Diplomarbeit, 2011
105 Seiten, Note: 1,0
1. Jugendliche
1.1. Pubertät und Adoleszenz
1.2. Entwicklungsaufgaben
1.3. Hauptaufgabe Identitätsentwicklung
1.4. Fremdplatzierte Jugendliche
2. Identität
2.1. Begrifflichkeiten
2.2. Gesellschaftliche Bedingungen individueller Identität
2.3. Identitätstheorien
2.3.1. Identitätsentwicklung in Phasen
2.3.2. Identität durch soziale Interaktion
2.3.3. Identität als Konstruktion
2.3.4. Zusammenführung
3. Erschwerte Identitätsentwicklung von Fremdplatzierten
3.1. Konfusion
3.2. Negative Gefühle
3.3. Traumata
3.4. Reaktionen und Verhalten
4. Biografiearbeit
4.1. Narrationen in der Biografiearbeit
4.2. Ästhetik und Kreativität in der Biografiearbeit
4.3. Biografiearbeit mit Fremdplatzierten
4.3.1. Biografiearbeit während der Adoleszenz
4.3.2. Biografiearbeit als Gruppenarbeit
4.3.3. Ziele
4.3.3.1. Kohärenz finden
4.3.3.2. Verstehen und Bewältigen
4.3.3.3. Selbstwertgefühl und Selbstwirksamkeit
4.3.3.4. Ressourcen entdecken und nutzen
4.3.3.5. Neue Blickwinkel einnehmen
4.3.3.6. Dokumentation
4.3.3.7. Übungen
4.4. Besonders geeignete Methoden für die Biografiearbeit
5. Playback Theater
5.1. Über eine besondere Theaterform
5.1.1. Wesen
5.1.2. Abgrenzung zu anderen NST-Formen
5.1.3. Historie
5.1.4. Anwendungsfelder
5.2. Playback-Aufführungen – Ablauf und Elemente
5.2.1. Eröffnung
5.2.2. Fließende Skulpturen
5.2.3. Paare
5.2.4. Geschichten („Szenen“)
5.2.5. Bühnenausstattung
5.2.6. Leiter
5.2.7. Abänderungen für die Biografiearbeit mit Fremdplatzierten
5.3. Playback als Biografie- und Identitätsarbeit
5.3.1. Identitätsrelevante und heilende Erfahrungen durch Playback Theater
5.3.1.1. Mitteilen von persönlichen Geschichten
5.3.1.2. Kohärenz, Ressourcen, Autonomie
5.3.1.3. Wertfreiheit und Sicherheit
5.3.1.4. Veränderter Blickwinkel
5.3.1.5. Rollen spielen
5.3.1.6. Spontaneität
5.3.1.7. Gemeinschaftlichkeit
5.3.1.8. Therapeutische Atmosphäre
5.3.2. Anwendungsbeispiel: Playback im Heim
6. Didaktische Überlegungen
6.1. Planung
6.2. Anforderungen an den Biografiearbeiter
6.3. Gruppenbildende Maßnahmen und Übungen
7. Resümee und Ausblick
Ziel dieser Arbeit ist es, zu belegen, dass und warum das Playback Theater als Methode für die Biografiearbeit mit fremdplatzierten Jugendlichen besonders geeignet ist, um deren erschwerte Identitätsentwicklung zu fördern und therapeutische sowie pädagogische Wirkungen zu erzielen.
3.1 Konfusion
Alle Fremdplatzierten sind Kinder zweier Familien. Besonders, wenn ein Kind erst später in eine neue Familie kommt und vorher bereits seelischen und sozialen Bezug hatte. Adoptiv- und Dauerpflegekinder, die ihr Leben lang bei einer Familie leben, sind meist gut in ihrer neuen Familie verwurzelt. Trotzdem kommen in der Adoleszenz Fragen nach den leiblichen Eltern auf. Oft wollen die Adoptivkinder nicht mehr als „mal ein Foto sehen“ oder „mal treffen“, selten tauchen bei diesen Jugendlichen eine tiefe Sehnsucht oder ernsthafte Zweifel auf, wer die „richtigen“ Eltern sind. Der Wunsch, überhaupt etwas über seine Herkunft zu erfahren, ist völlig unabhängig von der Qualität der Beziehung zwischen neuen Eltern und Kind (vgl. Hoffmann-Riem, 1998, S.249).
