Magisterarbeit, 2003
97 Seiten, Note: 1,5
1. Thema und Abgrenzung
1.1. Ziel der Untersuchung
1.2. Aufbau und Inhalt der Untersuchung
2. Eine gender-sensible Betrachtung des Bedeutungsfeldes ‘Empowerment’
2.1. Strukturelle Determinanten von Disempowerment
2.2. Zur Zentralität des Machtdiskurses im Empowerment-Ansatz
2.3. Das Idealmodell eines Empowerment-Prozesses
3. Untersuchung von Mikrokrediten der Grameen-Bank als Instrument des Frauen-Empowerments
3.1. Zwischen Tradition und Neubeginn: Veränderungspotentiale der gesellschaftlichen Position von Frauen in Bangladesch
3.1.1. Rahmenbedingungen: Lebensalltag bengalischer Frauen
3.1.2. Zur Relativität normativer Ansprüche
3.2. Projektverlauf und Hintergründe der Grameen-Bank
3.3. Evaluierungen zur Grameen-Bank
3.3.1. Herangehensweisen von Evaluierungen mit Empowerment bejahendem Ergebnis
3.3.2. Herangehensweisen von Evaluierungen mit Empowerment verneinendem Ergebnis
3.3.3. Ursachen für heterogene Ergebnisse im Forschungsdiskurs
4. Die Empowerment-Wirkungskette dargestellt am Beispiel von Mikrokrediten der Grameen-Bank
4.1. Die Visibilisierung des ‘unsichtbaren Geschlechts’ als Auslöser einer Wirkungskette
4.1.1. Die erste Hürde: Motive für das aktive Heraustreten aus Marginalisierung und Fremdbestimmung
4.1.2. Mehr als bloße Kreditsicherheit: Die Erzeugung eines Wir-Gefühls in den Frauenspargruppen
4.1.3. Die Bedeutung von Vorbildern und Innovatoren
4.2. Wandel der Wahrnehmung: Prozesse soziokultureller Aufwertung
4.2.1. Partizipation als selbstwertdienlicher Mechanismus
4.2.2. Von der Hausfrau zur Familien-Ernährerin: Auswirkungen auf das haushaltsinterne Machtgefüge
4.2.3. Anerkennung oder Duldung? Zur Außenwahrnehmung und Akzeptanz von Kreditnehmerinnen in der bengalischen Gesellschaft
4.3. Neue Horizonte: Allokation von Krediten als erstmalige Chance einer eigenständigen Lebensgestaltung
4.3.1. Die Bedeutung eines Bewusstseins für monetäre Mechanismen als Grundlage für individuelle Lebensplanung
4.3.2. Beseitigung formaler Barrieren: Die Erschließung überindividueller Handlungsoptionen
4.3.3. Handlungsfelder zwischen Kapitalvermehrung und –konvertierung
4.4. Empowerment - Chance zur Überwindung des klassischen Determinismus oder Schaffung von Frauen-Nischen?
4.5. Schwierigkeiten und Barrieren im Empowerment-Konzept der Grameen-Bank
4.6. Investitionen in die Zukunft: Zu Nachhaltigkeit und Perspektiven gesellschaftlichen Wandels
5. Fazit und Ausblick: Multidimensionales Erklärungsmodell zur Erklärung von Empowerment
Die Arbeit untersucht das Empowerment-Potential des Mikrokredit-Programms der Grameen-Bank in Bangladesch. Das zentrale Ziel ist es, den prozesshaften Charakter von Empowerment als komplexe Wirkungskette zu analysieren, um zu verstehen, inwiefern die Kreditvergabe den Frauen eine Überwindung struktureller Unterdrückung und Fremdbestimmung ermöglicht.
