Diplomarbeit, 2003
71 Seiten, Note: 2,5
0 Einleitung
1 Sozialisation
1.1 Sozialisationsinstanzen
1.2 Sozialisation durch die Schule
2 Soziale Benachteiligung und Armut in einer reichen Gesellschaft
2.1 Kinder aus Familien mit arbeitslosen Eltern
2.1.1 Subjektive Wahrnehmung / Bewältigungsmuster
2.1.2 Veränderung im Wohnen
2.1.3 Gesundheit
2.1.4 Sozialer Rückzug
2.2 Ausländische Kinder und deren Familien
2.2.1 Sozialräumliche Bedingungen
2.2.2 Das Zusammenleben in einer multikulturellen Gesellschaft
2.2.3 Haushaltsstruktur / Haushaltseinkommen
2.3 Folgen der sozialen Benachteiligung bei Kindern und Jugendlichen
2.4 Vergleich von ausländischen Familien mit deutschen Arbeitslosenfamilien
3 Institution Schule und ihre Funktionen
3.1 Bedeutung der Schulzeit
3.2 Gesellschaftliche Bedingungen
3.3 Institutionelle Bedingungen
3.4 Spezifische Problemfelder von sozial benachteiligten Kindern im Schulalltag
3.4.1 Problemfeld soziale Situation
3.4.2 Problemfeld Sprache
4 Der Umgang von Lehrern mit sozial benachteiligten Schülern
4.1 Schichtenspezifische Chancen in der Erfüllung schulischer Normen
4.2 Typisierung der Schüler durch den Lehrer
4.3 Die Behandlung negativ typisierter Schüler durch den Lehrer
4.3.1 Benachteiligung in der Notengebung
4.3.2 Benachteiligung im Interaktionsprozess
4.4 Verhältnis von deutschen Lehrern mit ausländischen Schülern
5 Die Bewältigung von Schülerproblemen
5.1 Beispiel aus dem Schulalltag
5.2 Reaktionen von Lehrern auf problembelastete Schüler
6 Umfrage
7 Zusammenfassung und Schlussfolgerung für die Praxis
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht die gesellschaftlichen Veränderungen innerhalb und außerhalb der Familie sowie deren Auswirkungen auf die soziale Benachteiligung von Kindern. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Lehrer mit Kindern aus sozial benachteiligten Familien – insbesondere aus arbeitslosen und ausländischen Familien – im Schulalltag umgehen und wie diese Prozesse, etwa durch Stigmatisierung und Notengebung, die Entwicklung der Schüler beeinflussen.
5.1 Beispiel aus dem Schulalltag
„Dipak, ein 14jähriger indischer Schüler, wurde wegen seiner „kriecherischen“ Art, mit der er die Lehrer mit „weinerlichen“ Beschwerden und Bitten belästigt, als problematisch empfunden. Er bat sie zum Beispiel um besondere Erlaubnis, später zum Unterricht kommen oder eher gehen zu dürfen oder beim Sport nicht mitmachen zu müssen. Dadurch wollte er den anderen Jungen aus dem Weg gehen, die ihn schikanierten. Er hatte keine Freunde und so suchte er dauernd Hilfe, hauptsächlich von Lehrerinnen. Vor männlichen Lehrern habe er, wie er sagte, Angst. Die Kolleginnen fühlten sich durch sein ständiges „auf der Lauer liegen“ ausgelaugt und versuchten, sich nur kurz mit ihm abzugeben oder ihn ganz zu meiden. Sie „hielten seine irritierende Art einfach nicht aus“.
Der Junge war jedoch fleißig, besonders in der Mathematik und zeigte in Fächern wie Sozialkunde ein gutes Vorstellungsvermögen. Seine Hausaufgaben sahen „richtig malerisch“ aus, waren aber inhaltlich von geringer Qualität, was vollkommen unvereinbar war mit seinen Zukunftsplänen. Er war wie besessen von Flugzeugen und wollte Pilot werden. Seine Lehrer versuchten, ihn wegen seiner schwachen Leistung von dieser Idee abzubringen. Man wusste wenig über sein Zuhause, da sein Vater kein Englisch sprach, nicht in der Schule erschien und die Mutter in Indien lebte.
Zuerst hatte man versucht, Sympathie für den Jungen aufzubringen, lehnte ihn mittlerweile jedoch kategorisch ab. Die Schikaniererei suchte die Schulleitung als Nationalitätenproblem zu behandeln, die Lehrer glaubten jedoch, dass Dipak selbst der Auslöser sei. Der Grund für ihre nunmehr völlige Ablehnung des Jungen läge darin, dass er angefangen habe, sie zu belügen, ihnen zum Beispiel vorgemacht habe, dass er wegen eines Aufenthaltes in Indien demnächst nicht in die Schule kommen würde, was aber nicht stimmte und er einfach geschwänzt habe.
