Bachelorarbeit, 2013
33 Seiten, Note: 2,7
1. Einleitung
2. Narzissmus und Politik
2.1. Narzissmus – ein Überblick
2.2. Die Narzisstische Persönlichkeit
2.3. Narzissmus und Politik
3. Untersuchung der Bundesregierungen von 1991 bis 2013
3.1. Methoden- und Fallauswahl
3.2. Ergebnisse der Untersuchung
4. Theoretische Interpretation der Ergebnisse
4.1. Die narzisstische Gesellschaft
4.2. Politik ist Narzissmus pflichtig
4.3. Führungsperson zentrierte Erklärungen
5. Fazit und Beantwortung der Forschungsfrage
Die vorliegende Arbeit untersucht, warum der Anteil narzisstischer Persönlichkeiten in den deutschen Bundesregierungen zwischen 1991 und 2013 überdurchschnittlich hoch ist, und analysiert den Zusammenhang zwischen narzisstischen Charakterzügen und dem Streben nach politischer Macht.
2.3. NARZISSMUS UND POLITIK
Die narzisstische Persönlichkeit neigt dazu, in der frühen Kindheit erlebte traumatische Ohnmacht, die zu einem Minderwertigkeitskomplex geführt hat, durch eine Überkompensation zu verdrängen. Die Art und Stärke der Kompensation ist je nach Person unterschiedlich, macht sich jedoch in den meisten Fällen durch Machtstreben, Egoismus und Arroganz bemerkbar (Faust 2012, 20-21; Akhtar 2006, 248-249; Hartmann 2006, 19). Eine besondere Bedeutung kommt dem sogenannten Machtstreben zu. Wirth schreibt hierzu: „Die Erfahrung, auf den anderen und sein Wohlwollen in fundamentaler Weise angewiesen zu sein, gehört zu den schmerzlichsten, aber auch beglückendsten Erfahrungen, denen jeder Mensch vom Beginn seines Lebens an immer wieder ausgesetzt ist. Die Ausübung von Macht und der pathologische Narzissmus stellen Strategien dar, um dieser Abhängigkeit zu entgehen“ (Wirth 2006b, 160). Auch Maaz betont, wie wichtig der Zugang zur Macht für die Kompensation des hauptsächlich männlichen Größenselbst-Narzissmus sei. Frauen hingegen neigen dazu häufig ihren Narzissmus im Schönheitskult zu kompensieren (Maaz 2013, 115).
Laut Wirth ist die Politik ein Bereich in dem die „reinste“ Form der Macht ausgeübt werden kann: „In der Wirtschaft geht es in erster Linie um den wirtschaftlichen Erfolg. Um diesen zu erreichen, muss Macht ausgeübt werden. Auch wenn sie reichlich vorhanden ist, hat sie doch nur dienenden Charakter. Der Politiker hingegen kann sich ausschließlich auf die Macht konzentrieren. Ihre Ausübung verknüpft sich ganz mit seiner Person und damit auch mit seinen narzisstischen Problem“ (Wirth 2006a, 54). Der Soziologe Max Weber (1864-1920) hatte in seiner Publikation von 1921 Wirtschaft und Gesellschaft auf die zentrale Rolle der Macht in der Politik hingewiesen (Weber 1921, 28). Für Weber ist Macht: „jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht“ (Weber zitiert nach Kaina 2009, 391; Weber zitiert nach Wirth 2006a, 110).
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, beleuchtet das Defizit der Politikwissenschaft bezüglich des Faktors Persönlichkeit und skizziert die methodische Vorgehensweise.
2. Narzissmus und Politik: Das Kapitel bietet einen psychoanalytischen Überblick über Narzissmus-Theorien (insb. Kohut) und setzt diese in Bezug zum politischen Machtstreben.
3. Untersuchung der Bundesregierungen von 1991 bis 2013: Es erfolgt eine empirische Analyse der Regierungsmitglieder, bei der Korruptionsfälle als Indikator für eine narzisstische Persönlichkeit herangezogen werden.
4. Theoretische Interpretation der Ergebnisse: Die Untersuchungsergebnisse werden anhand dreier Ansätze – narzisstische Gesellschaft, Politik als narzisstisches Betätigungsfeld und führungszentrierte Erklärungen – interpretiert.
5. Fazit und Beantwortung der Forschungsfrage: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit, psychologische Faktoren in der politischen Elitenforschung stärker zu gewichten.
Narzissmus, Politik, Macht, narzisstische Persönlichkeit, Korruption, Elitenforschung, Machtstreben, psychologische Abwehrmechanismen, narzisstische Gesellschaft, Charisma, politische Sozialisation, Machtmissbrauch, politische Psychologie, narzisstische Kollusion, Führungspersönlichkeit.
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen narzisstischen Persönlichkeitszügen und politischem Machtstreben anhand der deutschen Bundesregierungen der Jahre 1991 bis 2013.
Zentrale Themen sind die psychologischen Grundlagen von Narzissmus, die Rolle von Macht in der Politik sowie die Frage, ob und wie man Narzissmus bei Spitzenpolitikern empirisch feststellen kann.
Das Ziel ist es, zu verdeutlichen, dass ein überdurchschnittlich hoher Anteil von Regierungsmitgliedern narzisstische Züge aufwies, und zu analysieren, wie diese Persönlichkeitsstrukturen durch das Bekleiden hoher Ämter beeinflusst werden.
Die Arbeit nutzt eine empirisch-analytische Methode, bei der Korruptionsskandale und Affären als externe Indikatoren für eine mögliche narzisstische Veranlagung der untersuchten 85 Regierungsmitglieder verwendet werden.
Der Hauptteil umfasst die psychologische Theoriebildung, die eigentliche Untersuchung der 85 Mitglieder der Bundesregierungen sowie eine anschließende theoretische Interpretation der gefundenen Korruptionsfälle.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Narzissmus, Politik, Macht, Korruption und politische Elitenforschung beschreiben.
Der Autor argumentiert, dass Korruption und Machtmissbrauch Ausprägungen von kriminellem Verhalten sind, die eng mit narzisstischen Strukturen und der rücksichtslosen Verdrängung einer "äußeren Gruppe" verknüpft sind.
Die Einteilung erfolgt in drei Gruppen: solche ohne auffälliges Verhalten, solche, die bereits vor ihrem Amt auffällig wurden, und solche, bei denen erst die Macht des Amtes korruptes Verhalten und damit narzisstische Züge sichtbar machte.
Ja, die Studie stellt fest, dass in den untersuchten Regierungen nahezu ausschließlich Männer durch korruptes Verhalten auffielen, was unter anderem mit der männlich geprägten Machtausübung und der Unterrepräsentanz von Frauen in Eliten erklärt wird.
Die Kollusion beschreibt das unbewusste Zusammenspiel zwischen "Führern" (dominanten, narzisstischen Politikern) und "Geführten" (einer Bevölkerung, die nach Identifikation mit Größe sucht), was die Toleranz gegenüber korruptem Verhalten in der Politik erklären kann.
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