4.1.2. Mehr als bloße Kreditsicherheit: Die Erzeugung eines Wir-Gefühls in den Frauenspargruppen
Die Bank ersetzt fehlende reale, also materielle Sicherheiten durch soziale Sicherheit, indem sie auf den Zusammenschluss der Kreditnehmer in Spargruppen beisteht. Diese Verbindung des formellen und des informellen Finanzsektors geschieht nicht nur, um die Transaktionskosten der Bank niedrig zu halten (vgl. Schultz 2002: 61), sondern dient auch als sog System des „peer monitoring“ (Bittner 1995: 6), mit dessen Hilfe einerseits Transparenz erzeugt wird, Korruption und Ausfälle innerhalb der Gruppe minimiert werden, und welches andererseits dafür sorgen soll, dass ein Gefühl der Zusammengehörigkeit entsteht. Innerhalb dieses Systems übernehmen die Gruppenmitglieder gegenseitige Verantwortung, diskutieren die Durchführbarkeit vorgeschlagener Kredit-Verwendungszwecke und kontrollieren die Regelmäßigkeit der Rückzahlungen. In einem Umfeld aus Gruppendruck- und Gruppensolidarität hat jede Teilnehmerin einen Anreiz, die Aktivitäten der anderen bezüglich Kreditverwendung und Rückzahlung zu überwachen. Durch die Interdependenz, die aus dem Zusammenschluss in Spargruppen entsteht, erhöht sich zwar tendenziell das Risiko der einzelnen Kreditnehmerin, da sie für die anderen Gruppenmitglieder garantiert, zugleich erwächst ihnen aber aus den wöchentlichen Treffen der Spargruppen die Möglichkeit, sich als Teil eines übergeordneten sozialen Prozesses zu fühlen (vgl. Kabeer 1998: 20ff.; Bittner 1995: 6f.). Das System der wechselseitigen Kontrolle kann zudem als erfolgreicher Sicherheitsmechanismus bezeichnet werden, wie man an der bemerkenswerten Rückzahlungsquote von 95% erkennt.
1. Thema und Abgrenzung: Einführung in die Problematik der Marginalisierung von Frauen und Definition des Empowerment-Ansatzes als Forschungsgegenstand.
2. Eine gender-sensible Betrachtung des Bedeutungsfeldes ‘Empowerment’: Konzeptionelle Analyse des Empowerment-Begriffs und der damit verknüpften Machtstrukturen.
3. Untersuchung von Mikrokrediten der Grameen-Bank als Instrument des Frauen-Empowerments: Analyse der sozialen Ausgangslage in Bangladesch sowie ein Überblick über die Struktur und Evaluierungen der Grameen-Bank.
4. Die Empowerment-Wirkungskette dargestellt am Beispiel von Mikrokrediten der Grameen-Bank: Detaillierte Darstellung des Empowerment-Prozesses, unterteilt in Mobilisierung, Wahrnehmungswandel und Erschließung neuer Handlungsspielräume.
5. Fazit und Ausblick: Multidimensionales Erklärungsmodell zur Erklärung von Empowerment: Synthese der Ergebnisse in einem theoretischen Modell, das die verschiedenen Dimensionen von Empowerment verknüpft.
Empowerment, Grameen-Bank, Bangladesch, Mikrokredite, Gender, Armutsbekämpfung, soziale Macht, Partizipation, Frauennetzwerke, struktureller Wandel, Eigenverantwortung, Familienplanung, soziale Sicherheit, Kapitalbildung, Transformation.
Die Arbeit befasst sich mit der Wirksamkeit von Mikrokredit-Programmen der Grameen-Bank als Mittel zur Förderung des Empowerment von Frauen in der bengalischen Gesellschaft.
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Wechselwirkung zwischen ökonomischer Kreditvergabe, soziokulturellen Normen, der Veränderung des haushaltsinternen Machtgefüges und dem Potenzial für gesamtgesellschaftlichen Wandel.
Ziel ist es, Empowerment als prozesshafte, multidimensionale Wirkungskette darzustellen, die Frauen aus struktureller Unterdrückung und Fremdbestimmung zu mehr Selbstbestimmung führt.
Es handelt sich um eine theoretisch fundierte Analyse, die auf einer vergleichenden Auswertung bestehender Evaluierungsstudien sowie soziologischer Machtkonzepte basiert.
Der Hauptteil analysiert die Mechanismen von Empowerment, von der anfänglichen Mobilisierung durch Spargruppen bis hin zur langfristigen sozialen und wirtschaftlichen Aufwertung der Frauen.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Empowerment, Grameen-Bank, Gender, Partizipation und struktureller Wandel.
Sie gilt als weltweit renommiertes Modell, das die "Hilfe zur Selbsthilfe" bei extrem armen Frauen durch ein spezifisches Gruppenkredit-System und soziale Leistungen wie Bildung und Gesundheitsvorsorge kombiniert.
Sie kommt zu dem Schluss, dass Empowerment zwar erfolgreich auf individueller und ökonomischer Ebene stattfindet, aber auf institutioneller Ebene aufgrund tief verwurzelter patriarchaler Strukturen weiterhin signifikante Barrieren bestehen.
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