
10.2. Projektdarstellung
10.3 Auswertung des Interviews
10.3.1 Motivation für die Entwicklung des Projekts und Einbeziehung der Mediations- Methode sowie zur Teilnahme am Projekt
10.3.2 Lerninhalte und Durchführungsweise
10.3.3 Anwendungsgebiete und Modifikation von Mediation im Projekt
10.3.4 Lernprozesse der Befragten während der Projektteilnahme
10.3.5 Probleme beim Einsatz der Mediatoren und Ansätze für ein Folgeprojekt
10.4 Fazit: Der innovative Ansatz des Qantara- Projektes
11. Zusammenfassung: Vorrausetzungen für den produktiven Verlauf interkultureller Mediation
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht die Eignung der Mediation als Methode zur konstruktiven Konfliktbearbeitung im interkulturellen Kontext in Deutschland. Dabei wird insbesondere hinterfragt, inwiefern das Mediationskonzept, das stark auf westlichen, individualistischen Prämissen basiert, den strukturellen Benachteiligungen und kulturellen Hintergründen von Migrantengruppen gerecht wird und welche Anpassungen für eine produktive Anwendung erforderlich sind.
1.3 Das Konflikteskalationsmodell von F. Glasl
Nach Friedrich Glasl vollzieht sich die Eskalation von Konflikten in maximal neun Stufen, die aufeinander aufbauend ablaufen und dabei schrittweise Lösungen ausschließen, von denen beide Seiten profitieren können. Hier sollen jedoch nur die innerpsychischen Mechanismen dargestellt werden, die schrittweise zu einer Eskalation sozialer Konflikte führen können, da das Stufenmodell Glasls die Gefahr beinhaltet, Konflikte als automatisiert ablaufend zu betrachten, so dass der Konfliktverlauf u.U. stark vereinfacht wahrgenommen wird.
Auf der innerpsychischen Ebene ist v.a. der Mechanismus der Projektion für die steigende Intensität eines Konfliktes verantwortlich.
Nach Glasl befinden sich die am Konflikt beteiligten Parteien in einer Situation, in der Widersprüche und Spannungen ausgehalten werden müssen, dies führt zu persönlichen Verunsicherungen, weil sich beide Parteien mit ihren negativen Persönlichkeitsanteilen auseinandersetzen müssen. Um dies aushalten zu können, ohne die eigene Person hinterfragen zu müssen, werden die als negativ wahrgenommenen Gefühle der anderen Konfliktpartei zugeschrieben. So kann die eigene Persönlichkeit integer und positiv wahrgenommen werden, alle negativen Eigenschaften werden als der Gegenseite zugehörig wahrgenommen, diese wird daraufhin als Ursache der eigenen negativen Empfindungen gesehen (vgl. Glasl 1994: 195).
Als Ergebnis dieses Abspaltungs- und Projektionsprozesses werden die subjektiven Wahrnehmungen von der anderen Konfliktpartei verzerrt interpretiert, da sie als Repräsentantin der abgespaltenen negativen Persönlichkeitsanteile wahrgenommen wird.
Die negativen Emotionen und die Konfliktursache werden so nicht bereinigt, sondern verlagert, so dass wieder Frustrationen und Unsicherheiten entstehen bzw. bestehen bleiben, auch diese werden auf die andere Partei projiziert. Das eigene Selbstbild wird als fehlerlos wahrgenommen, die andere Partei dagegen als der negative Gegenpol.
1. Zur Klassifikation sozialer Konflikte: Definition von sozialen Konflikten, deren Entstehung und Eskalationsdynamik nach F. Glasl, sowie eine Einordnung nach Analysedimensionen.
2. Entwicklung und Grundlagen des Mediationskonzeptes: Darstellung der theoretischen Kommunikationstheorien und der historischen Genese, die das heutige Mediationsverständnis und die Aufgaben des Mediators prägen.
3. Ablaufphasen der Mediation: Detaillierte Beschreibung des Mediationsprozesses von der Vorbereitung über die Einleitung und Hauptphase bis zur Lösungsfindung und dem formellen Abschluss.
4. Die Bedeutung des kulturellen Hintergrundes in der Mediation: Auseinandersetzung mit dem Kulturbegriff, kulturellen Einflüssen auf Konfliktwahrnehmung und dem taktischen Einsatz von Kultur als Machtinstrument.
