Masterarbeit, 2011
111 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
1.1 Themenwahl und Zugang
1.2 Rezeption des Themas
1.3 Erkenntnisinteresse
2 Methodik
2.1 Meine Rolle als Forscher
2.2 Die unstrukturierte, teilnehmende Beobachtung
2.3 Das Ero-epische Gespräch
2.4 Die Protokolle
3 Die Piratenbucht
3.1 Topographie einer Insel
3.2 Hippies und Aussteiger: Überlegungen zu einer Randkultur
4 Biographien
4.1 Harry
4.2 Carlos
4.3 Rick
4.4 Breiti
4.5 Andreas
4.6 Anna
5 Das Verhältnis zu Touristen
6 Das Verhältnis zu Behörden
7 Überlebensstrategien
8 Die Bedeutung von Alkohol und Drogen
9 Symbole und Techniken der Selbststigmatisierung
9.1 Verwegenheit
9.2 Provokation und Spontanität
9.3 Askese
10 Conclusio
11 Ausblick
12 Anhang
Die vorliegende Masterarbeit untersucht das soziologische Phänomen einer Aussteiger-Enklave in San Pedro („Piratenbucht“) an der andalusischen Küste. Ziel ist es, ein Verständnis für die Lebensrealitäten, Identitätskonstruktionen und Bewältigungsstrategien der Bewohner zu gewinnen, die sich bewusst von bürgerlichen Lebensentwürfen abgewandt haben. Dabei wird analysiert, wie diese Randgruppe in einer prekären Umgebung überlebt, welche Bedeutung externe Einflüsse wie Tourismus und staatliche Behörden haben und wie Stigmata durch Selbstinszenierung umgedeutet werden.
1.1 Themenwahl und Zugang
Durch Zufall erzählte mir ein Freund von San Pedro - einem kleinen Strand im spanischen Andalusien, sehr versteckt, in einer idyllischen Bucht in der Nähe von Almeria. Ein ehemaliges Fischerdorf, in dem sich seit den 90er Jahren einige deutschsprachige und spanische Hippies angesiedelt haben und dort in Höhlen und Hütten leben. Mit langen Haaren und Bärten, nur mit Lendenschurz bekleidet, leben sie in den Tag hinein, nur von dem, was die Natur ihnen gibt.
Mein Interesse war sofort geweckt, ein paradiesisches Leben geprägt von Freiheit und Unabhängigkeit schwebte mir vor, ohne Frustrationen des Alltags, ohne Strafzettel, Staus und Arbeitsstress. Schon als Kind interessierte ich mich für Menschen, die ein scheinbar wildes Leben führen. Ich las Mark Twain, liebte Geschichten vom Wilden Westen - umherstreifende Cowboys, Vagabunden, Aussteiger hatten es mir angetan.
Doch was steckt wirklich hinter einem Aussteiger-Leben? Da ich zu dieser Zeit auf der Suche nach einem geeigneten Thema für meine Master-Arbeit gewesen bin und ich mich besonders für kultursoziologische Themen interessiere, entschloss ich mich, den Strand und das Phänomen des Aussteigens unter die Lupe zu nehmen.
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Aussteiger-Enklave und Darlegung des Forschungsinteresses sowie des persönlichen Zugangs zum Feld.
2 Methodik: Erläuterung der angewandten ethnographischen Methoden wie der teilnehmenden Beobachtung und dem ero-epischen Gespräch im Kontext der Feldforschung.
3 Die Piratenbucht: Beschreibung der topographischen Lage sowie eine erste soziologische Einordnung der Bewohner als Randkultur.
4 Biographien: Detaillierte Fallstudien einzelner Bewohner, um deren Motivationen, Hintergründe und den Prozess des Ausstiegs zu beleuchten.
5 Das Verhältnis zu Touristen: Analyse der ambivalenten Beziehung zwischen den Aussteigern und den saisonalen Besuchern, geprägt von ökonomischer Abhängigkeit und sozialen Spannungen.
6 Das Verhältnis zu Behörden: Untersuchung der Duldungsstrategien der spanischen Behörden und der informellen Kompromisse, die ein Überleben vor Ort ermöglichen.
7 Überlebensstrategien: Darstellung der ökonomischen und alltäglichen Mechanismen, mit denen die Bewohner ihren Lebensunterhalt und ihre Infrastruktur sichern.
8 Die Bedeutung von Alkohol und Drogen: Erörterung der Rolle von Genussmitteln für die Gruppendynamik und als eskapistische bzw. soziale Instrumente.
9 Symbole und Techniken der Selbststigmatisierung: Analyse der bewussten Inszenierung nach außen, um Stigmata wie Armut oder Obdachlosigkeit in eine positive, autonome Identität umzuwandeln.
10 Conclusio: Synthese der Forschungsergebnisse und Reflexion über das Phänomen der Aussteiger-Existenz.
11 Ausblick: Vorschläge für weiterführende soziologische Studien und Reflexion über die Grenzen der vorliegenden Arbeit.
12 Anhang: Quellenverzeichnis und Zusammenfassungen der Arbeit.
Aussteiger, San Pedro, Ethnographie, Randkultur, Identitätskonstruktion, Selbststigmatisierung, Hippiekultur, Lebenswelt, Feldforschung, Soziologie, Lebensentwurf, Überlebensstrategien, Stigma, alternative Lebensformen, Exklave.
Die Arbeit untersucht ethnographisch das Leben einer Aussteiger-Gemeinschaft an einem abgelegenen Strand in Spanien, um zu verstehen, warum und wie Menschen sich bewusst gegen eine bürgerliche Existenz entscheiden.
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Biographien der Bewohner, ihre ökonomischen Überlebensstrategien, das Verhältnis zu Touristen und Behörden sowie die Mechanismen der Identitätsbildung in einer sozialen Randgruppe.
Das Ziel ist die explorative Erforschung des Phänomens "Aussteigen" in San Pedro, um nachzuvollziehen, wie Bewohner dort Autonomie, soziale Identität und Anerkennung trotz marginalisierter Bedingungen konstruieren.
Der Autor nutzte die freie Feldforschung nach Roland Girtler, insbesondere teilnehmende Beobachtung und ero-epische Gespräche, um tiefgehende Einblicke in die Lebenswelt der Menschen zu erhalten.
Der Hauptteil analysiert neben den individuellen Lebensgeschichten der Bewohner die sozialen Dynamiken vor Ort, inklusive der ökonomischen Interaktionen, der Rolle von Rauschmitteln und der bewussten Abgrenzung von gesellschaftlichen Normen.
Die zentralen Schlagworte sind Aussteiger, Ethnographie, Selbststigmatisierung, Randkultur, Identität und alternative Lebensentwürfe.
Die Touristen stellen einerseits eine notwendige ökonomische Einnahmequelle dar, die das Überleben sichert, verursachen aber andererseits Lärm, Verschmutzung und Konflikte, die das autarke Lebensgefühl der Bewohner stören.
Die Bewohner nutzen Stigmata wie Verwahrlosung oder Obdachlosigkeit, um sich bewusst von der bürgerlichen Leistungsgesellschaft abzugrenzen und durch die Inszenierung einer "rauen" Naturverbundenheit soziale Anerkennung in der Gruppe zu erlangen.
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