Masterarbeit, 2008
93 Seiten, Note: 1,0
1 Annäherung an ein Verständnis von „Prophetie“
1.1 Begriffsklärung
1.1.1 Begriffsabgrenzung
1.1.2 Prophetie im Alten Testament
1.2 Begriffsproblematisierung
1.3 Fortführung prophetischen Wirkens
1.3.1 Apokalyptik
1.3.2 Prophetie, praktisch-theologisch
2 Konstruktion eines Prophetiebegriffs der Gegenwart
2.1 Christliche Zielperspektiven
2.1.1 Exodus
2.1.2 Die synoptischen Evangelien
2.1.2.1 Das Matthäusevangelium
2.1.2.2 Das Markusevangelium
2.1.2.3 Das Lukasevangelium
2.1.3 Reich Gottes
2.1.4 Kreuz und Auferstehung
2.2 Christen in den Lebensprozessen der Welt
2.3 Möglichkeiten und Grenzen des vorgestellten Prophetiebegriffs
3 Ein konkretes Beispiel für zu hörende prophetische Stimmen in der heutigen Welt
3.1 Das Apartheidsystem in Südafrika – Die sozialwissenschaftliche Diagnose
3.2 Rassismus – Die theologische Deutung
3.3 Das Antirassismusprogramm des ÖRK
3.3.1 Das Antirassismusprogramm des ÖRK als prophetische Stimme unserer Zeit?
4 Schlussbemerkungen
Die Arbeit untersucht das Potenzial christlichen Glaubens in der heutigen Welt durch die leitende Fragestellung: „Kann man heute noch prophetische Stimmen hören?“. Ziel ist es, unter Rückgriff auf alttestamentliche Traditionen einen zeitgemäßen Prophetiebegriff zu konstruieren und anhand des Antirassismusprogramms des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) zu prüfen, inwieweit dieses als praktisches Beispiel für prophetisches Engagement in der Gegenwart dienen kann.
3.1 Das Apartheidsystem in Südafrika – Die sozialwissenschaftliche Diagnose
Es lassen sich drei Typen afrikanischer Krisen unterscheiden. In den folgenden Ausführungen gilt die Aufmerksamkeit jedoch vorrangig der Krise zwischen dem ‚schwarzen’ und dem ‚weißen’ Afrika.
‚Afrikaner’ [nannten] sie sich und [verweigerten] diesen Namen doch jedem Mitbürger dunkler Hautfarbe. Auf dem gesamten afrikanischen Kontinent [wurde und] wird jeder Schwarze mit ‚Afrikaner’ betitelt. In Südafrika [galt] das als Hochverrat. ‚Wahrer Afrikaner’ [konnte] ihrer Meinung nur sein, wer Nachkomme eines Buren [war], vor allem Nachkomme einer jener Voortrekker-Gruppen, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts in die Wildnis gezogen waren […] Sie [entwickelten] sich im Laufe eines Jahrhunderts zu einem ‚Volk’ […], [gewannen] eine Identität […], auf die sie stolz [waren].
In Südafrika sicherte bis 1993 das System der Apartheid, euphemistisch „getrennte Entwicklung“ genannt, die Macht der weißen Minorität über die schwarze Mehrheit. Als Apartheid bezeichnet man das seit der Machtübernahme der burischen National Party 1948 in Südafrika offiziell durchgesetzte System einer totalen Trennung der Bevölkerung auf Grund ethnischer Zugehörigkeit mit dem Ziel, die politische, militärische und wirtschaftliche Vorherrschaft der weißen Minderheit zu sichern und allen anderen Bevölkerungsgruppen einen inferioren Status zuzuweisen, sie untereinander zu zerteilen und sie auf diese Weise davon abzuhalten, sich auf der Grundlage ihrer gemeinsamen Unterdrückung zu identifizieren.
1 Annäherung an ein Verständnis von „Prophetie“: Dieses Kapitel klärt den etymologischen Ursprung und die biblische Tradition der Prophetie und problematisiert deren Anwendung auf die Gegenwart.
2 Konstruktion eines Prophetiebegriffs der Gegenwart: Hier wird ein aktueller Prophetiebegriff entfaltet, der Christen als hellsichtige Gesellschaftsbeobachter identifiziert, die aus christlich-glaubender Perspektive Kritik üben.
3 Ein konkretes Beispiel für zu hörende prophetische Stimmen in der heutigen Welt: Dieses Kapitel prüft das Antirassismusprogramm des ÖRK als praktisches Fallbeispiel für die im vorherigen Kapitel konstruierte Theorie.
4 Schlussbemerkungen: Der Autor resümiert, dass prophetische Stimmen heute theoretisch wie praktisch hörbar sind, betont jedoch den vorläufigen Charakter dieser Erkenntnisse.
Prophetie, Prophetiebegriff, Christliche Zielperspektiven, Apokalyptik, Reich Gottes, Rassismus, Apartheid, Ökumenischer Rat der Kirchen, Politische Theologie, Gesellschaftskritik, Widerstand, Christliche Freiheit, Sozialethik, Biblische Tradition, Religiöse Interpretation.
Die Arbeit untersucht, ob und wie in der heutigen Welt „prophetische Stimmen“ – verstanden als kritisches Engagement aus christlicher Perspektive – existieren und wahrgenommen werden können.
Die Arbeit verknüpft biblische Prophetietheologie und christliche Sozialethik mit konkreten politischen Herausforderungen wie Rassismus und gesellschaftlichen Machtstrukturen.
Das Ziel ist die Konstruktion eines zeitgemäßen Prophetiebegriffs, der als Grundlage dient, um konkretes politisches Handeln (hier am Beispiel des ÖRK) theologisch zu bewerten.
Es handelt sich um eine theologisch-hermeneutische Analyse, die deskriptive Literatur auswertet und diese auf ein konkretes politisches Beispiel (Südafrika/Apartheid) anwendet.
Neben der theoretischen Herleitung des Prophetiebegriffs werden christliche Zielperspektiven (Exodus, Evangelien, Gottesreich) analysiert und auf ihre Relevanz für politisches Handeln hin überprüft.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie „Prophetie“, „Gesellschaftskritik“, „Rassismus“, „Politische Theologie“ und „Christliche Freiheit“ maßgeblich bestimmt.
Der Autor versucht eine „Traditionslinie“ zu ziehen, indem er das alttestamentliche Wächteramt der Propheten als Vorbild nimmt, aber betont, dass modernes prophetisches Handeln in den Kontext der christlichen Sprach- und Glaubensgemeinschaft eingebettet sein muss.
Das Programm dient als praktischer Beleg für den „Dreischritt“ des Handelns (Sehen – Urteilen – Handeln) und zeigt, wie eine christlich motivierte „parteiische“ Haltung gegen strukturelle Ungerechtigkeit institutionalisiert werden kann.
Der Autor argumentiert, dass mantische Prophetie („Wahrsagerei“) aus christlicher Sicht als Aberglauben abgelehnt wird, während biblisch orientierte Prophetie durch ihre sozialkritische und befreiungstheologische Dimension charakterisiert ist.
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