Doktorarbeit / Dissertation, 2001
200 Seiten, Note: Opus laudabile (gut)
Einleitung
I. Kapitel: Supranaturalismus, Aufklärung und die Frühgeschichte der Rezeption des Parsismus im Denken und Wirken von Johann Friedrich Kleuker
1. Vorbemerkungen
2. Die Authentizität des „Zend-Avesta“
3. Die Bedeutung der Authentizitätsproblematik
II. Kapitel: Der Stellenwert des Parsismus im geschichtlichen Denken von Johann Gottfried Herder
1. Vorbemerkungen
2. Herders Auseinandersetzung mit den altpersischen Quellen
3. Forschung
4. „Zend-Avesta“ und das Neue Testament: Herders Sprach- und Begriffsvergleiche
5. Die Stilisierung des Urchristentums zur Naturreligion
III. Kapitel: Johann Wolfgang Goethe und das idealisierte Bild Persiens
1. Vorbemerkungen
2. Goethes Quellen
3. Forschung
4. Zarathustra und die Depravation der Naturreligion der Perser
4.1 Das vorzoroastrische Stadium
4.2 Das nachzoroastrische Stadium
4.3 Schlußbetrachtung
5. Die altpersische Geschichte im „West-östlichen Divan“
5.1 Von den „friedlichen“ und „gesitteten“ Persern
5.2 Die orientalische Despotie
5.3 Die Geschichte der Achämeniden und Sassaniden
6. Goethes Intention bei der Auseinandersetzung mit dem Parsismus
IV. Kapitel: Die Entwicklung der Rezeption des Parsismus in den Werken von Friedrich Spiegel
1. Vorbemerkungen
2. Die Erläuterung des „Zend-Avesta“
3. Die Tendenz der vergleichenden Sprachwissenschaft im Zeitalter Spiegels
V. Kapitel: Die stilistische Bedeutung der Antonyme ‘gut’ und ‘böse’ in Friedrich Nietzsches „Also sprach Zarathustra“
1. Vorbemerkungen
2. Forschung
3. Nietzsche und sein Interesse am Dualismus der Zarathustra-Religion
4. ‘Gut und Böse’ als Vehikel zur Chiffrierung der Grundgedanken Nietzsches
4.1 Die Vorrede des Zarathustra
4.2 Also sprach Zarathustra. Erster Teil
4.3 Also sprach Zarathustra. Zweiter Teil
4.4 Also sprach Zarathustra. Dritter Teil
4.5 Also sprach Zarathustra. Vierter Teil
Das Hauptziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Rezeption des Parsismus in der deutschen Literatur zwischen 1772 und 1886 zu untersuchen. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie ausgewählte deutsche Dichter, Autoren und Wissenschaftler – namentlich Kleuker, Herder, Goethe, Spiegel und Nietzsche – den Parsismus nutzten, um ihre eigenen weltanschaulichen und philosophischen Ziele zu begründen und zu rechtfertigen.
Die Bedeutung der Authentizitätsproblematik
Die zahlreichen Schriften der wissenschaftlich gebildeten Griechen und Römer über das persische Leben, die persische Religion und Weltanschauung bezeugen ihr starkes Interesse an der geistigen Auseinandersetzung mit Persien. Man braucht hierbei nur Pythagoras oder Plato zu erwähnen, die sich kürzer oder länger mit der geheimnisvollen Lehre Zoroasters befaßten. Die Lehre der Magier faszinierte ebenso Theopompos und Hermippos. Die religiösen und sittlichen Anschauungen der Perser waren auch Gegenstand der Forschungen von Herodot und Strabon. Nicht zuletzt soll auf die märchenhafte Lebensdarstellung des persischen Königs Kyros durch Xenophon verwiesen werden. In den Berichten der erwähnten Schriftsteller und Geschichtsschreiber und in den Werken anderer griechisch-römischer Autoren kann man über den Kult, das soziale Leben, die Sitten, Gebräuche, Gewohnheiten, Einrichtungen, Handlungen und Worte der Perser lesen, wodurch die Denkweise dieses Volkes herausgestellt wird. Man fragt sich, woher eigentlich dieses große Interesse kommt? Was waren der Sinn und Zweck solcher umfangreichen Erforschungen?
