Magisterarbeit, 2003
125 Seiten, Note: sehr gut
1. Einleitung
2. Angaben zur Quellen- und Literatursituation
3. Darstellung der „Dritten Wege“
3.1 Der Versuch der Reformierung von Staat, Gesellschaft und Wirtschaft in der ČSSR. Der „Prager Frühling“
3.1.1 Der „Prager Frühling“ und seine historischen Voraussetzungen
3.1.2 Der Machtwechsel in der Staats- und Parteiführung. Beginn des Reformversuchs
3.1.3 Das Aktionsprogramm der KPČ
3.1.4 Der Reformdruck von „unten“ und die Zuspitzung des Konflikts mit den sozialistischen Verbündeten
3.2 Der italienische Weg zum Sozialismus. Der „Historische Kompromiss“
3.2.1 Die Entstehungsgeschichte des „Historischen Kompromiss“
3.2.2 Die Strategie des „Historischen Kompromiss“
3.2.3 Das Bündnis der KPI mit den Christdemokraten
3.2.4 Die Ursachen des politischen Aufstiegs der KPI in den 70er Jahren und des Scheiterns ihrer Bündniskonzeption
3.2.5 Die Reformpolitik der italienischen Kommunisten
3.3 Perestroika und Glasnost in der UdSSR
3.3.1 Die Ursachen der Perestroika
3.3.2 Die Perestroika begann durch Beschleunigung
3.3.3 Umgestaltung statt Beschleunigung
3.3.4 Demokratisierung der Gesellschaft und des politischen Systems
3.3.5 Von der Misch- zur Marktwirtschaft
3.3.6 Die Außenpolitik der Perestroika
Exkurs: Definition des Begriffs Mischsystem
4. Hinderliches und Förderliches auf den Wegen zu einem neuen Sozialismus
4.1 Beeinträchtigungen der Gestaltung eines „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“
4.2 Vorteilhafte Aspekte für die Umsetzung von Reformen während des „Prager Frühlings“
4.3 Hindernisse auf dem italienischen Weg zum Sozialismus
4.4 Günstige Aspekte für den „Historischen Kompromiss“ der KPI
4.5 Negative Einflüsse auf die Perestroika
4.6 Positive Einflüsse auf den Reformprozess in der Sowjetunion
4.7 Die drei Wege zum Sozialismus im Vergleich
4.7.1 Gemeinsamkeiten der drei Reformversuche
4.7.2 Unterschiedliches auf den Wegen zum „Demokratischen Sozialismus“
5. Diskussion
5.1 Argumente für und gegen das Prädikat eines „Dritten Weges“ zu einem „Demokratischen Sozialismus“
5.1.1 Der „Prager Frühling“
5.1.2 Der „Historische Kompromiss“
5.1.3 Die Perestroika
5.1.4 Zusammenfassung der Diskussion um „Dritte Wege“
5.2 Bewertung der Erfolgsaussichten
5.2.1 Systembedingte und nationale Voraussetzungen
5.2.2 Die Reform des gesellschaftlichen und politischen Systems
5.2.3 Die Wirtschaftsreformen
5.2.4 Zusammenfassung der Diskussion der Erfolgsperspektiven
6. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob es sich bei drei ausgewählten sozialistischen Reformbewegungen – dem „Prager Frühling“ in der ČSSR, dem „Historischen Kompromiss“ der italienischen Kommunisten sowie der Perestroika in der UdSSR – tatsächlich um neuartige Ansätze handelte, die als „Dritte Wege“ zu einem „Demokratischen Sozialismus“ klassifiziert werden können, und welche Faktoren deren Erfolg oder Scheitern bedingten.
3.1.1 Der „Prager Frühling“ und seine historischen Voraussetzungen
Als die Führung der KPČ in den frühen 60er Jahren erkennen musste, dass die Zeit des wirtschaftlichen Wachstums vorbei war und der Staat sich in einer Wirtschaftskrise von erheblichem Ausmaß befand, erklärte sie sich bereit, Veränderungen im Bereich der Wirtschaftspolitik zuzulassen. Dies war mit dem Eingeständnis gleichzusetzen, dass die seit anderthalb Jahrzehnten praktizierte und administrativ geleitete Planwirtschaft nicht mehr in der Lage war, die von der Partei propagierte Überlegenheit der Planwirtschaft gegenüber der Marktwirtschaft glaubhaft in ihren Resultaten widerzuspiegeln.