Jedoch kann die Sehnsucht nach (oder die Idealisierung) der Herkunftsfamilie bei spät- oder mehrmals neu platzierten Kindern, die sich schwer in ihre neue Familie integrieren können, größer sein. Sie leiden oft unter mehr Konfusion, denn meistens gibt es irgendwo Eltern, die sie nicht endgültig hergeben wollen und mit denen sie Kontakt haben (da dies vom Amt ausdrücklich erwünscht ist [vgl. Wiemann, 1994b, S.19]) (vgl. ebd., S.82). Der Mangel an Kontinuität (von Beziehungen, Lebensräumen, Geschichten, usw.) führt in verschiedenen Hinsichten zu Konfusion und sollte, wenn möglich, dringend vermieden werden. Jede Platzierung ist ein weiterer Bruch, durch den einem Kind Schmerz zugefügt wird.
1. Jugendliche: Dieses Kapitel beschreibt die Entwicklungsphasen im Jugendalter, insbesondere die zentrale Aufgabe der Identitätsentwicklung und die spezifischen Herausforderungen für fremdplatzierte Jugendliche.
2. Identität: Hier werden zentrale Begrifflichkeiten geklärt, gesellschaftliche Bedingungen wie Individualisierung analysiert und verschiedene Identitätstheorien (Phasenmodelle, symbolischer Interaktionismus, Konstruktivismus) vorgestellt.
3. Erschwerte Identitätsentwicklung von Fremdplatzierten: Dieses Kapitel erläutert die spezifischen Risikofaktoren für Kinder und Jugendliche, die nicht bei ihren Herkunftsfamilien aufwachsen, und thematisiert Konfusion, negative Gefühle und Traumata.
4. Biografiearbeit: Der Fokus liegt auf der Bedeutung von Narrationen und kreativen Medien, um Identität durch die sinnhafte Verknüpfung der Lebensgeschichte zu stärken, inklusive spezifischer Ziele und Methoden.
5. Playback Theater: Hier erfolgt eine detaillierte Einführung in die Theaterform, deren theoretische Fundierung sowie die spezifische Anwendung und Abänderung für die Biografiearbeit mit fremdplatzierten Jugendlichen.
6. Didaktische Überlegungen: Dieses Kapitel widmet sich der konkreten Planung, den Anforderungen an den Biografiearbeiter sowie gruppendynamischen Maßnahmen und dem Umgang mit Widerständen in der Arbeit mit Jugendlichen.
7. Resümee und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit, Playback Theater als anerkannte Methode in der Biografiearbeit für fremdplatzierte Jugendliche zu etablieren.
Biografiearbeit, Playback Theater, Identitätsentwicklung, fremdplatzierte Jugendliche, Adoleszenz, Narration, Kohärenz, Gruppenarbeit, kreative Methoden, Fremdunterbringung, Identitätsstiftung, pädagogische Praxis, Bindungstheorie, Selbstwirksamkeit, psychosoziale Unterstützung
Die Diplomarbeit untersucht, inwiefern das Playback Theater eine geeignete Methode der Biografiearbeit ist, um fremdplatzierte Jugendliche bei ihrer Identitätsentwicklung zu unterstützen.
Die Arbeit verknüpft Erkenntnisse aus der Entwicklungspsychologie, der Identitätsforschung, der Biografiearbeit und der Theaterpädagogik, mit einem spezifischen Fokus auf die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen in Heimen oder Pflegefamilien.
Das Ziel ist es, den Nutzen narrativer und ästhetischer Ansätze (speziell Playback Theater) wissenschaftlich zu begründen, um Strategien gegen Identitätskonfusion und für eine gelingende Identitätskonstruktion bei der Zielgruppe anzubieten.
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden theoretischen Literaturanalyse aktueller psychologischer und pädagogischer Theorien zur Identität sowie auf der Evaluation von Praxisberichten und methodischen Konzepten der Biografiearbeit.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Identität, die Analyse der besonderen Probleme von Fremdplatzierten sowie die ausführliche Darlegung von Biografiearbeit und Playback Theater als Interventionen.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Identitätsdiffusion, Kohärenzgefühl, narrative Identität, Lebensbuch, Prozessorientierung und kreative Selbstgestaltung charakterisiert.
Adoptivkinder sind oft vollintegrierter in eine neue Familie, haben jedoch ein schmerzliches "Loch" in der Herkunftsgeschichte; Heimkinder erleben oft häufigere Brüche und ein Defizit an familiärer Geborgenheit, was ihre Identitätsfindung erschwert.
Da es weniger auf eine ästhetische Kunstproduktion abzielt, sondern als interaktives Geschehen zwischen Akteuren und Publikum den Gemeinschaftsgeist und das gegenseitige Verständnis fördert, steht die soziale Komponente im Vordergrund.
Ja, laut der Autorin ist Playback Theater eine sehr flexible Form, die keine professionelle Schauspielausbildung erfordert, jedoch fundierte pädagogische oder psychologische Kenntnisse für eine verantwortungsvolle Leitung voraussetzt.
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