Die zum Teil nervöse, zum Teil feindselige Ablehnung des Jungen in der Gruppe schien total. Niemand hatte die geringst Neigung, auf Positives einzugehen, auf dem man die Diskussion hätte aufbauen können.“ (Hanko, 1999, S.51f)
0 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle von Konflikten in der Schule und stellt das Ziel der Arbeit vor, die Lebensbedingungen von Kindern aus sozial benachteiligten Familien sowie den Umgang von Lehrern mit diesen zu untersuchen.
1 Sozialisation: Dieses Kapitel definiert den Sozialisationsbegriff und analysiert zentrale Sozialisationsinstanzen wie Familie, Peer-Groups und insbesondere die Institution Schule.
2 Soziale Benachteiligung und Armut in einer reichen Gesellschaft: Es wird die Situation von Kindern in arbeitslosen und ausländischen Familien betrachtet, wobei insbesondere Wohnumfeld, Gesundheit und soziale Isolation thematisiert werden.
3 Institution Schule und ihre Funktionen: Hier werden die Funktionen der Schule wie Qualifikation, Selektion und Allokation sowie spezifische Problemfelder wie soziale Situation und Sprache im Schulalltag analysiert.
4 Der Umgang von Lehrern mit sozial benachteiligten Schülern: Das Kapitel untersucht, wie Lehrer schulische Normen anwenden, Schüler typisieren und wie dies zu Stigmatisierung, Benachteiligung bei der Notengebung und im Interaktionsprozess führt.
5 Die Bewältigung von Schülerproblemen: Anhand von Fallbeispielen wird der Umgang von Lehrern mit problembelasteten Schülern erörtert und die häufige Überforderung des pädagogischen Personals aufgezeigt.
6 Umfrage: Die Ergebnisse einer Lehrerbefragung zur Situation von sozial benachteiligten Schülern im Landkreis Döbeln werden präsentiert und ausgewertet.
7 Zusammenfassung und Schlussfolgerung für die Praxis: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und fordert eine verstärkte Einbindung von Schulsozialarbeit, um den komplexen Anforderungen an modernen Schulen gerecht zu werden.
Soziale Benachteiligung, Armut, Arbeitslosigkeit, Migration, Sozialisation, Schule, Stigmatisierung, Lehrer-Schüler-Interaktion, Notengebung, Schülerprobleme, Schulsozialarbeit, Schulerfolg, Bildungschancen, Integration, Leistungsgesellschaft.
Die Diplomarbeit untersucht die Lebenswelten von sozial benachteiligten Kindern und analysiert, wie das Schulsystem und das Verhalten der Lehrkräfte diese soziale Benachteiligung durch Stigmatisierungsprozesse und selektive Maßnahmen beeinflussen.
Die Arbeit fokussiert sich auf die Schnittstellen zwischen familiärer Armut bzw. Migration und dem schulischen Alltag, beleuchtet Sozialisationstheorien und diskutiert Funktionen der Schule sowie die pädagogische Professionalität im Umgang mit „schwierigen“ Schülern.
Das primäre Ziel ist es, die strukturellen und psychischen Belastungen sozial benachteiligter Kinder aufzuzeigen und zu verdeutlichen, dass deren schulischer Erfolg maßgeblich vom pädagogischen Umgang der Lehrkräfte abhängt.
Neben einer theoretischen Fundierung durch Fachliteratur wurde eine empirische Untersuchung in Form einer schriftlichen Lehrerbefragung im Kreis Döbeln durchgeführt, um praktische Einblicke in die Schulsituation zu gewinnen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der schulischen Funktionen, den spezifischen Umgang von Lehrern mit benachteiligten Schülern (u.a. Typisierung, Notengebung, Interaktionsprozesse) sowie die Bewältigung von Schülerproblemen im Unterricht.
Zu den zentralen Begriffen zählen Soziale Benachteiligung, Stigmatisierung, Sozialisation, Lehrer-Schüler-Beziehung, Integration und Schulerfolg.
Die Autorin stellt dar, dass Lehrer durch die Typisierung von Schülern dazu neigen, Leistungen von Kindern aus niedrigeren sozialen Schichten negativer zu bewerten und ihnen bei gleichem Leistungsstand schlechtere Zensuren als Kindern aus der Mittelschicht zu geben.
Da Lehrer oft überlastet sind und pädagogisch nicht ausreichend ausgebildet sind, um komplexe soziale Probleme von Schülern zu lösen, sieht die Autorin die Schulsozialarbeit als notwendiges Bindeglied zur Entlastung der Lehrkräfte und zur Förderung der betroffenen Schüler.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