5. Ein handlungsorientierter Ansatz zur Wahrnehmung kultureller Unterschiede: Einführung eines handlungsorientierten Modells von Nestvogel zum Umgang mit Fremdheitskonstruktionen.
6. Die gesellschaftliche Relevanz interkultureller Konflikte: Analyse des Konfliktpotentials durch strukturelle Diskriminierung und der Lebensverhältnisse verschiedener Migrantengruppen in Deutschland.
7. Ethnisierung als Verbindung struktureller und kultureller Merkmale und ihre Funktion für die gesellschaftliche Ordnung: Untersuchung des Ethnisierungsprozesses als Instrument der sozialen Grenzziehung und Machtausübung.
8. Die Auswirkungen der gesellschaftlichen Ungleichheit auf das Verhalten der Konfliktparteien vor und während dem Konflikt am Beispiel der Habitus-Theorie Bourdieus: Analyse der Machtverhältnisse und des Habitus im sozialen Raum und deren Einfluss auf Konflikte.
9. Einschränkende Merkmale des Mediationsverfahrens: Kritische Reflexion der methodischen Grenzen des Mediationskonzepts bei interkulturellen und machtasymmetrischen Konflikten.
10. Empirisches Vorgehen: Das problemzentrierte Interview: Methodische Darlegung der qualitativen Forschung und Präsentation des Qantara-Projekts als innovatives Beispiel interkultureller Mediation.
11. Zusammenfassung: Vorrausetzungen für den produktiven Verlauf interkultureller Mediation: Synthese der Ergebnisse und Entwicklung von Voraussetzungen für eine erfolgreiche Mediation im interkulturellen Kontext.
Mediation, Interkulturelle Konflikte, Konfliktbearbeitung, Strukturdiskriminierung, Migrationspädagogik, Machtverhältnisse, Ethnisierung, Interkulturelle Kommunikation, Habitus-Theorie, Qantara-Projekt, Flüchtlinge, Aussiedler, Empowerment, Soziale Ungleichheit, Konfliktmanagement.
Die Diplomarbeit untersucht, inwiefern Mediation als Methode zur Bearbeitung interkultureller Konflikte in Deutschland geeignet ist und welche Herausforderungen die strukturellen sowie kulturellen Rahmenbedingungen für diesen Prozess darstellen.
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Mediation, die Bedeutung von kulturellen Unterschieden, die strukturelle Diskriminierung von Migranten sowie die Anwendung dieser Erkenntnisse auf die Praxis der Mediation.
Das primäre Ziel ist es, zu prüfen, ob Mediation eine geeignete Methode für interkulturelle Konflikte ist, und daraus Voraussetzungen für eine produktive Anwendung in der Praxis abzuleiten.
Neben einer ausführlichen Literaturanalyse zu Konflikttheorien und Diskriminierungsformen führt die Autorin eine qualitative Untersuchung mittels problemzentrierter Interviews durch, um das Qantara-Projekt der Caritas Peine zu evaluieren.
Der Hauptteil befasst sich mit der Klassifikation sozialer Konflikte, den Grundlagen der Mediation, der Analyse der Lebensverhältnisse verschiedener Migrantengruppen in Deutschland, der Rolle von struktureller Diskriminierung und Machtverhältnissen sowie der kritischen Reflexion der Mediationsmethode selbst.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Mediation, Interkulturelle Konflikte, Strukturdiskriminierung, Ethnisierung, Machtverhältnisse und Soziale Ungleichheit charakterisieren.
Die Arbeit betont, dass das klassische Modell aufgrund seiner westlich-individualistischen Prägung auf die spezifischen Bedürfnisse interkultureller Kontext angepasst werden muss, insbesondere in Bezug auf die Berücksichtigung von Machtungleichgewichten und die Rolle des Mediators.
Das Qantara-Projekt ist innovativ, da es geflüchtete Menschen selbst zu Mediatoren ausbildet, wobei deren kulturelles Hintergrundwissen als wertvolle Ressource für die Vermittlung zwischen betroffenen Familien und deutschen Institutionen wie Schulen oder Jugendämtern genutzt wird.
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