In seiner Abhandlung „Indien und Europa“ hat Wilhelm Halbfass den allgemeinen Grund für das abendländische Interesse an der geistigen Auseinandersetzung mit dem Orient zusammenfassend geschildert: „Die Suche nach ... dem ‘Orient’ im allgemeinen ist, ebenso wie die Abgrenzung dagegen, ein exemplarisches Motiv der europäischen Selbstbesinnung, Selbstdarstellung und Selbstkritik, und sie ist seit der Antike immer wieder mit der Frage nach dem Ursprung und Inhalt, nach der Identität und Kontinuität der eigenen Tradition verknüpft worden, insbesondere auch mit der Frage nach dem Grund und Anfang der Philosophie und ihrer geschichtlichen Überlieferung“.
Einleitung: Einführung in die Rezeptionsgeschichte des Parsismus durch ausgewählte deutsche Denker zwischen 1772 und 1886.
I. Kapitel: Supranaturalismus, Aufklärung und die Frühgeschichte der Rezeption des Parsismus im Denken und Wirken von Johann Friedrich Kleuker: Darstellung von Kleukers theologischer Auseinandersetzung mit dem Zend-Avesta zur Verteidigung der christlichen Offenbarung.
II. Kapitel: Der Stellenwert des Parsismus im geschichtlichen Denken von Johann Gottfried Herder: Analyse von Herders Bemühungen, den Parsismus ästhetisch-historisch als Beleg für die frühgeschichtliche Uroffenbarung Gottes zu deuten.
III. Kapitel: Johann Wolfgang Goethe und das idealisierte Bild Persiens: Untersuchung von Goethes künstlerischer Transformation persischer Themen im West-östlichen Divan zur Stilisierung seiner eigenen Naturreligiosität.
IV. Kapitel: Die Entwicklung der Rezeption des Parsismus in den Werken von Friedrich Spiegel: Darstellung von Spiegels philologischem Beitrag zur Avesta-Forschung und seiner historisch-philologischen Methodik.
V. Kapitel: Die stilistische Bedeutung der Antonyme ‘gut’ und ‘böse’ in Friedrich Nietzsches „Also sprach Zarathustra“: Untersuchung der Verwendung parsistischer Begriffe als Chiffren für Nietzsches Ideen von Umwertung der Werte und Übermensch.
Parsismus, Zend-Avesta, Rezeptionsgeschichte, Kleuker, Herder, Goethe, Nietzsche, Zarathustra, Aufklärung, Religionsgeschichte, Dualismus, Umwertung der Werte, Urchristentum, Philologie, Orientalistik.
Die Dissertation untersucht, wie deutsche Dichter und Gelehrte vom späten 18. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts den persischen Parsismus rezipierten, um eigene weltanschauliche Ideen zu stützen.
Die Themen umfassen die Geschichte der Religionswissenschaft, die Bedeutung der Aufklärung für die Orientalistik, die Ästhetik in der Literatur sowie die philosophische Auseinandersetzung mit Dualismus und Moral.
Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass die Beschäftigung dieser Persönlichkeiten mit dem Parsismus primär dazu diente, eigene philosophische Argumente zu rechtfertigen und die christliche oder post-christliche Weltsicht zu untermauern.
Die Arbeit nutzt eine komparative Literatur- und Ideengeschichtliche Methode, kombiniert mit einer Analyse der zeitgenössischen Forschung und Quellenlage der jeweiligen Autoren.
Der Hauptteil gliedert sich in fünf Kapitel, die jeweils eine Persönlichkeit (Kleuker, Herder, Goethe, Spiegel, Nietzsche) und deren spezifische Rezeption und Motivation im Umgang mit parsistischem Gedankengut analysieren.
Zentrale Begriffe sind Parsismus, Zend-Avesta, Rezeptionsanalyse, die genannten Autoren, Dualismus, Umwertung der Werte sowie die Beziehung zwischen Vernunft und Offenbarung.
Für Kleuker diente der Zend-Avesta als historisches Beweismittel, um den Ursprung des Christentums in einer vorchristlichen, göttlichen Uroffenbarung zu verankern und den theologischen Rationalismus abzuwehren.
Nietzsche wählte Zarathustra, da er ihn als den „ersten Moralisten“ der Geschichte sah, der den Fehler der „Moral“ als Metaphysik begangen hatte und somit der erste sein musste, der diesen Fehler auch wieder aufdeckte.
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