Deshalb beauftragte die Parteiführung der KPČ eine Gruppe von Wissenschaftlern unter der Leitung des Ökonomieprofessors Ota Šik ein Reformprogramm für die marode Planwirtschaft zu entwerfen. Das Reformkonzept von Šik wurde im Januar 1965 durch eine Resolution des ZK angenommen. Die „Hauptgrundsätze des neuen Systems der Leitung der Volkswirtschaft“ beinhalteten im Wesentlichen, dass der bisherige Volkswirtschaftsplan nur noch einen indikativen Charakter in Form eines Rahmenplans erhielt. Er sollte durch Kennziffern die volkswirtschaftliche Entwicklungsrichtung vorgeben und damit in erster Linie gesamtgesellschaftliche Interessen innerhalb der Wirtschaft erfüllen. Das Mittel der Kennziffern sollte beispielsweise in Gestalt von Steuererhebungen dafür sorgen, dass die Betriebe, denen mit der Reform mehr ökonomische Selbständigkeit gestattet wurde, nicht gegen die gesellschaftlichen Interessen wirtschafteten. Die im Staatsbesitz verbleibenden Unternehmen hatten ihre Produktionsmenge und ihre Produktionsergebnisse an der Nachfrage und an realen, frei gebildeten Preisen, unter anderem auch den Weltmarktpreisen, zu orientieren.
Durch die Förderung der materiellen Interessiertheit, in Form von Kopplung des Arbeitslohnes an die erbrachte Arbeitsleistung und die wirtschaftlichen Ergebnisse des Betriebes sollte sowohl die Qualität der Produkte als auch die Effektivität des Produktionsprozesses gesteigert werden.
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Fragestellung nach der Aktualität und den Gründen für das Scheitern historischer „Dritter Wege“ zwischen Sozialismus und Kapitalismus dar.
2. Angaben zur Quellen- und Literatursituation: Dieser Abschnitt erläutert die Auswahl und Relevanz der verwendeten Quellen und Sekundärliteratur zu den Reformprozessen in der ČSSR, Italien und der UdSSR.
3. Darstellung der „Dritten Wege“: Das Kapitel detailliert die Reformbemühungen des Prager Frühlings, des Historischen Kompromisses und der Perestroika in ihren jeweiligen historischen Kontexten.
4. Hinderliches und Förderliches auf den Wegen zu einem neuen Sozialismus: Hier werden die internen und externen Faktoren analysiert, die den Fortschritt oder das Scheitern der untersuchten Reformvorhaben beeinflusst haben.
5. Diskussion: Dieser Teil setzt sich kritisch mit der Einordnung der drei Beispiele als „Dritte Wege“ auseinander und bewertet deren tatsächliche Erfolgsperspektiven.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert die Anwendbarkeit der historischen Konzepte auf die heutige Zeit.
Sozialismus, Dritter Weg, Demokratischer Sozialismus, Reformpolitik, Prager Frühling, Historischer Kompromiss, Perestroika, Glasnost, Planwirtschaft, Marktwirtschaft, KPČ, KPI, KPdSU, politische Partizipation, Systemtransformation.
Die Magisterarbeit untersucht die historischen Versuche sozialistischer Reformbewegungen, einen sogenannten „Dritten Weg“ zwischen dem real existierenden Sozialismus und dem westlichen Kapitalismus zu etablieren.
Die zentralen Themen sind der Prager Frühling in der Tschechoslowakei (1968), der Historische Kompromiss der Kommunistischen Partei Italiens in den 1970er Jahren und die Perestroika in der UdSSR (1985–1990).
Das primäre Ziel ist es, zu analysieren, ob es sich bei diesen drei Projekten tatsächlich um neuartige sozialistische Reformmodelle handelte und warum diese letztlich gescheitert sind.
Der Verfasser nutzt eine historisch-vergleichende Analyse, basierend auf der Auswertung von zeitgenössischen Dokumenten, Memoiren führender Akteure und einschlägiger Sekundärliteratur.
Im Hauptteil werden die Reformvorstellungen der Akteure (Dubček, Berlinguer, Gorbatschow) detailliert dargestellt und anschließend die internen sowie externen Hindernisse und förderlichen Bedingungen vergleichend bewertet.
Begriffe wie Systemtransformation, Demokratisierung, Arbeiterselbstverwaltung, Parteipluralismus, Hegemonietheorie und die Überwindung des Marxismus-Leninismus sind zentral für das Verständnis der Arbeit.
Der Prager Frühling zeichnete sich durch eine breite Unterstützung aus der Bevölkerung aus, wobei die Reformen von oben durch eine Dynamik von unten legitimiert wurden, was bei den anderen beiden Fällen so nicht in vergleichbarer Intensität auftrat.
Laut Autor scheiterte der Historische Kompromiss primär an der mangelnden Bereitschaft der Christdemokraten, die Kommunisten offiziell in die Regierungsverantwortung einzubeziehen, sowie an der zunehmenden Entfremdung der kommunistischen Parteibasis durch die Kompromisspolitik.
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